Reise

Zwischen Strand und Rum-Shop Relaxen auf Grenada

Der Duft von Muskat, Nelken, Zimt, Lorbeer, Vanille und Zitronengras scheint überall in der lauen Luft zu liegen und Besuchern in die Nase zu steigen. Es macht deshalb Sinn, dass sich Grenada auch als die "Gewürzinsel der Karibik" bezeichnet.

Doch neben den Gewürzen und ihren Stränden hat die Insel noch mehr zu bieten: zum Beispiel Rum. Die Fabrik ruht, lang ausgestreckt liegen zwei Arbeiter vor den Zahnrädern der Zuckerrohrpresse und schlafen. Neben dem uralten Destillationskessel dösen drei Leute vor sich hin. Sogar der braune Wachhund wirkt, als würde er einen Rausch ausschlafen: Faul liegt er auf der Treppe und blinzelt nur kurz aus müden Augen. Ein süßlicher Duft nach Alkohol und Zuckerrohrsaft schwebt über der Anlage. Die "River Antoine Rum Distillery" auf Grenada ist einmalig in der Karibik, denn hier wird der Rum noch genau so hergestellt wie vor 200 Jahren. Wer bei "River Antoine" arbeitet, hat womöglich schon vor der Mittagspause einen sitzen – vom bloßen Einamten der Alkoholdünste.

Auf dem Vorplatz türmen sich Berge von Zuckerrohr, die darauf warten, zu edlem Rum verarbeitet zu werden. Doch im Moment fehlt der Antrieb: Der umgeleitete Bach, der das hölzerne Mühlrad antreibt, führt gerade nicht genug Wasser. Seit 1785 hat sich am Verfahren der Produktion so gut wie nichts geändert. Daher, so sagen die Insulaner, sei dies die älteste noch arbeitende Rumdestille der Karibik.

Wer die kleine Fabrik besichtigt, fühlt sich ein bisschen versetzt in die Zeit der Sklaven und Plantagen, der Zuckerbarone, Schmuggler und Piraten. Zwei Sorten Rum werden gebrannt. Eine mit 72 Prozent Alkohol für die Einheimischen und eine mit 69 Prozent Alkohol für die Touristen. Diese "leichte" Sorte gibt es erst wenige Jahren. Schuld daran sind die Fluggesellschaften, denn Schnaps ab 70 Prozent Alkoholgehalt gilt als hochbrennbare Flüssigkeit und Gefahrgut, so dass ausreisende Touristen bei den Kontrollen hin und wieder Ärger bekamen und der hochprozentige Stoff beschlagnahmt wurde.

Berühmt geworden ist Grenada aber vor allem wegen der hochwertigen Muskatnüsse, die auf der kleinen Antilleninsel wachsen wie wild. Man lernt rasch, dass Muskatnüsse keine Nüsse sind, sondern Kerne von Baumfrüchten, die in Größe und Farbe zunächst an kleine Aprikosen erinnern. Aus dem Fruchtfleisch lässt sich Marmelade kochen – die aber allenfalls in England als Köstlichkeit gilt. Das ist mit dem so genannten Mazis - dem roten Samenmantel, der die Nuss umhüllt -schon anders. Dieses Mazis ist noch wertvoller als die Muskatnuss selbst: Es dient als Gewürz in Suppen und Eintöpfen, vor allem aber ist es ein Bestandteil vieler Wurstwaren bis hin zu bayerischen Weißwürsten.

Die Muskatnuss liefert ein Gewürz von feurig-süßer Schärfe, das vielfältig eingesetzt wird. Auf Grenada gibt es beispielsweise ein köstliches Muskat-Eis, und wer abends zum karibischen Sonnenuntergang eine Pia Colada bestellt, der darf sich nicht wundern, wenn der Barkeeper als Krönung ein Prise Muskat über den Cocktail streut.

Der Inselstaat lebt aber nicht nur von den Nüssen, sondern zum großen Teil von Touristen. Grenada kommt dem Karibik-Klischee ziemlich nahe, das sich in vielen europäischen Köpfen verankert hat: Es gibt türkisblaues Wasser, schöne Strände, dampfende Regenwälder, erstklassige Hotels und freundliche Menschen. Dazu eine Blütenpracht aus Bougainvilleas, Hibisken, Frangipangis und Flammenbäumen.

Doch im September 2004 schlug "Ivan" zu: Der Hurrikan traf den Südteil der Insel und die Hauptstadt St. George's, die zu den schönsten karibischen Städten zählt, mit voller Wucht. Es gab Dutzende Tote und viele Verletzte, 27.000 Häuser verloren ihre Dächer, mehrere Hotels wurden stark beschädigt. Dabei hatten viele Grenader geglaubt, ihre weit im Süden liegende Antilleninsel gehöre zur Hurrikan-freien Zone, schließlich hatte es vor "Ivan" hier 49 Jahre lang keinen tropischen Wirbelsturm mehr gegeben. Diese Leichtgläubigkeit ist vorüber – zumal im Juli 2005 mit "Emily" ein weitere Hurrikan Grenada heimsuchte, wenn auch mit weniger Schäden.

Inzwischen sind die beschädigten Hotels längst wieder aufgebaut – einige sind sogar schöner geworden als je zuvor. Es gibt ein neues Terminal für die Kreuzfahrtschiffe, die auf ihren Karibikfahrten für einen Tag in St. George's festmachen, und chinesische Bauarbeiter legen letzte Hand an das riesige neue Kricket-Stadion, das die Pekinger Regierung den Grenadern als Ersatz für die zerstörte Arena zum Geschenk machte. Allerdings wird an Privathäusern selbst zwei Jahre nach "Ivan" immer noch gewerkelt. Auch einige Kirchen wurden völlig zerstört, während die meisten Rum-Shops unversehrt blieben.

"Ivan" und "Emily" haben die Grenader bekehrt: Die Sorglosigkeit ist pass, ein Hurrikan-Warnsystem wurde eingerichtet. Die Menschen verfolgen die Wettermeldungen und legen sich während der Hurrikan-Saison Lebensmittel, Batterien und Taschenlampen zur Seite. Eines ist aber geblieben: die Fähigkeit, auf gelassene Art das Leben zu genießen. Auf der Insel gibt es sogar ein eigenes Wort dafür: "to lime", was so viel bedeutet wie süßes Nichtstun. "Limen" lässt sich am besten übersetzen mit Entspannen und Abhängen oder auf Neudeutsch mit Relaxen oder Chillen. Grenadas Jugend hat sogar ein neues Wort dafür kreiert, eine Kombination aus beidem: "chillaxen".

Anreise und Formalitäten:

Condor fliegt in der Wintersaison jeden Montag von Frankfurt/Main nach Grenada. Auf dem Rückflug wird ein Stopp in Porlamar auf der Insel Margarita in Venezuela eingelegt. Weitere Nonstopflüge von Deutschland aus gibt es nicht, Verbindungen mit Umsteigen führen zum Beispiel mit British Airways über London. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate lang gültig sein.

Klima und Reisezeit:

Subtropisch feuchtes Klima mit ganzjährigen Tageshöchstwerten zwischen 27 und 30 Grad. Die beste Reisezeit ist von Februar bis Mai -in diesen Monaten fällt am wenigsten Regen.

Informationen: Grenada Board of Tourism, Schenkendorfstraße 1, 65187 Wiesbaden (Tel.: 0611/267 67 20, Internet: www.grenadagrenadines.com, E-Mail: grenada@discover-fra.com).

Quelle: n-tv.de