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WM-Lehrstunde gegen Frankreich Deutsche Handballer chancenlos

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Pascal Hens und Co. gelang nach gutem Beginn nur noch wenig.

Bei der Handball-WM verpasst Deutschland gegen Frankreich den großen Coup. Die Mannschaft von Trainer Heiner Brand unterliegt dem Favoriten deutlich mit 23:30. Die Entscheidung über den Einzug in die Hauptrunde fällt nun im letzten Gruppenspiel gegen Tunesien.

Adieu, Halbfinale. Die deutschen Handballer haben gegen Frankreich die zweite WM-Niederlage erlitten und hat nunmehr keine ernsthafte Chance auf Halbfinal-Einzug. Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) verlor in Kristianstad gegen den Olympiasieger und Europameister mit 23:30 (10:13) und verpasste dadurch auch den vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde. "Ich denke, das Ergebnis spiegelt den Leistungsunterschied zwischen den beiden Mannschaften wider. Das muss man akzeptieren", sagte Bundestrainer Heiner Brand.

Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe A muss das Team von Brand an diesem Donnerstag gegen Tunesien mindestens unentschieden spielen, um in die zweite Turnierphase zu kommen. Dort würde der Weltmeister von 2007 dann mit null Punkten starten.

Ordentlicher Beginn

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Geknickt verließen die deutschen Spieler das Parkett.

Zwei Tage nach der bitteren 24:26-Niederlage gegen Ex-Weltmeister Spanien war die deutsche Mannschaft auf ihren ersten WM-Coup aus, leistete sich aber zu viele Schwächen, um Frankreich in Bedrängnis zu bringen. Auch setzten einmal mehr die Rückraumspieler zu wenig Akzente. Vor 4250 Zuschauern in der Kristianstad Arena warf Michael Kraus (7/2) die meisten Tore für die DHB-Auswahl.

"Wir können die Franzosen schlagen. Jede andere Antwort wäre eine vorzeitige Niederlage", hatte Linksaußen Dominik Klein vor dem Spiel frohen Mutes verkündet. Dabei war allen Spielern bewusst, dass sie gegen den Titelverteidiger vor einer Herkulesaufgabe standen. "Die Franzosen sind das Beste, was hier bei der WM auf einen zukommt", meinte der zuletzt gescholtene Spielmacher Kraus.

Wie angekündigt setzte Brand gegen Frankreich erstmals bei diesem Turnier von Beginn an auf den Hamburger, nachdem er ihn nach der Spanien-Niederlage noch Führungsqualitäten abgesprochen hatte. Gegen den Weltmeister mühte sich Kraus redlich. Auch wenn nicht alles gelang und ihm und seinen Nebenleuten Fehlwürfe unterliefen, führte die deutsche Mannschaft unter seiner Regie mit 4:2 (9. Minute) und 7:6 (16.). Grundlage waren einmal mehr die robuste und aggressive Deckung und der stark haltende Torhüter Silvio Heinevetter.

Keine Tore, "blöde Fouls"

Dann aber gelang der DHB-Auswahl plötzlich nichts mehr. Sechs Minuten lang warfen die Mannen um Kapitän Pascal Hens kein Tor. Die Franzosen hingegen nutzten ihre Chancen konsequent und brachten den Weltmeister von 2007 mit 7:10 (23.) ins Hintertreffen. Auch eine Auszeit von Brand mit taktischen Hinweisen und dem Wechsel von Kraus und Hens zu Michael Haaß und Lars Kaufmann brachte keine Besserung. Im Gegenteil: Der Rückstand wuchs auf 8:13 (27.) an. Bis zur Pause gelang nur noch eine Resultatsverbesserung auf 10:13.

Nach Wiederanpfiff stemmten die deutschen Spieler sich zwar gegen die sich anbahnende Niederlage. Doch weil sie gegen die massive Abwehr der Franzosen kein Mittel fanden, blieb dies erfolglos. Und als Bertrand Gille das 19:12 (41.) für Frankreich markierte, war die Partie entschieden.

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Heiner Brand fordert nun volle Konzentration auf das Spiel gegen Tunesien.

Trainer Brand fand die Leistung seines Teams im ersten Durchgang "in Ordnung. Da war alles offen. Nach der Halbzeit sind aber alle Dämme auseinandergebrochen", sagte Brand, der viele "Undiszipliniertheiten" und "blöde Fouls" seiner Spieler monierte. Für das Spiel gegen Tunesien rief er zur Ruhe auf: "Wir müssen positiv in das Spiel gehen." Seine Spieler zeigten sich selbstkritisch. "Wie wir  uns in den letzten 20 Minuten aufgegeben haben, das darf nicht  sein. Da ziehen nicht alle mit", sagte Torwart Heinevetter, während Kapitän  Pascal Hens mahnte: "Es kann nicht sein, dass wir anfangen, uns  selbst zu zerfleischen. Richtung Halbfinale müssen wir gar nicht mehr denken."

Druck wegen Olympia

Der Druck in Schweden ist auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 in London besonders groß: Ein Platz zwischen eins und sieben ist für die Brand-Auswahl quasi ein Muss. Während sich nur der Weltmeister direkt für die Sommerspiele im nächsten Jahr qualifiziert, garantieren die WM-Plätze zwei bis sieben immerhin die Teilnahme an den insgesamt drei Olympia-Qualifikationsturnieren im April 2012. Als Gastgeber fungieren der WM-Zweite, -Dritte und -Vierte. "Jetzt haben wir morgen ein absolutes Endspiel. Es geht um die Zukunft des deutschen Handballs. Wir müssen die Hauptrunde erreichen - etwas anderes gibt es nicht", sagte Spielmacher Michael Kraus vor der Partie gegen Tunesien und fügte hinzu: "Jetzt trinken wir mal ein Bier zusammen und gucken nach vorn."

Sollte die Turnierteilnahme verpasst werden, gibt es nur noch eine Möglichkeit, sich den olympischen Traum zu erfüllen: Der Titelgewinn bei der EM 2012 in Serbien. Bei der letzten Europameisterschaft 2010 in Österreich war die deutsche Mannschaft auf Rang zehn gelandet.

Quelle: ntv.de, dpa/sid