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"Hochgefährliche Situation" FIFA fürchtet Wettbetrüger

Joseph Blatter hat sich kritisch über den weltweit wachsenden Markt der Sportwetten geäußert, Experten sprechen von einer "hochgefährlichen" Situation bei Manipulationen. "Für mich sind Glücks- und Wettspiele etwas Zwiespältiges", sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA beim Kongress "Sportwetten - Symbiosen und Gefahren" in Zürich. "Es hat keine Grenzen. Vielleicht wird sogar mal gewettet, dass in der zweiten Halbzeit ein anderer Trainer auf der Bank sitzt."

Für Carsten Koerl von der Schweizer Sportradar AG, die den lukrativen Markt auf illegale Machenschaften abklopft, gibt es inzwischen Manipulationen in allen Ländern Europas. Laut Koerl, der auch im Auftrag der FIFA, der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) arbeitet und mit 250 Buchmachern weltweit kooperiert, sind allein in den vergangenen zwei Jahren 25 Spiele in den UEFA-Wettbewerben auf unerlaubte Weise beeinflusst worden. Dabei handele es um Partien der Qualifikation bzw. 1. Runde.

Schiedsrichter besser schützen

Inzwischen würden in der Türkei sogar Jugendspiele der unter Achtjährigen manipuliert, so der Unternehmer. "Es ist ein international organisiertes Verbrechen, und es gibt dabei auch die Komponente Geldwäscherei."

Der Sportradar-Gründer sprach sich als Gegenmaßnahme für ein "europäisches Recht gegen Spiel-Manipulationen" aus. Blatter, der an den Betrugsfall des Berliner Unparteiischen Robert Hoyzer erinnerte, erneute hingegen seine Forderung nach der Einführung von Profi-Referees. "Wir haben auch in der deutschen Bundesliga noch keine Profi-Schiedsrichter. Es soll keiner sagen, es fehle am Geld. Wir müssen diejenigen schützen, die die Zielscheibe von solchen Methoden sein könnten oder bereits gewesen sind", sagte der Schweizer.

"Ernsthafte Bedrohung des Fußballs"

Geschätzte 350 Milliarden US-Dollar (rund 272 Milliarden Euro) pro Jahr beträgt laut Wolfgang Feldner, Strategie-Chef der Early Warning System GmbH, derzeit der weltweite Brutto-Spielbetrag bei Sportwetten - also die Spieleinsätze minus Gewinnausschüttung. "Verlässliche Zahlen zu benennen, ist nicht sehr einfach", sagte Feldner. Das Frühwarnsystem (Early Warning) war vor der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erstmals getestet worden und steht unter Obhut der FIFA, die Manipulation als "ernsthafte Bedrohung des Fußballs" (Blatter) sieht. Das Unternehmen kooperiert mit internationalen Buchmachern und Wettanbietern, überwachte die Olympischen Spiele in Peking und kontrolliert auch die WM-Qualifikationsspiele für Südafrika 2010.

Feldner warnte davor, dass es inzwischen "eine Vielzahl von Möglichkeiten gebe, bei Manipulationen unentdeckt zu bleiben". Das klassische Beispiel - der Favorit verliert - sei um viele Varianten reicher geworden, da auf alle möglichen Details gewettet werden könne. Zudem seien Einzelspieler - wie es beim Tennis möglich ist - leichter zu beeinflussen. "Das insgesamt gestiegene Umsatz-Aufkommen fordert den Anreiz." Eine 100-prozentige Sicherheit, dass bei Sportwetten nicht betrogen werde, könne es nicht geben. Aber eine Regulierung des Wettmarktes, Transparenz und Zusammenarbeit mit den Behörden seien mögliche Lösungen.

WM nicht manipuliert

"Man braucht uns und man missbraucht uns", sagte Blatter zur Lage, der die FIFA oft hilflos gegenüber steht. Vehement wies er Gerüchte zurück, wonach es bei der WM 2006 bei den Achtelfinal-Partien Brasilien - Ghana und England - Ekuador nicht mit rechten Dingen zugegangen sei: "Es gibt keinen einzigen Hinweis darauf", betonte der FIFA-Präsident.

Quelle: ntv.de

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