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Ältestes Flussmuseum Deutschlands Rhein-Museum wird hundert

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Fahrpläne der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrtslinie aus dem Ende des 19. Jahrhunderts in der Jubiläumsausstellung des Rhein-Museums Koblenz.

(Foto: dpa)

Wandschmuck mit Fluss-Motiven, alte Schifffahrtspläne, singende Loreley-Figuren - im Koblenzer Rhein-Museum findet sich alles Erdenkliche zum Rhein. In diesem Jahr feiert das Haus seinen 100. Geburtstag. Deshalb gibt es einen Tag der offenen Tür mit freiem Eintritt.

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Fahrplan der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrtslinie aus Jahr 1896.

(Foto: dpa)

Der gläserne Eingang des Rhein-Museums in Koblenz erinnert an einen Schiffsbug - etwa den der legendären "Titanic". Während letztere im Jahr 1912 in den eisigen Fluten des Atlantiks versank, öffnete das Museum in dem Jahr seine Pforten. 100 Jahre danach wird in dem Haus unterhalb der Festung Ehrenbreitstein, das sich mit der Kulturlandschaft Rhein beschäftigt, gefeiert. Von heute bis Jahresende ist die Jubiläumsausstellung "Museum der Erinnerungen - 100 Jahre Rhein-Museum" zu sehen. Am Sonntag lockt ein Tag der offenen Tür mit freiem Eintritt.

Das privat geführte Museum mit rund 1700 Quadratmetern Ausstellungsfläche nennt rund 8000 Objekte zum Thema Rhein sein eigen. Gegründet wurde es 1912 von einem Richter namens Wilhelm Spies. Damals unterzeichneten die Rhein-Anrainerstaaten hierfür ein Gründungsdokument, was nach Ansicht des Koblenzer Kulturdezernenten Detlef Knopp die Bedeutung des Hauses zeigt: Das Rhein-Museum verkörpere idealerweise den europäischen Gedanken, denn der Rhein sei nun mal ein europäischer Strom.

Neuanfang nach Kriegszerstörung

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Rainer Doetsch, Direktor des Rhein-Museums Koblenz, erklärt eine Schiffsdampfmaschine.

(Foto: dpa)

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum zerstört, fast alle Exponate gingen verloren. Was folgte, waren die Wiedereröffnung 1952 und mehrere Umzüge innerhalb von Koblenz. Diese bewegte Geschichte zeigt die Jubiläumsausstellung sowie rund 600 Exponate, die sonst im Lager schlummern - von Kunst bis Kitsch. "Wir sind vor nichts zurückgeschreckt", kündigte Direktor Rainer Doetsch an.

So finden sich in den Vitrinen typische Mitbringsel vom Rhein wie Silberlöffel mit Fluss-Motiven, Ofenschilder mit Rheinbildern, eine mit Felsen aus Gips verzierte Postkarte des Niederwald-Denkmals, ein Kork-Diorama mit Schloss Stolzenfels aus dem Jahr 1900 oder eine aufziehbare, singende Porzellan-Loreley. "Man glaubt nicht, was sich die Menschen alles rund um den Rhein ausgedacht haben", sagt Doetsch, der das Museum seit 20 Jahren leitet. Träger ist seit 1912 ein gemeinnütziger Verein mit rund 400 Mitgliedern.

Wertvolle Flohmarktfunde

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Doetsch, auf einem hölzernen Rheinnachen sitzend, mit einem Papiermodell der Titanic.

(Foto: dpa)

Einige der Gegenstände aus dem Fundus wurden dem Museum geschenkt, anderen kaufte das Haus auf Flohmärkten oder im Internet, wie Doetsch erklärt. Dabei zeigt er auf eine Schullandkarte des Rheins aus dem 19. Jahrhundert im Treppenhaus. "Die haben wir im Internet ersteigert, hat drei Euro gekostet." Ein paar Stockwerke tiefer steht eine Emaille-Schüssel, die früher einem Rheinschiffer gehörte. "Für uns ist so was wertvoll", sagt der studierte Völkerkundler Doetsch. "Auf dem Flohmarkt kostet das 1,50 Euro."

Das bedeutet aber nicht, dass in dem Haus nur Billig-Gegenstände zu sehen sind. Im Museum hängen etwa rund 70 Ölgemälde mit Rhein-Motiven, darunter ein Werk von Karl Herrmann aus dem Jahr 1839, das die sich kämmende Loreley zeigt. Es hängt direkt über einer barocken Konsole, die einmal Teil der Einrichtung auf der Jacht des letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus war.

"Ältestes Flussmuseum der Welt"

Auch echte Raritäten sind ausgestellt wie ein Original-Fahrplan der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt aus dem Jahr 1889, eine Erlaubnis zum Transport von Wein auf dem Rhein aus dem 18. Jahrhundert oder eine Steuermanns-Ordnung für die großherzoglich hessische Rhein-Strecke von Juni 1836. In der Halle neben dem Eingang ruht ein original Rheinschiff aus dem späten 17. Jahrhundert, das vor Jahren in der Baugrube für eine Hochwasserschutzmauer entdeckt wurde. "Kein anderes Museum zeigt den Rhein in dem Umfang wie wir", sagt Doetsch stolz. "Wir sind das älteste Flussmuseum der Welt."

Quelle: ntv.de, Christian Schultz, dpa

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