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US-Open als Windlotterie Federer schickt Agassi heim

Die US-Open-Träume von Andre Agassi wurden vom Winde verweht. Beim zweiten Teil des durch Ausläufern von Hurricane "Frances" beeinträchtigten Spiels hatte der Weltranglistenerste Roger Federer das glücklichere Ende für sich und entschied das Viertelfinale gegen den "Local hero" mit 6:3, 2:6, 7:5, 3:6, 6:3 für sich. In der Runde der letzten Vier trifft Federer nun auf Tim Henman (Großbritannien), der gegen Dominik Hrbaty (Slowakei) 6:1, 7: 5, 5:7, 6:2 gewann.

Es war nicht mehr der Regen des Vortages, der Federer und Agassi das Leben schwer machte. Bei Sturmböen von bis zu 60 km/h wurde die Fortsetzung des "vorweggenommen Endspieles" zur Windlotterie, in der Agassi am Ende die Niete zog. Handtücher flogen auf das Feld, Bälle wurden unspielbar - am Ende herrschten irreguläre Bedingungen für beide Spieler. "Das waren mit die schwersten Bedingungenen, bei denen ich je gespielt habe", meinte Federer im Anschluss.

Am Vorabend hatte die Begegnung beim Stand von 6:3, 2:6, 7:5 (40:40) für Federer abgebrochen werden müssen. Als die beiden Hauptdarsteller am Mittwoch um 19.00 Uhr den Center Court betreten hatten, verliefen sich dort aber zunächst einmal nicht einmal 3000 Zuschauer. Viele Straßen New Yorks waren wegen Überflutung gesperrt, dazu hatten einige öffentliche Verkehrsmittel den Dienst eingestellt.

So blieb es Altmeister John "BigMac" McEnroe im amerikanischen Fernsehen überlassen, das Zuschauerproblem auf unkonventionelle Art und Weise zu lösen. Mit Genehmigung der Veranstalter lud er sämtliche Einwohner des Stadtteils Queens zum kostenlosen Besuch ein, eine Stunde später war das Arthur Ashe Stadium bis zum Rand gefüllt.

Die am Anfang fehlende Atmosphäre nutzte zunächst Federer zu seinen Gunsten. Bevor sich Agassi versah, hatte der topgesetzte Schweizer in 30 Minuten den ersten Durchgang gewonnen und Agassi dabei mitunter vorgeführt. Zu mehr Sicherheit verhalf der Satzgewinn Federer indes nicht. Plötzlich zog Agassi unter dem Jubel der Menge das Tempo an und attackierte konsequent die immer schwächer werdende Rückhand seines Gegners. Der Amerikaner machte im zweiten Durchgang 13 der ersten 15 Punkte, sicherte sich das schnelle Break und gewann völlig verdient den Satz.

Auch im dritten Durchgang war Agassi vor den Augen einiger Altstars wie Jimmy Connors, Mats Wilander und Guillermo Vilas der aggressivere und bessere Spieler, ließ aber im dritten Spiel in für ihn untypischer Manier drei Breakchancen verstreichen. Die Nachlässigkeit rächte sich. Agassi leistete sich beim Stand von 5:5 seinen zweiten Doppelfehler, einen Ballwechsel später hatte Federer das vorentscheidende Break in der Tasche. Für Wilander kam die Entwicklung plötzlich, doch nicht ganz unerwartet: "Federer ist im Gegensatz zu Agassi einer von nur drei oder vier Spielern, die ihre Spielweise während der Begegnung den Umständen anpassen können. Für mich ist er der große Turnierfavorit."

Als Federer und Agassi um 23.15 Uhr Ortszeit nach einem erneuten Regenschauer endgültig zum Duschen geschickt wurden, war Lindsay Davenport längst auf dem Heimweg. Die Amerikanerin, die seit dem Halbfinale von Wimbledon kein Match mehr verlor, fertigte Shinobu Asagoe (Japan) vor der Geisterkulisse von 300 Zuschauern in nur 46 Minuten mit 6:1, 6:1 ab und bescherte damit den US Open im Halbfinale den "Länderkampf" USA gegen Russland. Davenport trifft dabei auf Swetlana Kusnezowa, im zweiten Vorrundenspiel bekommt es Jennifer Capriati mit Jelena Dementjewa zu tun.

Quelle: ntv.de