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Biathletin will in Neuners Fußstapfen Gössner, die neue Gold-Lena?

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Nahtloser Übergang? Magdalena Neuner und Miriam Gössner, rechts, beim Staffelrennen in Ruhpolding.

(Foto: REUTERS)

Ein "kleines Loch im Bereich der Damen" befürchten die Verantwortlichen, weil Biathlonstar Magdalena Neuner demnächst nicht mehr dabei ist. Doch da gibt es eine, die gerne in Neuners Fußstapfen treten würde. Miriam Gössner sagt: "Ich bin 21 Jahre alt und habe noch Zeit, an mir zu arbeiten."

Vor, während und nach der Biathlon-WM in Ruhpolding ist Magdalena Neuner ungefähr jede Frage zwanzig Mal gestellt worden. Auch die, wer denn ihre Nachfolgerin werden könnte als deutscher Biathlon-Star und Seriensiegerin. Die Frage ist naheliegend. Während viele kleine Länder wie Slowenien mit Einzelweltmeister Jakov Fak im Wintersport "deutlich aufrüsten", wie DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller sagte, und sich dabei auf den Medienliebling Biathlon als kürzesten Weg ins Rampenlicht konzentrieren, rüstet Deutschland mit dem Rücktritt seiner überragenden Athletin in seiner beliebtesten Wintersportart massiv ab.

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"Dass die Lena so viel Vertrauen in mich hat": Miriam Gössner

(Foto: dpa)

"Jetzt werden wir ein kleines Loch kriegen im Bereich der Damen, das ist so", hat Pfüller am Rande der Rekord-WM in Ruhpolding eingeräumt und damit gemeint, dass dem deutschen Biathlon ohne Neuner der Boom abhanden kommen dürfte. Ziel des Verbandes sei zwar stets, "über eine ganz, ganz solide Nachwuchsarbeit dafür zu sorgen, dass, wenn Athleten abtreten, die neuen bereits in den Fußstapfen drinstehen und nicht erst reinsteigen müssen". Im Fall Neuner hat das aber genauso wenig geklappt wie einst bei den Skispringern. Auch deshalb wird die Diskussion, ob die 31-jährige Langläuferin Evi Sachenbacher noch zur Biathletin umgeschult werden sollte, mit einigem Ernst geführt.

Magdalena Neuner, die ihre Karriere beim Saisonfinale in Chanty-Mansijsk mit dem dritten Triumph im Gesamt-Weltcup beschließen möchte, hat die Frage nach ihrer Nachfolgerin trotzdem beantwortet. Und gesagt: Miriam Gössner! "Ich weiß, was sie für ein Potenzial hat und ich glaube, dass sie nächstes Jahr angreifen und der Darja Domratschewa das Leben schwer machen kann", lobte Neuner ihre Zimmerkollegin nach dem WM-Verfolgungsrennen. Die, die Neuners Fußstapfen einmal ausfüllen soll, hörte am vergangenen Samstag nach dem Staffelsieg gar nicht mehr auf zu reden. Denn nicht Neuner oder Routinier Andrea Henkel hatten im Teamrennen die beste Leistung gezeigt, sondern die so häufig so schwankende Gössner.

Nun saß sie im Pressezentrum und beantwortete strahlend alle Fragen und noch mehr. Mit ihren 21 Jahren, den blonden Zöpfen, ihrem Lachen könnte Gössner tatsächlich eine gute Figur machen im medialen Scheinwerferlicht des Biathlons. Nur die sportlichen Einzel-Erfolge fehlen noch und nicht alle Experten teilen Neuners Optimismus, dass Gössner den Schritt ganz nach vorn schaffen wird. Während sie läuferisch meist sehr ordentlich unterwegs ist, zittert ihr am Schießstand zu oft die Hand. Von der goldenen WM-Staffel war sie als einzige nicht für den Massenstart der besten 30 WM-Starterinnen qualifiziert.

In diesem Winter schoss sie sie liegend knapp über und stehend knapp unter 70 Prozent. Das ist ausbaufähig. Lediglich zwei Fehler im Liegendanschlag der Staffel plus einer im Stehen waren für Gössner ein Ausreißer nach oben, im positiven Sinne. War es vielleicht der mentale Durchbruch? Dass Neuner ihr die künftige Starrolle zutraut, macht Gössner zumindest nicht verlegen - es schmeichelt ihr, "dass die Lena so viel Vertrauen in mich hat". Wer Gössner nach dem Staffelrennen erlebte, der bekam das Gefühl: Sie selbst hat dieses Vertrauen auch. Schließlich sagt sie: "Ich bin 21 Jahre alt und habe noch Zeit, an mir zu arbeiten." Den Rücktritt von Neuner sieht sie wie ihre Teamkollegin Andrea Henkel auch als Motivation und Chance – um selbst mal "zu zeigen, was wir anderen können". Dem Deutschen Ski-Verband wäre es wahrscheinlich sehr recht, wenn Gössner und Co. schon beim Saisonfinale in Sibirien damit anfangen würden.

DSV-Aufgebot in Chanty Mansjisk

Mit 15 Biathleten nimmt der Deutsche Skiverband (DSV) an diesem Wochenende am Weltcup-Finale in Chanty-Mansijsk teil. Neben der Gold-WM-Staffel mit Magdalena Neuner, Tina Bachmann, Miriam Gössner und Andrea Henkel wurden bei den Frauen noch Juliane Döll, Maren Hammerschmidt und Franziska Hildebrand nominiert. Bei den Männern starten der zweimalige WM-Vierte Andreas Birnbacher, Daniel Böhm, Benedikt Doll, Florian Graf, RoutinierMichael Greis, Simon Schempp, Erik Lesser und Arnd Peiffer.

Angst, dass ihre WM-Zimmerkollegin Neuner zurückkommen und wieder im Mittelpunkt stehen könnte, muss Gössner nicht haben. Einen Rücktritt vom Rücktritt hat Neuner vor der WM kategorisch ausgeschlossen. Es wäre sehr verwunderlich, wenn ausgerechnet dieser letzte Rausch in Ruhpolding das geändert haben würde. Auch DSV-Präsident Alfons Hörmann macht sich keine Illusionen, er hat in Ruhpolding schon einmal eine Eigenschaft der Chiemgau-Arena besonders gelobt: Die Tatsache, dass dort auch mit 5000 Zuschauern weniger noch eine tolle Atmosphäre herrsche.

Quelle: n-tv.de