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Handball-Frauen starten EM-Mission Architekt Biegler elektrisiert die "Bad Girls"

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Gegen EM-Gastgeber Schweden gelang in der Vorbereitung zweimal ein Unentschieden.

(Foto: imago/osnapix)

Mit Michael Biegler landet der Deutsche Handball-Bund einen Coup. Der Trainerfuchs will die Damen bei der Heim-WM 2017 zu Gold führen - auf dem Weg dahin darf es aber gerne auch eine EM-Medaille sein. Ganz wie die "Bad Boys" eben.

Michael Biegler wurde bislang weder mit Bauhelm noch mit Reißbrett gesichtet. Doch wenn der Deutsche Handballbund (DHB) das Projekt "Heim-WM 2017" mit einem Hausbau vergleicht, ist der Frauen-Bundestrainer zweifellos der Architekt dieses Abenteuers - ein Architekt, dem die Arbeiter folgen. "Wir sind absolut bereit, alles mitzugehen", sagte Spielführerin Anna Loerper: "Aber es ist nicht nur Zuckerschlecken, eher Zuckerbrot und Peitsche."

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Zuckerbrot und Peitsche - das ist die Philosophie von Michael Biegler.

(Foto: imago/osnapix)

Wer auch immer sich im Umfeld der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im Vorfeld der Europameisterschaft in Schweden (4. bis 18. Dezember) zu Biegler erkundigt, hört nur positive Äußerungen. "Es macht sehr viel Spaß mit ihm, in jedem Training ist sehr viel Energie und Power drin", sagte Rückraumspielerin Anne Hubinger, Torhüterin Clara Woltering ergänzte: "Er lebt Handball vor. Da ist es leicht, ihm zu folgen."

Eineinhalbjähriger Ablaufplan

Auch Wolfgang Sommerfeld ist voll des Lobes. Der Sportdirektor betont immer wieder, wie gut die Gespräche vor Bieglers Verpflichtung im April waren, wie schnell er Feuer gefangen habe. "Es ging ihm nie um Geld, sondern nur um die Aufgabe", sagte Sommerfeld. Die Aufgabe ist, die Mannschaft mit dem Erreichen der Hauptrunde bei der EM auf die Weltmeisterschaft in Deutschland in einem Jahr vorzubereiten. Dabei legte Biegler dem DHB früh einen eineinhalbjährigen Ablaufplan vor - "gerade und stringent", wie er selbst sagt.

Für Biegler - oder "Beagle", wie er in Handballkreisen genannt wird - sprach weiterhin, dass er die Männer-Nationalmannschaft Polens in einem über drei Jahre währenden Projekt für die Heim-EM 2015 fitgemacht hat. Auch wenn er dort nicht den gewünschten Erfolg erreichte: Auf dem Weg dahin holte er in Katar WM-Bronze und entwickelte im Land nachhaltig Strukturen für den Männer-Handball. Dafür erhielt er den polnischen Verdienstorden in Gold.

An Strukturen arbeitet Biegler nun auch in Deutschland. Jede Woche besucht er zwei Vereine, spricht mit den Verantwortlichen über seine Spielerinnen und fordert Unterstützung für die Periodisierung bis Ende 2017. "In meinem Kopf sind die Vorstellungen sehr weit", sagt Biegler und denkt dabei wohl schon an das fertige Haus.

"Step by step"

Biegler selbst hat Handball nie als Profi gespielt. In jungen Jahren war er Leichtathlet, fokussierte sich auf den Hammerwurf. Als junger Mann wurde er Trainer im Männer-Handball und betreute in 32 Jahren 13 Vereine - ein weiteres Argument pro Biegler beim DHB. "Vorher musste bei den Frauen immer alles anders sein als bei den Männern", sagte Sommerfeld: "Da wollten wir ein Zeichen setzen und jemanden holen, der auch bei den Männern erfolgreich war." Und Biegler sei einer, der zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede mache.

Das Fundament des Hauses hat Biegler bereits gegossen, Sommerfeld schwärmt von der "unfassbaren Begeisterung", die der Bundestrainer entfacht habe. Nun soll "step by step" das erste Stockwerk gegossen werden, bis die Mannschaft pünktlich zur Heim-WM im Dezember 2017 in das fertige Haus einziehen kann. Erbaut mit den eigenen Händen, aber geleitet vom Architekten Biegler, der auch selbst den Hammer schwingen kann.

Quelle: ntv.de, Christoph Köster, sid