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100-Meter-Schallmauer noch nicht geknackt Kann Bolt ohne Doping so schnell sein?

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Der schnellste Mann der Welt: Usain Bolt.

(Foto: REUTERS)

100-Meter-Sprintstar Tyson Gay hat gedopt. Seine beste Zeit in diesem Jahr liegt weit über dem Fabel-Weltrekord von Usain Bolt. Kann der schnellste Mann der Welt überhaupt sauber sein? Ja, sagt Sportwissenschaftler Joachim Mester.

Die letzten sieben Olympiasieger über die 100 Meter: vier von ihnen überführte Dopingsünder, einer unter starkem Verdacht. Die drei schnellsten Läufer über 100 Meter in diesem Jahr: zwei von ihnen wurden positiv getestet. Die zehn besten Sprinter aller Zeiten: Nur zwei von ihnen sind nie wegen Dopings gesperrt worden.

Unter ihnen auch der schnellste Mann der Welt, Usain Bolt. Mit 9,58 Sekunden hält er den Weltrekord. Sein härtester Konkurrent bei der WM in diesem Jahr sollte Tyson Gay werden. Der US-Amerikaner rannte im Juni 9,75 Sekunden. Gedopt. Ihm fehlten also immer noch 0,27 Sekunden auf den Weltrekord. Was die Frage aufwirft: Kann Usain Bolt ohne Doping so schnell sein? Kann ein Mensch überhaupt so schnell sein?

Professor Joachim Mester ist Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Leistungssport in Köln. Er lässt für Bolt die Unschuldsvermutung gelten. "Ich kann nicht belegen, dass er nicht sauber ist. Alles andere wäre wissenschaftlich nicht seriös." Immer wieder weisen auch Mesters Kollegen darauf hin, dass Bolts Körper alle Merkmale eines Ausnahmesprinter aufweist. Aber was macht einen Menschen schnell? "Er muss schnell reagieren, seine Muskelfasern müssen schnell sein, die Muskulatur spannungsfähig. Außerdem muss der Körper eines Sprinters viel Energie bereitstellen können", sagt Mester.

"Also vielleicht: 9,50"

Ein weiterer Faktor ist Bolts größter Vorteil: seine langen Beine, die auch noch relativ schlank sind. Bolts Körperschwerpunkt liegt sehr hoch, deswegen hat er eine enorme Schrittlänge. Die Geschwindigkeit eines Sprinters bemisst sich aus Schrittlänge mal Schrittfrequenz. Die ist bei Bolt nicht höher als bei anderen, deswegen liegt er auf den ersten 30 Metern meist nicht vorn. Aber: Wie alle Sprinter wird Bolt auf den letzten Metern langsamer, das aber später und nicht so deutlich wie seine Konkurrenten.

Die Frage, wie schnell ein Mensch überhaupt laufen kann, ist auch für Forscher wie Mester schwer zu beantworten. Es gibt drei Vorhersagemodelle. Einmal das biomechanische: Dabei messen die Wissenschaftler Länge und Gewicht von Armen und Beinen sowie die Leistungsfähigkeit von Muskeln und Sehnen. Zum Zweiten ein Stoffwechselmodell: Die Forscher untersuchen, wie viel Energie der Körper des Athleten bereitstellen und umsetzen kann. Außerdem gibt es den Weg über die Statistik, über die Berechnung von Trends. Es bleibt allerdings ein Problem: "Kein Modell kann genau vorhersagen, wie schnell ein Mensch laufen kann", sagt Mester. "Es gibt keine genau definierbare Schallmauer."

Was es allerdings gibt, das sind Annäherungen, Wahrscheinlichkeiten. "Es ist jedenfalls nicht möglich, dass einer 9,0 Sekunden auf 100 Meter rennt", sagt der Sportwissenschaftler Mester. Ein Blick auf die Zeiten im Sprint der letzten Jahrzehnte zeige, dass die Athleten immer schneller werden. Aber auch wenn Mester zögert, eine Zeit gibt es doch, die er für eine realistische Grenze hält: "Also vielleicht: 9,50."

Quelle: n-tv.de

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