Sport

Tourismus setzt auf Fußball Angebote vor der WM

Der Countdown für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland läuft. Für die Vertreter des Fremdenverkehrs tickt die Uhr noch etwas schneller als für Rudi Völler und seine Mannen, denn in einem Punkt ist sich die Branche einig: Deutschland muss sich schon lange vor dem sportlichen Großereignis im besten Licht präsentieren, damit der erhoffte Impuls für die Besucherzahlen nicht in den vier Wochen der Endrunde verpufft.

Aufgrund der Erfahrungen bei früheren Großereignissen erwartet die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) schon ab diesem Jahr Umsatzsteigerungen im Gastgewerbe. Doch auf einen Automatismus wollen sich die zwölf Austragungsstädte und die sie umgebenden Regionen nicht verlassen. Auf der diesjährigen Tourismusmesse ITB versuchten bereits etliche, die Karte "Fußball" auszuspielen.

Flyer zur WM haben etwa Stuttgart, Hannover und Nürnberg aufgelegt. Hamburg präsentierte sich auf der ITB als Sportstadt im Allgemeinen und verwies darüber hinaus auf das neue Fußballmuseum des HSV, das im Februar in der AOL-Arena seine Tore geöffnet hat.

Bayern erklärt sich zur ITB zum "Fußball-Land"

Am offensivsten nehmen sich Bayern und Nordrhein-Westfalen des Themas an. So war der NRW-Stand mit Fanschals der Ruhrgebiets-Clubs und Spielgeräten für Tischfußballer dekoriert. Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland mit drei Austragungsorten: Gelsenkirchen, Dortmund und Köln. Darüber hinaus bezieht die deutsche Nationalmannschaft in Leverkusen ihr Trainingsquartier.

Doch für den Fremdenverkehr an Rhein und Ruhr spielt die WM noch aus einem anderen Grund eine besondere Rolle, wie Silke Dames von Nordrhein-Westfalen Tourismus weiß: "Uns kennt man im Gegensatz zu Bayern doch im Ausland gar nicht." Deshalb wolle sich Nordrhein-Westfalen nicht erst zur WM in seiner ganzen Vielfalt präsentieren. Bezogen auf den Sport heißt das, dass auch auf die Angebote für Wintersportler und Mountainbiker hingewiesen werden soll.

Sitzkissen und Fußmassagen

Noch einen Schritt weiter ist Bayern, das sich zur ITB zum "Fußball-Land" erklärt und eine Website mit buchbaren Angeboten freigeschaltet hat: www.fussballland-bayern.de. So umfasst etwa das Package "Elfmeter" des Hotel Mürz in Bad Füssing neben fünf Übernachtungen eine Eintrittskarte zu einem Heimspiel des FC Bayern München samt Sitzkissen für das Stadion. Zielgruppenspezifisch auch das Extra im Wellnessbereich des Hauses: eine Fußmassage.

Besonders stolz ist man bei Bayern Tourismus auf die Fülle der angebotenen Trainingslager. Sie lassen sich in verschiedensten Konstellationen buchen: für Vater und Sohn, Mutter und Tochter, ganze Familien sowie zweisprachig in Englisch und Deutsch. "An solchen Camps herrscht in Deutschland ein großer Bedarf, der bisher kaum befriedigt wurde", sagt Frank von Schnurbein-Ströbel von Bayern Tourismus.

Das auf den Prospekten zum Fußball-Land Bayern kein WM-Logo zu sehen ist, hat einen einfachen Grund: Alle damit versehenen Werbemaßnahmen müssen zuvor in einem aufwendigen Verfahren vom Organisationskomitee der FIFA genehmigt werden. Doch ohnehin wollen sich die Bayern in ihrer Kampagne von dem Großereignis lösen: "Die Fans kommen sowieso. Es geht darum, die gestiegene Aufmerksamkeit vor und nach der WM zu nutzen."

Trommeln für Reiseziel Deutschland

Laut Schnurbein-Ströbel könnte es sogar sein, dass das erhoffte Wachstum rund um die WM ausbleibt, weil andere Urlauber von dem Rummel abgeschreckt werden. Die DZT rechnet dagegen für das Gesamtjahr 2006 mit einem WM-bedingten Plus von 1,7 Prozent bei den Übernachtungen. Auch die Marketingorganisation ist zur ITB mit einer speziellen Fußball-Plattform online gegangen. Unter www.deutschland-tourismus.de sind derzeit 100 Pauschalpakete der Vor-WM-Zeit aufgelistet.

Doch die wichtigste Aufgabe der DZT besteht darin, im Ausland für den kommenden WM-Ausrichter als Reiseziel zu trommeln. Im Herbst soll in zwölf Sprachen eine entsprechende Image-Broschüre erscheinen. Auf zahlreichen Pressereisen werden zudem Journalisten zu Zentren der deutschen Fußballbegeisterung geführt: "Mit Italienern wollen wir das neue HSV-Museum besuchen", sagt Frieder Hebenstreit von der DZT. "Da steht der Landesmeisterpokal, den der HSV 1983 gegen Juventus Turin gewonnen hat."

Tobias Wiethoff, dpa

Quelle: ntv.de