Reise

400 Kilometer in drei Wochen Zu Fuß über die Alpen

Auf dem Weg zum Grödnerjoch: In Südtirol stellt sich unter anderem die Roascharte den Wanderern in den Weg. (Bild: dpa/tmn)Almen und Gipfel: In den Zillertaler Alpen sind die Fernwanderer in einer abwechselungsreichen Landschaft unterwegs. (Bild: Österreich Werbung/dpa/tmn)Das nächste Ziel heißt Wattens: Beim Abstieg vom Hallerangerhaus bewegen sich die Wanderer auf einer Höhe mit den Wolken. (Bild: dpa/tmn)Ausflug in die Steilwand: In Südtirol stoßen die Fernwanderer immer wieder auf Klettersteige, die zu einer kleinen Tour einladen. (Bild: Südtirol Marketing/dpa/tmn)In drei Wochen bis Belluno oder noch ein bisschen weiter bis zum Canal Grande: Der «Traumpfad München-Venedig» zieht sich über etwa 400 Kilometer. (Bild: Hauschildt/dpa/tmn)

In drei Wochen bis Belluno oder noch ein bisschen weiter: Der "Traumpfad München-Venedig" zieht sich über etwa 400 Kilometer.

Zu Fuß über die Alpen - das sind 20.000 Höhenmeter, verteilt auf 400 Kilometer. Eine solche Tour türmt sich vor dem Wanderer auf wie das Bergmassiv selbst. Aber wenn die ersten steilen Auf- und Abstiege hinter einem liegen, dann wird die Weitwanderung von Deutschland nach Italien immer mehr zum Genuss. Wenn keine Wetterkapriolen oder Gesundheitsprobleme dazwischenkommen, sind die Alpen von München aus in gut drei Wochen bezwungen. Und wer mehr Zeit hat, kann von Belluno aus noch fünf Etappen dranhängen und das Ende seiner Tour auf dem Markusplatz in Venedig feiern.

Ein Klassiker unter den Alpenüberquerungen ist der "Traumpfad München-Venedig", vor mehr als 30 Jahren vom Hobbywanderer Ludwig Grassler ausgearbeitet. Für sie gibt es sogar einen festen Termin: Jedes Jahr am 8. August um 8.00 Uhr treffen sich "Venedig-Geher" auf dem Münchener Marienplatz, um den Traumpfad in Angriff zu nehmen.

Übernachtungsplätze rechtzeitig reservieren

Wer sich die ersten, noch flachen Etappen sparen möchte, legt am besten in Bad Tölz los. Auf der Strecke über die Benediktenwand zur Tutzinger Hütte kann der Wanderer auch gleich testen, ob seine Fitness reicht und er gut genug vorbereitet ist. Über Vorderriß geht es dann nach Tirol hinein zum Karwendelhaus, einer großen und in der Hauptsaison trotzdem oft rappelvollen Hütte auf 1800 Metern Höhe. Es lohnt sich, Übernachtungsplätze rechtzeitig zu reservieren - vor allem, wenn man nicht gerne im Massenlager schläft. Die meisten Hütten bieten Sechs-, Vier- oder sogar Zweibettzimmer an. Sie kosten ein paar Euro mehr, sind aber komfortabler, und die Nacht wird nicht durch das Schnarchen oder stinkende Socken anderer Wanderer gestört.

Vom Karwendelhaus führt die Route zum kleinen Birkkarhüttl unterhalb der 2747 Meter hohen Birkkarspitze. Da vor allem der Abstieg ins Hinterautal am Anfang steil, rutschig und an einigen Stellen mit Drahtseilen gesichert ist, sollte die Etappe nur bei stabilem Wetter und zu mehreren in Angriff genommen werden.

