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Confed-Spiel gegen Australien Chance für die Jugend

Jürgen Klinsmann setzt auch im ersten Pflichtspiel seiner Bundestrainer-Karriere konsequent auf die Jugend. Die 20-jährigen Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski sollen gegen Australien für die Tore und einen erfolgreichen Start in den Confederations Cup sorgen. Dies sickerte 24 Stunden vor dem Anpfiff aus dem Teamquartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft durch. Mit der Beförderung in die Stammelf am Mittwoch in Frankfurt erhalten die beiden Kumpel die Belohnung für ihre starken Leistungen in der Turnier-Vorbereitung, vor allem beim letzten Test gegen Russland.

Einen Tag vor dem Anpfiff schaute OK-Chef Franz Beckenbauer im Teamquartier vorbei, um Mannschaft und Delegation des WM-Gastgebers offiziell bei der Mini-WM willkommen zu heißen. Eine beinahe staatstragende Miene machte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bei der live ausgestrahlten Abschluss-Pressekonferenz, als er Reformer Klinsmann schon einmal vorab das Vertrauen aussprach für den Fall, dass das Unternehmen Cup-Sieg in einer sportlichen Pleite mündet.

"Jürgen Klinsmann und der Trainerstab wissen, dass ich als Verantwortlicher für die Nationalmannschaft in vollem Umfang hinter den ergriffenen Maßnahmen stehe. Ich bin davon überzeugt, dass sie den richtigen Weg gehen", verkündete Mayer-Vorfelder. Es sei "absurd" zu glauben, dass "die Vertrauensfrage gestellt wird", sollte es zum Misserfolg kommen: "Dann werden die Trainer analysieren und festlegen, woran gearbeitet werden muss."

Dazu wird es allerdings nicht kommen, versicherte Assistenztrainer Joachim Löw. "Wir sind uns sicher, dass wir ein gutes Turnier spielen und einen guten Start hinlegen werden", versprach der Badener. Die Mannschaft gehe "körperlich sehr gut vorbereitet in das Turnier". Ob die unerfahrene Formation aber auch mental dem Druck standhalten wird, ist auch für den Trainer eine der großen Fragen. Die Messlatte legte Löw am Tag vor dem Turnierstart ganz oben an: "Wir gehen mit der Zielsetzung ins Turnier, dass wir es gewinnen wollen. Und wir wollen Sympathiepunkte sammeln im eigenen Land."

Dazu ist ein Auftaktsieg gegen Australien Pflicht. Der Weltranglisten-56. gilt als krasser Außenseiter, auch wenn er es beim Confederations Cup schon einmal bis ins Finale (1997) und einmal auf Platz drei (2001) geschafft hat. "Viele Australier spielen in der englischen Premier League. Das sagt schon einiges aus. Wir müssen den Kampf annehmen und fighten, um irgendwann ein Tor zu erzielen", sagte Oliver Kahn, der seinen 36. Geburtstag zwischen den Pfosten verbringen darf und positives Denken als Turnier-Motto ausgab: "Man sollte immer das Ziel haben, ein Turnier zu gewinnen. Das wäre ein wichtiges Signal in Richtung WM 2006."

Bei der Pressekonferenz am Dienstag trat Klinsmann nicht vor das Mikrofon, Löw blockte öffentlich alle Fragen zur Aufstellung ab. "Die Spieler sollen einige Dinge zuerst erfahren, wir werden am Mittwochmorgen mit ihnen sprechen", sagte er. Zudem müsse man noch "einzelne Personalentscheidunge" intern besprechen. Dabei geht es um die Besetzung der zuletzt anfälligen Abwehr-Viererkette und um die Frage, wer an der Seite des Kölners Podolski stürmen darf. Der Schalker Gerald Asamoah ist körperlich nicht in bester Verfassung, doch auch von den in den Testspielen gezeigten Leistungen seines Teamkollegen Kevin Kuranyi war das Trainer-Team nicht angetan.

Noch größeres Kopfzerbrechen bereitet Klinsmann die Defensive. Arne Friedrich wird möglicherweise in der Innenverteidigung den Vorzug gegenüber Robert Huth erhalten. Auf der rechten Außenbahn grübelt der Bundestrainer, ob er im Neu-Bremer Patrick Owomoyela die bestehende Hierarchie aufrechterhalten oder Bernd Schneider zurückziehen soll. Der Leverkusener Mittelfeldspieler will aber nicht die ungeliebte Position als Notnagel besetzen, sondern auf seinem angestammten Platz im Mittelfeld beharren. Auf den macht sich indes der erstarkte Sebastian Deisler ebenfalls große Hoffnungen.

Kahn versuchte am Dienstag, die offenkundigen Abwehrprobleme herunterzuspielen. "So problematisch sehe ich das nicht", sagte der Vize-Kapitän: "Wann sollen die jungen Spieler Erfahrungen sammeln, wenn nicht jetzt?" Trotzdem forderte Kahn nicht nur blind nach vorne zu stürmen: "Höchsttempo muss auch in der Rückwärtsbewegung stattfinden."

Am Dienstag wurden deshalb die Defensivkräfte mit Videosequenzen aus den vorangegangenen Testspielen geschult. Bei den praktischen Übungen blieb die Öffentlichkeit weiterhin außen vor. Nur beim Warmlaufen in den ersten 15 Minuten durfte am Dienstagabend in der Commerzbank-Arena zugeschaut werden. Löw verteidigte die Maßnahme, dass in der Vorrunde alle Trainingseinheiten ohne Publikum stattfinden, versprach aber Besserung für den Fall des Halbfinal-Einzuges: "Dann werden wir die Fans gerne einladen."

Voraussichtliche Aufstellungen:

Confederations Cup, Vorrunde, Gruppe A, Mittwoch (21.00 Uhr):

Deutschland: 1 Kahn (Bayern München/35 Jahre/78 Länderspiele) - 5 Owomoyela (Arminia Bielefeld/25/6), 3 Friedrich (Hertha BSC/26/26), 17 Mertesacker (Hannover 96/20/7), 16 Hitzlsperger (Aston Villa/23/6) - 8 Frings (Bayern München/28/39) - 19 Schneider (Bayer Leverkusen/31/48), 13 Ballack (Bayern München/28/53), 7 Schweinsteiger (Bayern München/20/14) - 22 Kuranyi (VfBStuttgart/23/24), 20 Podolski (1. FCKöln/20/11)

Australien: 1 Schwarzer (FC Middlesbrough/32/31) - 2 Muscat (Melbourne Victory/31/43), 3 Moore (vereinslos/29/29), 6 Popovic (Crystal Palace/31/50), 4 Neill (Blackburn Rovers/27/14) - 20 Milicevic (FC Thun/24/2) - 7 Emerton (Blackburn Rovers/26/38), 8 Skoko (Genclerbirligi/29/37), 11 Chipperfield (FC Basel/29/36) - 10 Cahill (FC Everton/25/7) - 15 Aloisi (CA Osasuna/29/32)

Schiedsrichter: Amarilla (Paraguay)

Quelle: ntv.de