Reise

Weltweites Allzeithoch Reisebranche vor Rekordjahr

Die Wirtschaftskrise hat die Reiselust der Deutschen nur kurz bremsen können. Für 2011 sehen manche Experten neue Rekorde voraus. Doch die Folgen der neuen Ticketsteuer sind noch ungewiss.

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Die Wirtschaftskrise hat die Reiselust der Deutschen nur kurz bremsen können. Für 2011 sehen manche Experten neue Rekorde voraus.

(Foto: dpa)

Die Erholung in der Reisebranche verlief in Deutschland rasant. 21,3 Milliarden Euro haben nach Berechnungen des Deutschen Reiseverbandes (DRV) allein die Reiseveranstalter im Ende Oktober abgelaufenen Tourismusjahr umgesetzt - zwei bis drei Prozent mehr als im Krisenjahr zuvor. Und weil die Preise sanken, stieg die Zahl der Veranstaltergäste sogar um rund fünf Prozent auf mehr als 40 Millionen.

"Das Tief ist endgültig überwunden", sagt der Chef der weltgrößten Reisemesse ITB, Martin Buck. Global rechne man für 2010 sogar mit einem Allzeithoch von 9,8 Milliarden Reisen, fünf Prozent mehr als 2009. Besonderes Wachstum habe es in Asien gegeben, aber auch Europa habe um ein bis zwei Prozent zugelegt. Und Deutschland konnte 2010 mit insgesamt rund 72,6 Millionen Auslandsreisen erneut seinen Titel als Reiseweltmeister verteidigen- vor den USA und Großbritannien.

Für 2011 Rekorde erwartet

Für das kommende Jahr erwarten viele Experten Rekorde im deutschen Tourismus. In einer Umfrage des Travel Industry Clubs unter 500 Entscheidungsträgern der Branche gaben fast 70 Prozent an, dass die deutsche Reiseindustrie 2011 auf einen Rekord zusteuere. Dabei dürften die Reisenden nach Überzeugung der Manager angesichts stabiler Jobs und realer Lohnzuwächse deutlich mehr Geld für den Urlaub ausgeben.

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Die Folgen der neuen Ticketsteuer sind noch ungewiss.

(Foto: dpa)

Doch es bleiben Risiken - unter anderem durch die vom 1. Januar an geltende neue Ticketsteuer. "Die Luftverkehrssteuer verteuert die Mobilität der Bundesbürger, so dass die Auswirkungen überhaupt noch nicht abschätzbar sind", kritisierte kürzlich der DRV. So hat etwa die Fluggesellschaft Ryanair mit Verweis auf die Abgabe bereits ihren Flugplan in Deutschland zusammengestrichen. Doch nicht alle rechnen mit massiven Buchungsrückgängen: "Ich erwarte keine großen Folgen der Ticketsteuer, zumal Pauschalreisen als Paket angeboten werden", sagt ITB-Chef Buck.

Risiken für die Tourismusbranche zeigten sich auch 2010 immer wieder deutlich. So legte im Frühjahr Vulkanasche aus Island fast den gesamten europäischen Luftverkehr für knapp eine Woche lahm - und hinterließ bei Veranstaltern wie TUI oder Thomas Cook Millionenschäden. Die Reisebranche nutzt das Asche-Debakel mit den vielen gestrandeten Touristen nun, um für die Pauschalreise als Gegenpol zur individuell organisierten Reise zu werben - denn bei den Paketen kümmern sich schließlich Reisebüro und Veranstalter bei Flugausfällen, lautet das Versprechen.

Ost-West-Bewegung

In einem Punkt sind sich die Experten einig: Die Reisetrends der vergangenen Jahre werden sich auch 2011 fortsetzen - vor allem die sogenannte West-Ost-Bewegung. Statt Spanien oder Italien gewinnt immer mehr die Türkei als Mittelmeer-Ziel an Bedeutung. "Es ist eine große Herausforderung für Spanien, ob sie eine Strategie finden, wieder Marktanteile dazuzugewinnen", sagt Buck. Ein Preiskampf gegen die deutlich günstigere Türkei scheide vermutlich aus. "Da wird es spannend sein zu sehen, was sich die Klassiker da einfallen lassen." Schaufenster der Branche ist im März wieder die Reisemesse ITB in Berlin, zu der Buck erneut rund 11.000 Aussteller erwartet.

Vor neuen Herausforderungen stehen auch die deutschen Hotels, die um Gäste aus der Heimat wie aus dem Ausland buhlen. Denn die globalen Reiseströme werden sich immer weiter ändern. "China wird im Laufe der nächsten zehn Jahre Reiseweltmeister", sagt ITB-Chef Buck. "Das ist ein riesiges Potenzial." Allerdings müsse man dann auch auf die Wünsche der Gäste aus Asien eingehen. Denkbar seien etwa spezielle Hotels, die sich auf chinesische Gruppenreisenden und asiatische Küche spezialisierten. Schließlich gebe es auf Mallorca auch seit Jahren Feriengebiete, die sich auf deutsche oder britische Urlauber spezialisiert hätten.

Quelle: ntv.de, Rochus Görgen und Eva Tasche, dpa