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Placebos statt Dopingmittel Ex-Teamarzt widerspricht Schumacher

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(Foto: dapd)

Selters statt Sekt? Erstmals sagt ein früherer Gerolsteiner-Teamarzt im Dopingprozess um Radprofi Stefan Schumacher aus und dementiert, jemals verbotene Substanzen verabreicht zu haben - stattdessen habe er den Sportlern Placebos injiziert.

Im Betrugsprozess gegen Radprofi Stefan Schumacher hat endlich ein Ex-Mannschaftsarzt des Teams Gerolsteiner ausgesagt. Achim Spechter wies am zehnten Verhandlungstag vor dem Stuttgarter Landgericht jegliche Dopingvorwürfe zurück.  Er habe nie Dopingmittel verabreicht. Der Mediziner erklärte, dass er einem Radprofi Placebos anstelle des vom Sportler gewünschten Dopingmittels Synacthen verabreicht habe. Er habe den Athleten "im Glauben gelassen", dass es sich um das verbotene Präparat gehandelt habe, sagte der als Zeuge geladene Spechter. Dopingmittel habe er nie verabreicht. "Ich kann für mich reinen Gewissens sagen, dass ich das Risiko nie eingegangen bin."

Schumacher hatte am dritten Verhandlungstag explizit berichtet, er sei im Zimmer gewesen, als der Mannschaftsarzt bei der Deutschland-Tour 2006 einem Teamkollegen das Peptidhormon Synacthen injiziert habe. "Ich habe es immer abgelehnt, wenn mich ein Sportler nach Synacthen gefragt hat", sagte nun Spechter.: "Ich bin Arzt und habe drei Kinder - ich setze meine berufliche Zukunft nicht aufs Spiel, um Sportlern verbotene Präparate mitzugeben."

Entlastung für Holcer

Der vermeintlich von Schumacher betrogene frühere Teamchef Hans-Michael Holczer sei nach außen und innen gleichermaßen ein "Doping-Bekämpfer" gewesen, berichtete Spechter, der 2005 hauptverantwortlich und 2006/2007 als Aushilfskraft im einstigen ProTour-Team beschäftigt war - das von Schumacher geschilderte, systematische Doping habe es innerhalb der Mannschaft in keinem Fall gegeben.

"Für mich ist das nicht vorstellbar, dass ein Teamarzt ein verbotenes Medikament bewirbt", sagte Spechter: "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Präparate, die verboten waren, mitgeführt wurden. Wir haben peinlich genau darauf geachtet, dass nur erlaubte Mittel mitgeführt wurden."

Spechter war der erste Arzt, der vor der 16. Strafkammer Rede und Antwort stand. Der damals leitende Teamarzt Ernst Jakob, der ebenfalls am Donnerstag hätte aussagen sollen, ließ sich mit dem Hinweis auf eine Urlaubsreise entschuldigen. Am Mittwoch hatte Ex-Teamarzt Mark Schmidt per Fax erklärt, dass er bis zum 3. Juli an der Ostsee Urlaub mache und deshalb nicht aussagen könne.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen geständigen Dopingsünder Schumacher vor, Holczer mit systematischem Doping hintergangen und sich mit seinen Verfehlungen laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" (rund 150.000 Euro) erschlichen zu haben. Schumacher beruft sich darauf, dass Holczer bestens über seine Dopingpraktiken Bescheid wusste und er ihn deshalb nicht betrügen konnte.

Quelle: ntv.de, dsi/sid/dpa

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