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Almen und Gipfel: In den Zillertaler Alpen sind die Fernwanderer in einer abwechselungsreichen Landschaft unterwegs.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Nach der Almenlandschaft der Zillertaler Alpen wird es zum Tuxer Joch hin wieder hochalpin - und mit der Friesenbergscharte steht die nächste knifflige Passage bevor. Schon Tage zuvor ist der steile Abschnitt ein beliebtes Thema bei den Hüttenabenden. Aber keine Angst: Wer es bis hierher geschafft hat, dem gelingt mit Ruhe, Zeit und in der Gruppe auch der Abschnitt über diesen Hang. Oder er nimmt den Bus und steigt am Schlegeis-Speichersee wieder ein. Er verpasst dann aber den herrlichen Blick auf den türkisblau schimmernden See.

Knackige Anstiege

Endlich Italien! Auf dem Pfitscher Joch steht der Grenzstein - aber den Wanderer trennen noch viele Höhenmeter von Belluno oder Venedig. Dazu gehören der knackige Anstieg zur Gliederscharte oder kurz darauf der Zick-Zack-Pfad durch den Rodenecker Wald zur Roner- und weiter zur Kreuzwiesenhütte. Den massigen, 2875 Meter hohen Peitlerkofel vor Augen, ist nun der Beginn des wohl spektakulärsten Abschnitts der Wanderung erreicht: Die Dolomiten mit ihren mächtigen Bergmassiven und zerklüfteten Felshängen müssen durchquert werden.

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Auf dem Weg zum Grödnerjoch: In Südtirol stellt sich unter anderem die Roascharte den Wanderern in den Weg.

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Am besten lassen sich die Alpen im August und September bezwingen, wenn auch in den höheren Lagen der Schnee gut abgetaut ist. Die Tour sollte sich vor allem an den Öffnungszeiten der Hütten ausrichten - einige in Italien schließen bereits nach wenigen Sommerwochen wieder.

Ist die Roascharte in den nördlichen Dolomiten bezwungen, geht es zum Grödnerjoch. Schier uneinnehmbar baut sich dort der Sella-Stock auf - und doch gibt es einige Schlupflöcher mit Kletterpassagen hinauf auf das Plateau, darunter der berühmte Pisciadù-Klettersteig. Auf dem Dach der Sella erwartet den Wanderer eine teils unwirtliche Mondlandschaft. Übernachtet werden kann auf der knapp 2900 Meter hoch gelegenen Boe-Hütte. Wer noch Puste für knapp 300 weitere Höhenmeter hat, sollte aber lieber versuchen, einen Platz in der spektakulären "Capanna-Fassa-Refugio" zu ergattern. Wie ein Adlerhorst klebt die kleine Hütte am Piz Boé - und bietet bei gutem Wetter eine super Aussicht zum Beispiel auf den 3340 Meter hohen Marmolada-Gipfel.

Möglichst wenig mitnehmen

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Mit dem Elektroantrieb geht es leichter durch die Berge - besonders viele E-Bikes stehen für Tirol-Urlauber in der Region Kitzbüheler Alpen zur Verfügung.

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Die nächsten Etappen führen um diesen vergletscherten Riesen herum an den Fedaiasee, durch die Sottoguda-Schlucht zum Alleghe-See und weiter zum Civretta-Massiv. In diesem Abschnitt sind nicht mehr allzu viele Höhenmeter zu meistern - aber unter der kräftigen Sonne sind die Kilometer entlang der hohen Felswände sowie durch aufgelassene Almen und halbhohe Latschenkiefer-Wälder schweißtreibend. Nach einem letzten Aufstieg zur einfachen, aber wunderschön gelegenen "Pan de Fontana"-Hütte ist es dann geschafft - nur ein Tag trennt den Wanderer noch von Belluno, und es heißt Abschied nehmen von der Faszination der Bergwelt, vom Rhythmus aus kurzem Frühstück, langer Wanderung, frischer Luft, gemütlichem Hüttenabend und festem Schlaf.

Einige machen sich mit 20-Kilogramm-Rucksäcken auf den Weg, ratsam ist das aber nicht. Auch in einem 8 bis 10 Kilogramm schweren Gepäck lässt sich alles Notwendige für die Tour mitnehmen. Dazu kommen Wasser und Tagesproviant wie Müsliriegel, Studentenfutter oder Obst. Die Strecken und Höhenmeter sind meist anstrengend genug, daher freut man sich am Berg über jedes Kilogramm, das man nicht tragen muss.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa