Fußball-WM 2010

Kraftakt im "kleinen WM-Finale" DFB-Team reist als Sieger ab

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Immerhin: Den Titel als WM-Dritter hat Deutschland in Südafrika erfolgreich verteidigt.

(Foto: dpa)

Im letzten WM-Spiel in Südafrika bietet das DFB-Team noch einmal beste Unterhaltung. Gegen Uruguay geht die Löw-Elf in Führung, liegt dann zurück, ehe sie doch noch wie von Orakel Paul vorhergesagt den Titel als Rekord-WM-Dritter festigt. Uruguays Keeper und die Torlatte helfen mit.

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Kontraste nach dem Siegtreffer: Die DFB-Kicker drehen jubelnd ab, Uruguay lässt den Kopf hängen.

(Foto: dpa)

Nochmal Jubel zum Abschied - mit letzter Kraft hat sich die ersatzgeschwächte deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Regen von Port Elizabeth Bronze bei der Weltmeisterschaft erkämpft. Mit seinem ersten Länderspieltor in der 82. Minute bescherte Sami Khedira dem Team von Bundestrainer Joachim Löw vor 36.254 Zuschauer im Nelson Mandela Bay Stadion im Spiel um den dritten Platz den 3:2 (1:1)-Sieg gegen Uruguay.

"Wir gehen nicht mit leeren Händen nach Hause. Die Mannschaft ist verdient Dritter geworden und hat heute in der zweiten Halbzeit hervorragend gekämpft", sagte Löw nach dem erfolgreichen Schlusspunkt unter ein gutes Turnier. "Deutschland kann froh sein, so eine Truppe zu haben", sagte Torhüter Hans-Jörg Butt, der bei einem ersten Turniereinsatz eine starke Leistung ablieferte.

"Wir waren 1:2 hinten und sind dann wiedergekommen, das zeigt unsere Charakterstärke. Ich bin sehr stolz, dass ich mit dieser Mannschaft das Turnier bestreiten durfte", sagte Bastian Schweinsteiger, der den erkrankten Philipp Lahm als Kapitän vertrat. "Wir haben heute Moral bewiesen. So macht es einfach Spaß, es ist sensationell. Wir haben uns nicht verunsichern lassen", fügte Marcell Jansen hinzu, dem in der 56. Minute das 2:2 gelungen war. Aus den Händen von FIFA-Präsident Joseph Blatter hatten die Spieler zuvor ihre bronzenen Plaketten erhalten.

Thomas Müller (19.) hatte das Team mit seinem fünften WM-Tor in Führung gebracht. Edinson Cavani (28.) und Diego Forlan (51.) trafen für die Südamerikaner. Glück hatte die deutsche Mannschaft, dass ein Freistoß des nun ebenfalls fünffachen WM-Torschützen Forlan (90.+3) an die Latte prallte.

Löw laviert weiter rum

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Joachim Löw hat sich angeblich noch immer keine Gedanken gemacht, ob er Bundestrainer bleiben will.

(Foto: dpa)

Die interessanteste Frage ist nun, ob das 56. eventuell auch das letzte Länderspiel für Löw gewesen ist. Die Zeichen sprechen indes dafür, dass der 50-Jährige einen weiteren Zweijahresvertrag bis 2012 unterschreibt. "Es würde uns sehr freuen, wenn Joachim Löw bleibt", sagte Khedira. "Ich brauche jetzt ein paar Tage Ruhe und Abstand, um in mich zu gehen. Ich werde eine zeitnahe Entscheidung treffen", kündigte der vom DFB während der WM regelrecht umgarnte Coach an.

In einer Begegnung ohne taktische Zwänge warf die deutsche Mannschaft anders als im Halbfinale wieder ihre großen spielerischen Qualitäten in die Waagschale und holte sich zum vierten Mal nach 1934, 1970 und 2006 den dritten WM-Platz. Mit dem zuletzt wegen seiner Sperre fehlenden Müller kehrte auch wieder der gegen Spanien vermisste Zug zum Tor zurück. Der 20-jährige Bayern-Youngster zog in der WM-Torschützenliste mit Wesley Sneijder, David Villa und Forlan gleich und empfahl sich damit noch einmal für die Wahl zum besten Jungprofi des Turniers.

