Reise

Gruseliges Treiben im Harz Zehntausende feiern Walpurgis

Wer zurzeit im Harz unterwegs ist, kann ihnen nicht entkommen: Überall lauern Hexen-Puppen. In der Nacht zum 1. Mai begegnen einem die Grusel-Gestalten dann auch persönlich.

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Teufel und Hexen tanzen zur Walpurgisnacht im Harz.

Überlange Hakennase, Zahnlücke, schräge Brille, Kopftuch, wallender Umhang und natürlich Besen oder Mistgabel. Sie blicken aus Fenstern, kauern auf Simsen, krallen sich an Mauern oder starren von Garagen und Bäumen: Wer in diesen Tagen im Harz unterwegs ist, kann ihnen nicht entkommen: Überall lauern Hexen-Puppen. In der Nacht zum 1. Mai können einem die furchterregenden Gestalten dann auf Schritt und Tritt auch persönlich begegnen. In der Walpurgisnacht verkleiden sich Tausende von Frauen im Harz als Hexe, um an den Feiern zur Austreibung des Winters teilzunehmen.

"Die Vorbereitungen laufen schon seit Wochen", sagt Carola Schmidt, die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes (HTV). In rund 30 Orten wollen die Harzer auch in diesem Jahr wieder Walpurgis feiern. Und dazu erwarten sie bis zu 100.000 Besucher. "Die Gäste kommen aus allen Teilen Nord- und Mitteldeutschlands", sagt die Tourismus-Managerin. "Es gibt unheimlich viele Walpurgis-Fans."

Legenden-Ursprung nie ganz geklärt

Gefeiert wird eine mystische Legende, deren Ursprung nie ganz geklärt wurde. Die Walpurgisnacht basiert ursprünglich auf heidnischen Bräuchen. In vorchristlicher Zeit wurde auf dem Brocken, der als Sitz von Göttern und Geistern galt, zu Frühjahrsbeginn ein Fruchtbarkeitsfest gefeiert. Mit Einführung des Christentums wurden die alte Bräuche umgedeutet. Die Feuer, die in der Nacht zum 1. Mai entzündet wurden, sollten nun den heidnischen Spuk vertreiben.

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Hexen als Souvenir zur bevorstehenden Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz in Thale.

(Foto: dpa)

Dass daraus irgendwann der Hexen-Mythos entstand, hat wohl mehr mit der Inquisition der katholischen Kirche als mit der Namensgeberin des Festes, der Benediktiner-Äbtissin Walpurga zu tun, die nach ihrem Tod im Jahr 779 heilig gesprochen wurde. Von Hexen war damals noch keine Rede. Erst als im 15. Jahrhundert die Hexenverfolgung einsetzte, galt auch der Brocken als Ort des Bösen, an dem sich Frauen dem Teufel hingaben. Berühmt wurde die Walpurgisnacht durch Goethe, der in seinem "Faust" das gruselige Treiben auf Norddeutschlands höchstem Berg beschrieb.

Heute sei die Walpurgisnacht eher eine große Gaudi, sagt HTV-Chefin Schmidt. "Die Gäste kommen, weil sie Spaß haben wollen". Und dazu zähle auch, sich als Hexe oder Teufel zu verkleiden, Peitschenknallen, Glockenläuten und das Entzünden von Feuern. Für den Tourismus im Harz seien die alten Bräuche ein Segen. "Sie geben der Region ein unverwechselbares Image als mystisches Gebirge".

Viel moderne Technik

Besonders ausgelassen und mit viel moderner Technik wird auf dem Hexentanzplatz bei Thale gefeiert. Laserstrahlen, Lichteffekte und gruselige Ton-Elemente prägen das Bühnenwerk "Mephistos Nacht". Neuzeitliches auch in Braunlage: Dort wird das Walpurgis-Spektakel vom NDR-Fernsehen übertragen. In Goslar gibt es einen mystisch dekorierten Markt und in der Kaiserpfalz eine symphonische Walpurgisnacht.

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Besenhexe an der Fassade des Berghotels auf dem Hexentanzplatz in Thale.

(Foto: dpa)

Schierke am Fuß des 1142 Meter hohen Brockens wird zum Schauplatz der Deutschlandpremiere der "Faust Saga", einer Multimediashow nach Goethe. Der Hübichenstein bei Bad Grund dient als Naturkulisse des jährlichen Hexentheaters. Und auch sonst locken fast überall im Harz "Hexenkessel" und andere "höllische Spektakel". Ab Mitternacht ist dann allerdings zumeist Schluss mit der Hexerei. Dann übernimmt bis zum frühen Morgen die Maikönigin die Regie.

Quelle: n-tv.de, Matthias Brunnert, dpa