Reise

Stress ein Fremdwort Urlaub auf der Hallig

Vor allem im Herbst und Winter werden sie bei Sturm regelmäßig überspült. Auf Langeneß, der größten von ihnen, passiert das im Jahr bis zu 20 Mal. Die Häuser der 108 Hallig-Bewohner stehen auf künstlich aufgeworfenen Hügeln, die hier Warfen genannt werden. Auf Langeneß gibt es keinen Arzt und kein Postamt. Täglich Briefe und Pakete bringt aber seit 28 Jahren der Postschiffer Fiede Nissen. Für eine Polizeistation ist Langeneß zu klein. "Die brauchen wir auch nicht", sagt Fiede. "Wenn doch was passiert, kommt der Sherrif von Amrum rüber." Aber das hat Seltenheitswert.

Im Tadsen-Museum auf der Ketelswarf zeigt Renate Boysen, wie es sich in früheren Jahrhunderten auf Langeneß gelebt hat: In der Küche neben dem Backofen lagern "Ditten". Touristen dürfen sie anfassen oder auch dran schnuppern. Die wenigsten wissen etwas damit anzufangen. "Das sind getrocknete Kuhfladen", erzählt die Museumsführerin. "Das war bei uns früher das einzige Brennmaterial." Der prächtigste Raum des Hauses ist der Pesel, wie die gute Stube auf Friesisch heißt: "Er wurde nur an Festtagen und zum Aufbahren der Toten benutzt", sagt Renate Boysen.

Auf der Ketelswarf steht auch der Nachbau einer Bockwindmühle. "Die gab es früher auf jeder Hallig, meistens aus Strandgut gebaut", erzählt Hallig-Bürgermeister Boy Andresen. Das reetgedeckte Gertsen-Haus nur wenige Meter weiter stammt aus dem Jahr 1725. Etliche Kapitänsfamilien haben darin gewohnt. Das auf Friesisch Döns genannte Wohnzimmer wirkt immer noch behaglich. Etliche Brautpaare haben sich hier schon das Jawort gegeben.

Andresen hat in einem Zimmer eine kleine Ausstellung aufgebaut, die zeigt, wie die Friesen früher im Watt Torf gegraben haben und es schafften, an das Salz darin zu kommen. Die Spuren des Torfabbaus sind im Watt noch zu sehen - Andresen weiß wo. In Gummistiefeln stapft er über den Schlickboden. "Hier gab es früher die Rickerts-Warf, auf der die Salzsieder gelebt haben", erzählt er. Als das Meer immer näher kam, haben sie am Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Häuser verlassen.
Später wurde die Warf überspült. Andresen zeigt auf den Wattboden: "Da sieht man noch Teile von roten Backsteinen." Der Hallig-Bürgermeister hat einen Spaten mitgenommen und gräbt im schlickigen Boden: Der Torf ist schnell gefunden.

Salzsieder gibt es schon lange nicht mehr. Und auch Landwirte sind selten geworden. Familie Johannsen hat noch einen Betrieb. Eine Hand voll Schafe gehörten dazu und 55 Rinder. "Früher hatte jede Halligfamilie Kühe für die Milch", sagt Honke Johannsen, der Sohn des Hofbesitzers. Heute ist das die Ausnahme. "Viele Jüngere gehen weg", sagt Johannsen. "Die meisten mit dem Willen wiederzukommen, aber das machen nur wenige." Honke Johannsen will bleiben.

Informationen: Tourismusbüro der Halligen Langeneß und Oland, Ketelswarf 3, 25863 Langeneß (Tel.: 04684/217).

Quelle: ntv.de