Sport

Kegeln ist mehr als Kneipensport Bimber - Deutschlands unbekannte Weltmeisterin

266209858.jpg

Bimber kämpft um Anerkennung für ihren Sport.

(Foto: picture alliance/dpa)

Verrauchte Gaststätten, Biergläser, gesellige Runden: Kegeln steht in Deutschland nicht gerade im Verdacht, ein Leistungssport zu sein. Die 24-jährige Weltmeisterin Alena Bimber tritt nun an und will das Image des Kegelsports verbessern. Es ist ein langer Weg aus der Bedeutungslosigkeit.

Neulich ist Alena Bimber wieder Weltmeisterin geworden, aber in Deutschland hat das kaum einer mitbekommen. Bimber kegelt in der Frauen-Nationalmannschaft und gewann den globalen Titel schon zwei Mal im Tandem (U18 und U23). Kegeln, wird mancher fragen - ist das nicht dieser etwas veraltete Sport im hinteren Bereich einer Gaststätte? "Leider begegnet uns Sportkeglern dieses abwertende Vorurteil oft", sagt Bimber dazu. "Ich frage dann, ob er oder sie es selbst mal versuchen möchte - dann spürt man am nächsten Tag am Muskelkater, dass Kegeln ein anspruchsvoller Leistungssport ist."

Bimber kegelt für den rheinland-pfälzischen Bundesligisten ESV Pirmasens. "Ich habe mit meiner Schwester Alisa einmal an einem Ferienprogramm des Vereins teilgenommen. Und weil uns das Kegeln Spaß gemacht hat, sind wir in den ESV eingetreten." Die 24-Jährige trainiert zweimal wöchentlich, sonntags findet ein Erstligaspiel statt. Ihr Studium als Wirtschaftsingenieurin hat die Pfälzerin vor Kurzem beendet. Schwester Alisa kegelt in der 1. Mannschaft. Mutter Petra ist in der 2. Bundesliga eine Stammspielerin der 2. Mannschaft.

266209747.jpg

Muskelkater am nächsten Tag.

(Foto: picture alliance/dpa)

Was begeistert Alena Bimber an dem Sport? "Das Zusammenspiel aus Koordination, Ausdauer und Geschicklichkeit finde ich faszinierend", schildert sie. "Außerdem finde ich es eine schöne Teamdisziplin, bei der jeder für jeden kämpft." Man unterschätze die Sportart schnell. "Es ist aber nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Jeder Wurf erfordert Konzentration." Wohl viele denken, sie kennen Kegeln - und meinen doch oft Bowling. Markanter Unterschied: Beim Bowling wird auf zehn statt auf neun Kegel gespielt und die Kugel hat für die Finger drei Löcher. Kegeln gilt als eine der ältesten Präzisionssportarten, leidet aber unter Nachwuchsproblemen - auch wegen geänderter Freizeitgewohnheiten.

Weltmeister - und keiner merkt es

"Unser Sport kämpft mit Mitgliedermangel - wie viele andere Randsportarten auch", erzählt Sandra Hirsch, Damen-Nationaltrainerin im Kegeln. "Das A und O, diesem Nachwuchsmangel entgegenzutreten, sind engagierte und gut ausgebildete Trainer", betont sie. Man sehe sehr deutlich, dass in Kegelvereine mit gutem Jugendtraining überdurchschnittlich viele Jugendliche eintreten würden.

"Im Allgemeinen gibt es sehr viele Nachwuchsprobleme, auch aufgrund des ärgerlichen Images unseres Sports", sagt Bimber. Ihr Verein steuere mit Ferienprogrammen und mit Werbung in Schulen dagegen an. "Jede Sportart braucht neue Talente, sonst stirbt sie aus." Talente wie Bimber: Weltpokalsiegerin Einzel und Paar Mixed (2012), Vizeweltmeisterin Mannschaft und Sprint (2013), Weltmeisterin Tandem (2015), Vizeweltmeisterin Mannschaft (2018) und 2021 Weltmeisterin Tandem U23 und mit der Damen-Nationalmannschaft. Im Oktober gewann die Auswahl in Polen das WM-Finale gegen Tschechien mit 7:1.

Populär wie Darts?

Es war ein Triumph ohne großen Widerhall in Deutschland. "Wenn ein anderer deutscher Sportler in seiner Disziplin Weltmeister wird, kann man das oft in allen Fernsehprogrammen sehen und hören", sagt die 24-Jährige. "Das ist beim Kegeln nicht so. Da kann man für jeden Zeitungsartikel dankbar sein." Sie hofft, dass Kegeln einmal eine solche Medienpräsenz erhält wie heute die frühere Randsportart Darts.

Und Bimber selbst? Hirsch prophezeit ihr eine gute Zukunft. "Direkt mit den alten Hasen mitspielen zu können und den Sprung in den Stammkader zu schaffen, zeugt von Alenas Talent", sagt die Nationaltrainerin. Von Talent alleine könne aber kein Sportler leben. "Sie tut alles für eine stetige Leistungssteigerung und ist auch von ihrer Persönlichkeit her ein Vorbild für junge Spielerinnen und Spieler." Die 24-Jährige werde sich zu einer großen Stütze in der Mannschaft entwickeln, meint Hirsch. "Da bin ich mir sehr sicher."

Quelle: ntv.de, Wolfgang Jung, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen