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Homerun-Rekordler unter Verdacht Bonds drohen 30 Jahre Haft

Am 7. August schlug sich Baseball-Profi Barry Bonds mit dem 756. Homerun seiner Karriere in die amerikanischen Geschichtsbücher und verbesserte den Uralt-Rekord von Hank Aaron aus dem Jahr 1974. Gestern schlug die Justiz zu - und dies könnte das Karriere-Ende für den exzentrischen Star bedeuten. Der 43-Jährige, der zuletzt bei den San Francisco Giants in der Major League Baseball (MLB) spielte, seit Ende September aber ohne Verein ist, muss sich wegen viermaligen Meineides und Behinderung der Justiz verantworten.

Ein Bundesgericht erhob in San Francisco Anklage gegen Bonds, dem bis zu 30 Jahre Gefängnis drohen. Am 7. Dezember muss sich der Amerikaner vor einem Amtsgericht in San Francisco verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Outfielder vor, bei seiner Aussage am 4. Dezember 2003 vor einem Bundesgericht gelogen zu haben. Bonds hatte damals angegeben, nie wissentlich leistungssteigernde Mittel genommen zu haben.

Laut Anklage wurde er damals gefragt, ob er anabole Steroide, Wachstumshormone oder leistungssteigernde Mittel von seinem langjährigen Freund und Personal-Trainer Greg Anderson bekommen und auch genutzt habe. "Greg würde so etwas nicht tun. Er weiß, dass ich gegen dieses Zeug bin", hatte Bonds damals geantwortet. Während er von der MLB, die seit 2003 ihre Spieler auf Steroide hin untersucht, nie positiv getestet wurde, saß sein Trainer seit Juli 2006 im Gefängnis, weil er sich geweigert hatte, gegen Bonds auszusagen.

Unmittelbar nach der Anklage wurde Anderson frei gelassen. "Offen gesagt, ich bin tief bestürzt. Es sieht so aus, als wenn die Regierung Greg und mich irregeführt hat, indem gesagt wurde, dass dieser Fall ohne ihn nicht vorankäme", meinte Anderson-Anwalt Mark Geragos. Bonds wurde seit mehreren Jahren immer wieder mit Doping in Verbindung gebracht. So wurde bei einer Razzia in Andersons Haus ein sogenannter Doping-Kalender gefunden, der mit den Buchstaben "BB" beschriftet und auf das Jahr 2001 datiert war.

"Er könnte andere BB's kennen", meinte Bonds, als ihm das Dokument bei seiner Aussage vor Gericht im Dezember 2003 gezeigt wurde. Entsprechend der Anklage bestritt er sogar die Einnahme von Steroiden, als ihm die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse eines Tests vom November 2000 zeigte, der mit "Barry B-Probe" gekennzeichnet war und zwei verschiedene Arten von Steroiden aufwies. Und schließlich stand sein Name auf der Kundenliste des Balco-Labors. Dessen Gründer, Victor Conte, hatte bis zur Aufdeckung des Skandals 2003 jahrelang US-Spitzensportler - wie die zuletzt geständige Marion Jones - mit Steroiden und Wachstumshormonen versorgt.

Aufgrund deutlicher Dopingbeweise gegen ihn und scheinheiliger Behauptungen von ihm, wurden Bonds' Leistungen in den USA immer mit Skepsis und Argwohn betrachtet. Zwar hält er mit 762 Homeruns den wohl bedeutendsten Rekord im US-Sport, und auch seine 2001 aufgestellten 73 Homeruns in einer Saison sind bis heute unerreicht. Für das Gros der Fans ist Bonds dennoch kein Idol, sondern schlichtweg der Baseball-Buhmann. "Ich bin absolut überzeugt, dass sich dieser Fall zerstreuen wird, wenn das Fehlverhalten der Staatsgewalt offensichtlich wird. Barry ist unschuldig, die Vorwürfe sind lächerlich", betont sein Verteidiger Mike Rains.
Von Heiko Oldörp; dpa

Quelle: ntv.de