Reise

Malediven in Not Touristen bleiben weg

Ein paar tausend Palmen auf weißem Sand. Dazwischen gelber Hibiskus, weiße, betörend duftende Frangipaniblüten und kleine Echsen in vielerlei Farben. Nach wenigen Metern Schnorcheln im Meer öffnet sich ein Korallenriff.

Dort findet man unzählige gelbe Falterfischen, Blaustreifenschnappern und Clownfischen, die sich wie Filmstar "Nemo" in ihre Seeanemonen kuscheln. Die Menschen auf Filitheyo hatten Glück: Die Malediven-Insel wurde vom Tsunami verschont. Dennoch brachte das Seebeben vor einem halben Jahr auch hier einen starken Einbruch bei den Besucherzahlen.

"Dass weniger Touristen kommen, ist der größte wirtschaftliche Schaden", sagt Manager Manuel Locher, der neben Filitheyo auch das vom Tsunami zerstörte Resort Medhufushi leitet. Diese Touristeninsel war brusthoch überflutet. Verletzt wurde niemand, aber die Bungalows sollen erst im Sommer 2006 wieder bezugsfertig sein. Insgesamt mussten 21 der 87 Inselressorts schließen, 9 davon haben bereits wieder geöffnet.

"75 Prozent der Arbeitskräfte sind direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig", sagt Mustafa Lutfi, Tourismusminister der Malediven, die ansonsten ihre Devisen fast nur mit Fischen und Kokosnüssen verdienen. Der Tsunami hatte die Inseln abgeschwächt erreicht, die Riffe bremsten die Welle zusätzlich ab. "Rund 100 Einheimische starben oder sind vermisst, drei Touristen wurden getötet", sagt der Minister des 300 000-Einwohner-Staates.

Viele der getöteten Bewohner ertranken, weil sie - wie andere Inselvölker auch - traditionell nicht schwimmen lernen. Die Überlebenden haben nun zusätzlich wirtschaftliche Einschränkungen. "Wir haben jetzt in der Nebensaison eine Bettenbelegung von 50 statt normalerweise 70 Prozent - und dabei haben wir schon die Preise gesenkt", bedauert Lutfi.

Das Ressort White Sands ist bereits seit April wieder geöffnet. 600 Arbeitskräfte haben es in drei Monaten aufgebaut. Nur der Steg zu zwei Wasserbungalows fehlt noch. Die werden jetzt gerne von Pärchen in den Flitterwochen genutzt, wie Ressortmanager Rolf Berthold erläutert. Einige Inseln bieten solche nur mit dem Boot erreichbaren Honeymoon-Hütten auch in ihrem Katalog an.

Einen Tag absolute Einsamkeit für 90 US-Dollar (74 Euro) gibt es für das Inselchen Hamza zu buchen, 25 Bootsminuten von Filitheyo entfernt: Ein paar Palmen, Büsche und Kaninchen, von denen unbekannt ist, wie sie dorthin kamen. Umrundungszeit zu Fuß: 10 Minuten.

Die Hauptattraktion der Malediven, die Korallen, haben den Tsunami fast unbeschadet überstanden. Die Riffe haben die Welle sogar etwas gebremst und deren Wucht vor vielen Inseln gebrochen. Eine weit größere Zerstörung hat 1998 das globale Klimaphänomen El Nio hinterlassen. Der Warmwasserstrom erhöhte die Meerestemperatur für drei Monate um drei Grad, zahlreiche Korallen starben ab. Die Erholung kann noch Jahrzehnte dauern.

Dennoch fasziniert jeder Schnorchel- oder Tauchausflug. Wer Glück hat, sieht außer hunderten bunter Korallenfische sogar Meeresschildkröten oder einen meterlangen Riffhai. "Auf den Malediven wurde noch keine Hai-Attacke registriert", beruhigt Biologe David Campion vom Meereslabor im Ressort Banyan Tree. "Hier haben die Haie genug Fische zu fressen." Zudem werden die Haie nicht wie an anderen Orten für die Touristen künstlich mit Fischkadavern angelockt.

Wer die Meereswelt lieber vom Trockenen aus betrachtet, kann das seit April geöffnete neue Hilton Unterwasser-Restaurant besuchen. Es gleicht einem kleinen Stückchen Tunnel aus Glas. Je nach Ebbe oder Flut bleiben ein bis zwei Meter vom Dach bis zur Wasseroberfläche -ein Himmel voller Fische.

Auch für einige Meerstiere ist es die Attraktion: Drei Stachelrochen mögen gar nicht aufhören, über das Glasdach zu gleiten. Ein Papageifisch versucht, mit seinem roten Maul ebenso unermüdlich wie erfolglos die Scheiben anzuknabbern, und gleich acht Clownfische schauen aus ihrer Anemone hervor, als ein Tourist sich der Scheibe nähert. Diesem wird dort unterdessen ein Menü mit 28 Spezialitäten serviert - für 250 US-Dollar (208 Euro).

Die Spenden sind angekommen auf dem Inselstaat, und die Ressorts waren zum Großteil versichert. Das Deutsche Rote Kreuz will bis zum Jahresende 26 Gesundheitsstationen wieder aufgebaut haben - jeweils ein 100-Quadratmeter-Haus mit fünf Zimmern. Ein Teil der noch geschlossenen zwölf Inselressorts soll zumindest laut Plan bis Ende des Jahres öffnen.

Angst vor einem neuen Tsunami hat Filitheyo-Manager Locher nicht. So einer komme nur alle paar hundert Jahre. "Als das Erdbeben vor Sumatra Ende März gemeldet wurde, haben wir alle Boote mit Trinkwasser und Erste-Hilfe-Kästen bestückt und hätten in kürzester Zeit alle Touristen auf das Meer fahren können", erläutert Locher. Das war allerdings nicht nötig, denn es folgte keine Flutwelle. Und seine Angestellte Joe-Ellen Moore fügt hinzu: "So ein Unglück kann wieder passieren oder auch nicht, egal, wo du bist."

Information: Fremdenverkehrsamt Malediven, Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt (Tel.: 069/27 40 44 20, Fax 069/27 40 44 22, E-Mail: maldivesinfo.ffm@t-online.de).

Quelle: ntv.de