Sport

Doping Immer mehr Betrügereien im Sport - unfreiwillig?

Im Kampf gegen Doping ist Deutschland weiter Weltspitze. Das Kontrollnetz ist im vergangenen Jahr mit 8255 Tests noch engmaschiger geknüpft worden. Allerdings sind auch mehr Athleten als je zuvor mit Mitteln zur unerlaubten Leistungssteigerung im Körper erwischt worden:

Mit 55 Dopingsündern waren es 16 mehr als 1999. Dies geht aus der Doping-Statistik 2000 hervor, die in Köln vorgestellt wurde. Die Steigerung der Doping-Fälle sei auf die Aufnahme von Cannabis auf die Liste der verbotenen Substanzen zurückzuführen, sagte der Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission (ADK) des deutschen Sports, Ulrich Haas. “Deshalb ist dieser Anstieg nicht ungewöhnlich”, resümierte er.

Unter den Radsportlern gab es mit 13 ertappten Athleten auch die mit Abstand meisten Sünder. Der Deutsche Bodybuilder- und Fitnessverband ließ nur noch 20 Kontrollen (1999: 51) vornehmen. “Für die Bodybuilder gibt es das Doping-Problem wohl nicht mehr”, meinte Wilhelm Schänzer als Chef des Kölner Instituts für Biochemie süffisant.

Sonderbar ist für seinen Kollegen Klaus Müller, der das Labor in Kreischa leitet, das mysteriöse Analyseergebnis im “Fall Lobinger”. Das Pariser Institut hatte zunächst in der A-Probe des Fürther Stabhochspringers Tim Lobinger einen unerlaubten Nandrolon-Metabolitwert von 2,9 Nanogramm pro Milliliter Urin (Limit 2,0) festgestellt, in der B-Probe aber einen Wert unterhalb der erlaubten Grenze. “Von weitem kann ich nicht beurteilen, wie so etwas kommen kann. Doch für eines unserer beiden Labors wäre so ein Ergebnis ein Desaster”, meinte Müller.

Nandrolon wird auch weiterhin ein heißes und umstrittenes Thema in der Doping-Diskussion bleiben. Eine neue Studie des baden-württembergischen Ministeriums für ländliche Räume muss eine Warnung für Athleten sein, die zu so genannten Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Von 139 Proben solcher Produkte enthielten 16 Präparate, die für Sportler verboten sind.

Um das Kontrollsystem weiter zu verbessern, hofft Haas, dass noch in diesem Jahr die angestrebte unabhängige Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) etabliert werden kann. “Wir haben die internationale Agentur WADA gefordert, nun müssen wir auch bei uns die Schularbeiten machen”, sagte Haas. Die Schaffung der NADA sei Voraussetzung dafür, dass man im internationalen Doping-Kampf zu den Einfluss nehmenden “Global Playern” gehört.

Quelle: ntv.de