Sport

Hoffen auf die Überraschung DEB-Team setzt auf die "Rie-Dra-Rei"-Formel

Diese Jungs machen Mut: So eine Sturmreihe wie bei dieser WM hatte eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft schon lange nicht mehr: Das Zusammenspiel von Tobias Rieder, Leon Draisaitl und Patrick Reimer könnte selbst Top-Gegner in Bedrängnis bringen.

Franz Reindl hat in seinen 45 Jahren im Eishockeygeschäft schon viel erlebt, doch die neue Paradesturmreihe der deutschen Nationalmannschaft lässt das Herz des Verbandspräsidenten höher schlagen. Da seien "Aktionen zum Zungeschnalzen dabei", sagte Reindl: "Ich bin wieder ein bisschen mehr Fan der Nationalmannschaft." Verantwortlich dafür sind die NHL-Jungstars Tobias Rieder und Leon Draisaitl sowie DEL-Topscorer Patrick Reimer.

Der "Rie-Dra-Rei"-Sturm soll das DEB-Team bei der WM in Russland nach Jahren der Tristesse wieder ins Viertelfinale schießen. Schon im Auftaktspiel gegen Außenseiter Frankreich (15.15 MEZ/Sport1) sollen Draisaitls Technik, Rieders Schnelligkeit und Reimers Erfahrung den Ausschlag geben. "Von denen kann man für die WM einiges erwarten", prophezeite Teamkollege Gerrit Fauser.

"Ich weiß, dass ich die Scheibe bekomme"

4f38f0531c3d0b56bdeeffccfd01389f.jpg

Tobias Rieder soll's für Deutschland vor dem gegnerischen Tor richten.

(Foto: imago/osnapix)

Vor allem Ausnahmetalent Draisaitl hat der Mannschaft deutlich Rückenwind gegeben. Der 20-Jährige, der bei den Edmonton Oilers trotz der verpassten NHL-Play-offs eine phänomenale Saison gespielt hat, ist mit seiner herausragenden Übersicht und Technik der Schlüsselspieler im Team von Bundestrainer Marco Sturm. "Ein super Spieler", schwärmt Rieder von den Arizona Coyotes über seinen kongenialen Partner. Das Zusammenspiel funktioniere intuitiv: "Ich sehe bloß zu, dass ich mich irgendwie freilaufe, denn ich weiß, dass ich die Scheibe von ihm auf jeden Fall bekomme."

Der Nürnberger Routinier Reimer ist mit seiner Abgezocktheit ein Gewinn für die Sturmreihe. "Leon und Tobias sind für deutsche Verhältnisse absolute Topstürmer", sagte der 33-Jährige der Nürnberger Zeitung: "Ich hoffe, ich kann beiden mit meiner Erfahrung helfen. Gleichzeitig können sie aber auch mich auf ein anderes Niveau bringen."

Ein grottenschlechter Fußballer

Das ist vor allem Draisaitls Aufgabe. Er besitzt trotz des hohen Tempos immer ein Auge für den Mitspieler. "Ich spiele lieber einen Pass zum Tor, als dass ich selber treffe", sagt er über sich selbst. Alles andere als treffsicher präsentierte sich der Sohn von Ex-Nationalspieler Peter Draisaitl kürzlich beim Torwandschießen im ZDF-Sportstudio. Der Eishockey-Star scheiterte bei allen sechs Versuchen und verlor gegen einen Blindenfußballer. Dennoch punktete Draisaitl mit einem sympathischen Auftritt für sich und das deutsche Eishockey.

"Diese Spieler haben Charisma und Qualität", sagt Reindl über die NHL-Jungs Draisaitl und Rieder. Starallüren? Fehlanzeige! Beide Großverdiener streifen sich nach einer anstrengenden NHL-Saison gerne das DEB-Trikot über, das WM-Turnier ist für sie deutlich mehr als eine lästige Pflicht. "Es ist eine Ehre, für Deutschland zu spielen", sagt Draisaitl: "Da hat man wieder richtig Bock auf Eishockey."

Auch Rieder empfindet "einen Extra-Schub", wenn er die deutsche Nationalhymne hört. Und eine Weltmeisterschaft sei ohnehin "immer ein Riesenspaß". Bei der vergangenen WM in Prag war der 23-Jährige mit seiner Schnelligkeit und seinem enormen Zug zum Tor so ziemlich der einzige Lichtblick im deutschen Team. Jetzt hat Rieder aber auch noch die passenden Partner an seiner Seite.

Quelle: n-tv.de, Jörg Soldwisch, sid

Mehr zum Thema