Reise

Tsunami vergessen Sri Lanka boomt

Die Elefanten-Pfleger in Pinnawela freuen sich ebenso wie die Mönche im Bahirawakanda-Tempel in Kandy: Touristisch geht es wieder aufwärts in Sri Lanka. Nach dem Tsunami am 26. Dezember 2004 standen die meisten Gästebetten lange leer.

Inzwischen aber verbucht das Land - auch wegen vieler Preissenkungen - sogar mehr Touristen aus aller Welt als im Rekordjahr 2004. Vor allem aus anderen asiatischen Ländern kommen mehr Urlauber auf die Insel. Die Deutschen dagegen sind mit Sri-Lanka-Reisen weiterhin zögerlich: Bei den Reiseveranstaltern hier zu Lande laufen die Buchungen schlecht. "Sri Lanka kommt so gut wie nicht auf die Beine", sagt zum Beispiel Matthias Rotter, Touristikleiter bei Meier's Weltreisen in Frankfurt.

Im Lande selbst ist davon aber wenig zu spüren. In Pinnawela hebt ein Polizist den Arm. Autos, Radfahrer und Karren halten. Ein großes Tor öffnet sich, und eine Elefantenherde schreitet langsam über die Dorfstraße in Richtung Fluss. Gut 70 Dickhäuter, darunter viele Babys und Jungtiere, prusten und schnauben im Wasser. Im großen "Waisenhaus" leben Elefanten, deren Mütter früh starben oder die anders in Not gerieten. Tierarzt Chandana Rajapaksa ist zufrieden, dass wieder mehr Ausländer kommen. "Die Kasse muss klingeln", sagt er. Denn der Unterhalt der Tiere kostet viel Geld.

Der 13-jährige Wagera und der 12 Jahre alte Upale sitzen in orangenen Gewändern auf der kleinen Mauer der Bahirawakanda-Anlage, die von einer 30 Meter hohen Buddhafigur überragt wird. Die Jungen in der Mönchsausbildung genießen den spektakulären Blick auf Kandy. Die Berge ringsum sind Teeland mit großen Plantagen. Unten liegen die Häuser, Tempel und Gewässer der alten Königsstadt. "Im Frühjahr war es auch bei uns recht still, obwohl Kandy weit weg liegt vom Katastrophengebiet. Doch nun geht es wieder aufwärts", sagt Upale.

Die Autofahrt nach Colombo führt an Reisfeldern, Palmenhainen, Gewürzgärten, Kautschuk-, Ananas- und Bananenplantagen vorbei. Frauen in vielfarbigen Saris offerieren Körbe mit Früchten und Cashewnüssen. Eine Zugfahrt von der Hauptstadt Richtung Südosten entlang der Palmen besäumten Strände zeigt die Kontraste zwischen Luxus und Armut, Glück und Unglück. Vom "Mount Lavinia"-Hotel winkt ein Gast den Zuginsassen zu. In der Fünf-Sterne-Herberge kurz hinter Colombo mit hellem Sandstrand hatten die Wassermassen fast keine Schäden angerichtet.

Küchenchef Ralf Vogt aus dem Raum Köln ist glücklich, dass auch in anderen Hotels die Geschäfte wieder besser laufen. "Das Land mit seinen freundlichen Menschen braucht den Tourismus dringend", sagt er. Diesellok und Waggons fahren durch Küstendörfer, in denen Arbeiter mauern, sägen und hämmern. Viele Häuschen sind neu, andere im Bau, etliche werden mit Steinen, Holz und Flechtwerk repariert. Von den 1330 Kilometern Küste hatte der Tsunami 1126 verwüstet.

Derzeit werden die Hotelkapazitäten in Sri Lanka kräftig erweitert. Unter anderem sind zwei Hotels der Ketten Sheraton und Hyatt mit insgesamt mehr als 500 Zimmern im Bau. Und bis auf sieben sind inzwischen alle vom Tsunami beschädigten Urlauberhotels wieder geöffnet. "Wir haben viel erreicht und es bleibt noch viel zu tun", sagt Channa Jayasinghe, Direktor von Sri Lankas Fremdenverkehrsamt in Frankfurt. "Im Januar und Februar wagten wir kaum zu hoffen, dass Hotelaufbau und Tourismus so rasch wieder auf die Beine kommen."

Informationen: Fremdenverkehrsamt Sri Lanka, Allerheiligentor 2-4, 60311 Frankfurt (Tel.: 069/28 77 34 und 069/28 82 16, E-Mail: ctbfra@t-online.de).

Quelle: n-tv.de