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Neuer Anlauf beim Berlin-Marathon Fitschen will zeigen, was in ihm steckt

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"Es gehört sehr viel dazu, um im Marathon Erfolg zu haben": Jan Fitschen.

Jan Fitschen ist eine Hoffnung für den deutschen Marathonlauf, der international nicht einmal mehr drittklassig ist. Der 35-Jährige kann aber bisher sein Potenzial auf der 42,195-Kilometer-Distanz nicht umsetzen. Über 10.000 Meter hingegen wurde er 2006 sensationell Europameister.

Genau genommen sind es zwischen fünf und sechs Minuten, die ihm fehlen. In Frankfurt lief Jan Fitschen vor knapp einem Jahr seine aktuelle Bestzeit von 2:15:40 Stunden. Vielleicht kann er nun am Sonntag auf der schnellen Berliner Strecke einen nächsten Schritt machen. Jan Fitschen, der als Jugendlicher Fußball, Badminton und Basketball ausprobiert hatte, bevor er zum Läufer wurde, konzentrierte sich im ersten Abschnitt seiner Karriere zunächst auf die Bahn-Langstrecken. Über 5000 Meter qualifizierte er sich für die Europameisterschaften in München 2002, musste dann aber kurzfristig krankheitsbedingt passen. Vier Jahre später startete er als Außenseiten über 10.000 Meter bei der EM in Göteborg.

Und n-tv überträgt live

n-tv überträgt live die39. Auflage des Berlin-Marathons am Sonntag, 30. September. Ab 8.30 Uhr melden sichdie n-tv-Sportmoderatoren Nico Holter und Birgit von Bentzel von der Strecke. RenéHiepen und Martin Grüning kommentieren bis 12.30 Uhr das Rennen. Zudem sendet n-tvam Sonntag, 7. Oktober, ab 17.10 Uhr eine 45 minütige Dokumentation. "BackstageBMW-Berlin-Marathon zeigt, wie es hinter den Kulissen eines der weltgrößten Marathonszugeht.

Der damalige Physikstudent sorgte dann jedoch für eine der größten Überraschungen dieser Titelkämpfe in Schweden 2006. Sensationell stürmte der damals 29-Jährige zur Goldmedaille mit einer persönlichen Bestzeit von 28:10,94 Minuten. 32 Jahre nachdem Manfred Kuschmann 1974 im Trikot der DDR Europameister geworden war, stellte Deutschland wieder einen EM-Goldmedaillengewinner über diese Distanz. Jan Fitschen ist neben Kuschmann und Jürgen Haase, der 1966 und 1969 gewann, der einzige deutsche 10.000-Meter-Sieger der EM-Geschichte.

In der Folge warfen Jan Fitschen jedoch immer wieder Verletzungen zurück. Nach einer langen Pause schaffte er 2010 den Anschluss und die Qualifikation für die Europameisterschaften. In Barcelona belegte er dann im Sommer 2010 als Titelverteidiger im 10.000-m-Finale Platz zwölf. Anschließend wurde Jan Fitschen Deutscher Meister über zehn Kilometer und erreichte bei seinem ersten ernsthaften Halbmarathon in Köln Rang drei in 65:19 Minuten. Im Frühjahr 2011 steigerte er diese persönliche Bestzeit im Rahmen eines 25-Kilometer-Rennens in Herne auf 64:39 (25-km-Zielzeit: 1:16:56 Stunden).

"Alles muss wirklich zusammenpassen"

Bei seinem Marathon-Debüt hatte Jan Fitschen dann Anfang Mai 2011 Pech. Er erwischte in Düsseldorf ein Hitze-Rennen. Schon nach 15 Kilometern lief so gut wie nichts mehr für ihn. Trotzdem quälte sich Jan Fitschen ins Ziel, das er schließlich in 2:20:15 Stunden erreichte. Immerhin war er bei den extrem schweren Bedingungen durchgekommen. Doch von seiner avisierten Zeit unter 2:15 Stunden war der Läufer des TV Wattenscheid weit entfernt.

"Es gehört sehr viel dazu, um im Marathon Erfolg zu haben. Alles muss wirklich zusammenpassen. Natürlich ist man nicht zufrieden, wenn man sechs Monate trainiert hat und dann passiert so etwas wie in Düsseldorf. Aber das gehört zum Sport", erklärte Jan Fitschen. Besser lief es dann beim zweiten Versuch in Frankfurt, wo er sich auf 2:15:40 Stunden steigerte. 3:40 Minuten fehlten Jan Fitschen noch zur deutschen Olympianorm. In Düsseldorf wollte er sich Ende April für die Spiele in London qualifizieren. Doch wieder lief es nicht bei seinem Heimspiel. Frühzeitig bekam Jan Fitschen bei guten Wetterbedingungen muskuläre Probleme und stieg schließlich nach 24,5 km aus. Dieses Rennen war ein Rückschlag. Doch der Wechsel zum Straßenlauf brachte für Jan Fitschen trotz zweier misslungener Marathonrennen in Düsseldorf auch eine positive Erkenntnis: Der Studenten-Weltmeister über 10.000 m von 2003 hatte keinerlei Verletzungsprobleme mehr.

"Mein Fuß und mein gesamter Körper haben das umfangreiche Training gut mitgemacht." Und Jan Fitschen ist sich sicher: "Marathon ist mein Ding. Ich ziehe das durch und bin sicher, dass ich Potenzial habe über diese Strecke." Vor dem Berlin-Marathon hat Jan Fitschen in St. Moritz in der leistungsfördernden Höhenluft trainiert. Gut 200 Kilometer pro Woche ist er dabei mehrmals gelaufen. Zwischendurch gab es eine kurze Unterbrechung, die ihm einen Motivationsschub für Berlin gegeben haben könnte: Jan Fitschen war als Ko-Kommentator beim olympischen Männer-Marathon in London im Einsatz.

Seinen Optimismus verliert Jan Fitschen auch nach Rückschlägen nicht so leicht. "Das ganze Drumherum bei einem Marathon ist einfach irre. Auch das Training macht mir Spaß – wenn das nicht so wäre, könnte ich gar nicht diese hohen Umfänge laufen. Marathon ist etwas Besonderes, das merke ich auch, wenn ich mit anderen Menschen spreche und erzähle, dass ich Marathon laufe. Das wirkt beeindruckend", erzählt Jan Fitschen. "Der Vergleich ist etwas weit hergeholt, aber selbst bei Haile Gebrselassie liefen die ersten Marathonrennen nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte."

Quelle: ntv.de, Jörg Wenig