Ersatz-Kapitän Bastian Schweinsteiger, neben Mesut Özil Kandidat für den Goldenen Ball als bester WM-Spieler, war einmal mehr Kopf des Teams und kämpferisches Vorbild. Pech für den Münchner, dass sein einziger schwerer Schnitzer im Turnierverlauf zum 1:1-Ausgleich führte. Dagegen wirkte Özil oft zu verspielt und erwies sich im Abschluss erneut als Zauderer. Probleme hatte die deutsche Mannschaft auf der linken Seite. WM-Debütant Dennis Aogo sah schon in der 4. Minute wegen eines groben Fouls die Gelbe Karte und agierte fortan verkrampft. Sein Hamburger Clubkollege Marcell Jansen, für Lukas Podolski im Team, verzog zwar manche Flanke, durfte sich aber später über sein erstes Kopfballtor für im Nationaltrikot freuen.

Löw baut groß um

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Joachim Löw musste das Team vor dem letzten WM-Spiel stark umbauen und hatte damit Erfolg.

(Foto: dpa)

Löw hatte die Elf des Spanien-Spiels auf fünf Positionen verändert. Philipp Lahm, der bis dahin alle 540 Turnier-Minuten absolviert hatte, war ebenso wie Podolski wegen eines Grippe-Virus zum Zuschauen verurteilt. Rückenbeschwerden brachten Miroslav Klose um seinen 20. WM-Einsatz und damit die Chance, mit dem Brasilianer Ronaldo (15 Treffer) gleichziehen zu können. Sein Vertreter Cacau fand nur wenig Bindung zum Spiel.

Sein persönliches WM-Abschiedsgeschenk erhielt Hans-Jörg Butt. Der 36-Jährige stand bei seinem dritten großen Turnier erstmals zwischen den Pfosten, weil Konkurrent Tim Wiese wegen einer Schleimbeutelentzündung im Knie passen musste. Butt zeigte eine ordentliche Leistung und durfte im vierten Länderspiel den vierten Sieg feiern. Der Bremer Schlussmann blieb hingegen als einziger Spieler aus dem 23-köpfigen DFB-Kader ohne Einsatz in Südafrika.

Schwungvoller Beginn

Die deutsche Mannschaft begann ihr 99. WM-Spiel mit dem Schwung aus der Argentinien-Partie. Eine Ecke von Özil leitete in der 10. Minute die erste große Möglichkeit durch Arne Friedrich ein. Der künftige Wolfsburger köpfte den Ball an die Latte und verpasste damit sein zweites Länderspiel-Tor knapp. Der nachsetzende Müller wurde von mehreren Abwehrspielern der "Himmelblauen" geblockt. Acht Minuten später konnte niemand den 20-Jährigen an seinem fünften Turnier-Tor hindern. Nachdem Schlussmann Fernando Muslera einen knallharten 30-Meter-Schuss von Schweinsteiger nach vorne abprallen ließ, reagierte Müller schnell wie einst Namensvetter Gerd und staubte zum 1:0 ab.

Zwar drängte das Team weiter auf das zweite Tor, musste aber wenig später den Ausgleich hinnehmen. Nach einem Ballverlust des bis dahin fehlerfreien Schweinsteiger am Mittelkreis gegen Diego Perez nutzten die Südamerikaner ihr 3:2-Übergewicht. Cavani lief nach Zuspiel von Luis Suarez alleine auf Butt zu und ließ dem Team-Senior mit seinem Flachschuss keine Chance. Schon unmittelbar davor hatten Mertesacker und Friedrich mit entschlossenem Eingreifen Gefahr für das Team abgewendet (25./26.), das etwas nachlässiger wurde. Als Suarez nach Khedira-Fehler zum Abschluss kam, drohte sogar das 1:2, doch der Schuss des Angreifers flog knapp an der langen Ecke vorbei.

Forlan-Schock rasch verdaut

Drei Minuten nach Wiederbeginn stand Butt in seinem 4. Länderspiel erneut im Brennpunkt und verhinderte kurz nacheinander gegen Cavani und Suarez einen weiteren Einschlag. Gegen die Direktabnahme von Forlan nach Maßflanke von Egidio Arevalo war aber auch der Münchner Schlussmann absolut machtlos.

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Mit Köpfchen bescherte Khedira Deutschland zum vierten Mal WM-Bronze.

(Foto: AP)

Doch die deutsche Elf rappelte sich schnell wieder auf, und Jansen köpfte die Flanke von Jerome Boateng an dem zaudernden Muslera vorbei zum 2:2 ein. Drei Minuten später hätte der von Cacau angespielte Özil für die erneute Führung sorgen müssen, zögerte aber zu lange. Danach war es mehrmals Butt, der Löws Elf mit seinen Paraden im Spiel hielt, doch im Schlussspurt gelang doch noch der Sieg. Nachdem der eingewechselte Stefan Kießling zweimal das 3:2 verpasst hatte, war Khedira per Kopf zur Stelle.

Quelle: ntv.de, dpa