Reise

Tourismus und Denkmalschutz Weltkulturerbe gefragt

Die Auszeichnung als Unesco-Welterbestätte überstrahlt in seiner Glaubwürdigkeit alle anderen touristischen Gütesiegel. 27 solcher Kulturdenkmale gibt es in Deutschland. Sie sollen künftig touristisch wirksamer vermarktet werden.

Der Gesichtspunkt des Denkmalschutzes soll dabei nicht in den Hintergrund treten. Im Jahr 2001 haben sich die deutschen Welterbestätten zu einem Verein zusammengeschlossen, der in diesem Sinn wirken soll. Ein 36-seitiges Magazin mit Routenvorschlägen ist schon seit längerem erhältlich. Zur diesjährigen Internationalen Tourismus-Börse konnten nun erstmals konkret buchbare Angebote vorgelegt werden. Sie wenden sich vor allem an Gruppenreisende und Schulklassen. "Wir wollen aber damit auch den US-Markt aufsuchen, um verloren gegangene Touristen für Deutschland wiederzugewinnen", sagte der Vereinsvorsitzende Horst Wadehn bei der Vorstellung.

Der Verein tritt nicht selbst als Veranstalter auf, sondern vermittelt - etwa über seine Internetseite www.unesco-welterbe.de - den Kontakt zu den entsprechenden Agenturen. So hat etwa die Firma Event & Touring AG aus Wittenberg, selbst Fördermitglied des Vereins, Touren aufgelegt, die verschiedene Erbestätten miteinander verbinden - etwa Pfaffenwinkel und Reichenau in Süddeutschland oder Hildesheim, Goslar, Quedlinburg, Weimar und Eisenach in Mitteldeutschland.

Reisende mit eigenem Wagen zahlen für diese zweite Tour 335 Euro im Doppelzimmer. Im Preis enthalten sind vier Übernachtungen in Mittelklassehotels sowie Führungen durch die Erbestätten. Der Verein will nun Busunternehmen überzeugen, die Angebote samt Transport ins eigene Programm aufzunehmen. "Ganz wichtig ist uns aber auch, die Jugend zu gewinnen, denn das sind die Touristen von morgen", so Wadehn. Zusammen mit dem Deutschen Jugendherbergswerk wurden entsprechende Vorschläge für Klassenfahrten entwickelt.

Dass sich Welterbestätten zu einem so engen touristischen Netzwerk zusammenschließen, ist weltweit einzigartig. "Davon können andere Regionen in der Welt lernen", sagt Professor Francesco Bandarin, Direktor des Unesco-Welterbezentrums in Paris.

Das Lob des obersten Denkmalhüters ist keineswegs selbstverständlich, schließlich besteht zwischen Denkmalschutz und Tourismus ein Spannungsverhältnis. Zwar helfen die Besucher gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel, die Erbestätten finanziell zu erhalten. Andererseits kann ein unkontrollierter Ansturm das genaue Gegenteil bewirken. Weltweit gelten derzeit 35 Kultur- und Naturerbestätten als gefährdet - wegen Krieg, Urbanisierung und Umweltverschmutzung, aber eben auch wegen der Auswüchse des internationalen Tourismus.

"Welterbestätten dürfen nicht zum Vergnügungspark werden", mahnt Bandarin - ein Ziel, in dem er sich mit dem deutschen Welterbeverein einig weiß. Doch auch hier zu Lande gibt es gelegentlich Probleme: So neigen etwa Besucher des Potsdamer Schlosses Sanssouci dazu, sich an immer derselben Stelle abzustützen, was bereits zu sichtbaren Abnutzungserscheinungen geführt hat. Als vorbildlich gilt die Besucherlenkung im Goethehaus zu Weimar. Durch eine intelligente Software erfährt man bereits bei der Vorbestellung der Karten, wann die Führung genau stattfindet und kann sich vorher noch anderswo umsehen.

Der deutsche Welterbeverein will im August auf seiner Jahreskonferenz in Brühl darüber diskutieren, an welchen Stellen der Denkmalschutz oberste Priorität genießen muss und wo man den Gewohnheiten der Touristen entgegenkommen kann. Horst Wadehn findet zum Beispiel, dass das Fotografierverbot mitunter zu strikt gehandhabt wird: "Von einer modernen Kamera geht doch kein Stuck kaputt."

Informationen: Unesco-Welterbestätten Deutschland e.V., Kornmarkt 5, 06484 Quedlinburg (Tel.: 03946/81 00 42, Fax: 03946/81 00 32)

Quelle: ntv.de