Fußball-WM 2019

WM-Kapitänin zeigt Größe Birgit Prinz räumt das Feld

Sie ist die erfolgreichste Fußballspielerin der Welt. Aber nicht nur das zeichnet Birgit Prinz aus. Während der WM gibt sie nun zu, wie hart sie die Kritik an ihr getroffen hat. Und dass sie mit einem Platz auf der Bank zufrieden ist, wenn andere besser sind. Das zeugt von echter Größe.

1310039292.jpg986392105647611972.jpg

"Ich habe versucht, zu verstehen, was mich so arg trifft": Birgit Prinz.

(Foto: dapd)

Birgit Prinz ist keine gute Schauspielerin. Eine große Überraschung ist das nicht, schließlich ist Fußballspielen das, was sie am besten kann und wofür sie bekannt ist. Doch bei dieser Weltmeisterschaft stand die erfolgreichste Spielerin der Welt plötzlich in der Kritik. So hart und teilweise auch ungerecht wie nie, seit sie vor fast auf den Tag genau 17 Jahren ihr Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gegeben hat. Und was macht Birgit Prinz? Sie gibt zu, dass sie damit ein Problem hat. Das ist bemerkenswert.

Denn in der Welt des Hochleistungssports ist es nicht üblich, dass jemand sagt: "Ich habe es nicht geschafft, mit dem Druck entsprechend umzugehen." Schon gar nicht während eines Turniers, bei laufendendem Spielbetrieb sozusagen. Doch Birgit Prinz hat keine Lust sich zu verstellen, vielleicht auch, weil sie weiß, dass sie das eh nicht so gut kann. Und vielleicht auch, weil Bundestrainerin Silvia Neid bereits nach dem 4:2-Sieg gegen Frankreich im dritten und letzten Vorrundenspiel gesagt hatte, dass "es der Birgit nicht so gut geht" und sie mental nicht in der Lage gewesen sei, von Beginn an zu spielen.

"Warum eine Ausrede erfinden?"

"Warum soll ich Ihnen etwas vormachen und eine Ausrede erfinden?", sagte Birgit Prinz also vor versammelter Journaille in Wolfsburg, wo das deutsche Team am Samstag sein Viertelfinale gegen Japan bestreitet. "Ich hatte das Gefühl, dass ich der Mannschaft im dritten Spiel nicht helfen kann." Also habe sie von sich aus zugunsten einer Kollegin verzichtet, "die das besser und lockerer hinbekommt". Nun aber sei sie aber definitiv wieder in der Lage zu spielen, behauptete sie. Auch wenn sie nicht davon ausgehe, gegen die Japanerinnen in der Startelf zu stehen. "Es gibt wenig Grund, in der Offensive etwas zu ändern. Wir haben im letzten Spiel vier Tore geschossen." Sie sei, betonte Brigit Prinz, "in meiner gesamten Karriere Teamplayer" gewesen. "Das wird sich jetzt nicht ändern." Die Mannschaft geht vor.

In den vergangenen Tagen allerdings hatte sich Birgit Prinz, die in bisher 214 Länderspielen 128 Tore geschossen hat, vor allem mit sich selbst beschäftigt. "Ich habe versucht, zu verstehen, was mich so arg trifft. Meistens treffen einen ja die Dinge, die man sich selber auch vorwirft." Sie hat gehadert, mit sich, mit der Kritik an ihrer Leistung. Vor allem zugesetzt hat ihr die Kritik an ihrer Person. "Die war ein bisschen übertrieben. Ich stehe dazu, dass ich die ersten zwei Spiele nicht gut gespielt habe, aber es hatte ein bisschen was von einer Hetzjagd für mein Empfinden." Sie habe das Gefühl gehabt, dass "man nur darauf wartet, dass ich einen Fehler mache und schreiben kann, dass die Jungen besser sind als ich."

"Warum tust du dir das noch an?"

In der "ersten Emotion" nach ihrer Auswechslung beim 1:0 in Frankfurt gegen Nigeria habe sie, als sie fluchend den Platz verließ, sogar daran gedacht, alles hinzuschmeißen. "Warum tust Du Dir das noch an?" Und dann fügte sie fast trotzig an: "Ich werde mir die Freude am Fußballspielen nicht vermiesen lassen." Was allerdings nichts daran ändert, dass nicht nur Birgit Prinz sich das wohl anders vorgestellt hat, als sie vor der WM angekündigt hatte, dass sie nach dem Turnier ihre internationale Karriere beenden wird. Am besten, nachdem sie als Stammspielerin der DFB-Elf zum dritten Mal hintereinander den WM-Titel gewonnen hat.

Nun aber sagt sie: "Natürlich wünsche ich mir, hier nochmal zu spielen. Ich würde gerne einen anderen Eindruck hinterlassen, und für mich das Ganze positiver abschließen." Aber sie habe sich "ein bisschen mit der Situation arrangiert". Und falls sie nicht mehr spielt? "Dann probiere ich meine anderen Fähigkeiten einzubringen. Natürlich werde ich dann zu den Spielen enttäuscht und frustriert sein. Aber ich glaube, dass ich darüber wegkomme." Das klingt so, als räume Birgit Prinz das Feld. Aber sie tut es mit entwaffnender Ehrlichkeit. Und dafür gebührt ihr Respekt.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.