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Neue Ziele für BMW und McLaren BAR und Honda nicht verlieren

BMW und Mercedes wollten in diesem Jahr Weltmeister Michael Schumacher und Ferrari vom Formel-1-Thron stoßen und müssen stattdessen kurz vor Saisonhalbzeit aufpassen, dass sie nicht auch noch die vorbeigezogenen BAR und Renault aus den Augen verlieren.

Vor den beiden Nordamerika-Rennen in Montreal und Indianapolis eine Woche später suchen die deutschen Auto-Giganten den Weg aus der Krise. Dabei ist vor allem Geduld gefragt, die der Kolumbianer Juan Pablo Montoya derzeit nur mühsam aufbringen kann.

"Dass Ferrari so stark ist, kam für mich nicht unerwartet, dass Williams aber so weit hinterherhängt, hätte ich nicht für möglich gehalten", sagte der BMW-Williams-Pilot in einem Interview: "Seit dem zweiten WM-Lauf in Malaysia haben wir nichts, das uns wesentlich schneller macht, nur ein paar Kleinigkeiten. BAR hat dauernd Verbesserungen am Auto, nur wir bleiben stehen." Montoya glaubt auch nicht, dass sein Team wie im vorigen Jahr ab Mitte der Saison eine große Aufholjagd starten kann. "Weil jetzt das genaue Gegenteil von 2003 ist", meinte Montoya: "Damals fingen wir hinten an und arbeiteten uns nach vorn. Jetzt haben wir vorne begonnen, fahren aber rückwärts." Wenigstens hat Teamchef Frank Williams zugegeben, dass die Probleme nicht am Triebwerk aus München, sondern im Williams-Hauptquartier in Grove liegen.

Bei den Silberpfeilen ist die Baustelle noch viel größer. Während BMW-Williams mit 36 Punkten hinter Ferrari (106), Renault (61) und BAR (46) als Vierter der Konstrukteurswertung noch halbwegs im Rennen ist, liegt McLaren-Mercedes mit fünf Zählern auf einem enttäuschenden sechsten Rang.

"Das ist eine Entwicklung, die man nur als katastrophal bezeichnen kann. Tests auf dem Prüfstand haben deutlich gemacht, dass wir den Motor zwar in guter Absicht verändert, aber nicht so umfangreich getestet haben wie notwendig", sagte Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert der "FAZ": "Aber es geht nicht darum, mit Fingern aufeinander zu zeigen. Wir haben versagt, als Team, ganz eindeutig. Das betrifft auch das Auto."

Hubbert berichtete, dass die Piloten Kimi Räikkönen und David Coulthard nicht genug Vertrauen in den MP4-19 hätten, um "auf der letzten Rille zu fahren. Sie lupfen eher das Gaspedal und verlieren damit zwangläufig Zeit." Laut Hubbert hat es sich inzwischen als Fehler erwiesen, beim nie im Rennen eingesetzten MP4-18 und dem aktuellen Nachfolger auf extreme technische Lösungen gesetzt zu haben. "Wir wollten nicht aufholen, sondern überholen.

Den Eindruck, dass dies zu schnell, zu optimistisch betrieben wurde, muss man aus heutiger Sicht haben", sagte Hubbert. Statt McLaren-Mercedes seien die Teams vorne, "die sich mit den eher praktischen Themen beschäftigt haben, anstatt einen technischen Overkill mit einem technischen Superwerk zu gestalten, das sich dann als zu fragil erweist."

Eine Konsequenz daraus ist der "Nebenweg mit der parallelen Entwicklung" des modifizierten MP4-19B, der in der vorigen Woche sein Testdebüt feierte, und laut Hubbert, wenn er "ausreichend getestet ist, ins Renngeschehen einschert".

Quelle: ntv.de