Sport
Donnerstag, 05. Oktober 2006

Fedcup-Streit eskaliert: DTB feuert Müller und Schruff

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) und Fedcup-Kapitän Barbara Rittner wollen nach dem Streit in der Nationalmannschaft Martina Müller und Julia Schruff aus dem A-Kader streichen. Die Teamchefin sieht derzeit keine Möglichkeiten, sich mit den auf Platz 38 bzw. 73 der Weltrangliste postierten Spielerinnen auszusöhnen. "Wie es weitergeht, liegt wirklich nicht an mir. Aber bei Julia gibt es praktisch keine Art von Kommunikation mehr. Und Martina muss schon auf mich zugehen", sagte Rittner am Rande des WTA-Turniers in Stuttgart der dpa.

Diese Chance hatte die deutsche Meisterin aus Hannover in den vergangenen Tagen, da sich die beiden in der Porsche-Arena öfter über den Weg liefen. "Wir grüßen uns sehr kühl", beschrieb Rittern diese Begegnungen und Müller meinte: "Wir haben uns guten Tag gesagt, mehr nicht." Die Augsburgerin Schruff hat es erst gar nicht darauf ankommen lassen: Sie zog eine Teilnahme an den Turnieren in Tokio und Bangkok vor.

Zu der Konfrontation war es gekommen, nachdem das deutsche Team in Ettenheim gegen die USA verloren hatte und Schruff wie auch Müller nicht zur Abstiegspartie mit nach China gereist sind. Ohne die beiden Abtrünnigen und die verletzte Spitzenspielerin Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) verlor die DTB-Auswahl mit 1:4 und musste den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Am 21./22. April geht es nun in einem Heimspiel gegen Kroatien um den Wiederaufstieg.

Die Fronten scheinen hoffnungslos verhärtet, obwohl auch DTB-Präsident Georg von Waldenfels und Sportdirektor Klaus Eberhard Vermittlungsversuche gestartet haben. Seit der China-Absage von Schruff und Müller gab es mehr gegenseitige Vorwürfe als Annäherungsversuche. Beiden sei es damals, so Rittner, ums Geld gegangen. Zudem seien sie "von ihren Eltern schlecht beraten".

Nachdem sich Müller mit Schruff solidarisiert hatte, erklärte die Bundestrainerin: "Der Fedcup ist kein Kindergeburtstag." Eine Aussage, die sie ebenso wenig zurücknimmt, wie die sportliche Klassifizierung der Freundinnen: "Ich stehe zu dem Wort Mittelklassespielerinnen. Dies gilt für den Fedcup und da haben die beiden eine 0:8 beziehungsweise 1:7-Bilanz aufzuweisen."

Schruff wiederum hatte Rittner am Telefon klipp und klar erklärt, warum sie nicht mehr im Fedcup spielen wolle: "Es liegt an dir." Müller wiederum fühlte sich von der früheren Weltklassespielerin "schlecht behandelt". Ihr Vater und Trainer Reinhard Müller sagte der "Stuttgarter Zeitung" (Donnerstagsausgabe): "Es ging nicht ums Geld." Er forderte Gespräche -"mit dem DTB und nicht mit Frau Rittner".

Der Verband hat Müller und Schruff einen Brief geschrieben, wonach er über die Vergabe der Kader-Plätze am 4. November entscheiden wird. "Bis dahin können sie sich äußern", sagte die 33-Jährige. Vor allem Müller würde ein Ausschluss treffen, weil sie bisher kostenlos am Stützpunkt in Hannover trainiert. Der Verband habe eine Liste erstellt, was er für die beiden Spielerinnen getan hat. Müller und Schruff hätten Wildcards bei deutschen Turnieren erhalten; und die materielle Hilfe "war wirklich eine fünfstellige Summe" (Rittner).

Rittner hat sich bei der brisanten Angelegenheit Rückendeckung vom DTB verschafft. "Wir bauen beim Fedcup auf die Jüngeren, auch wenn wir nicht wieder aufsteigen. Die Landesverbandspräsidenten haben dem mit 18:0 zugestimmt", erklärte Rittner. Ihr im Januar 2005 geschlossener Vertrag als Fedcup-Teamchefin soll demnächst um zwei Jahre verlängert werden: "Mündlich sind wir uns einig."

Quelle: n-tv.de