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Handball-Weltmeister freigesprochen Kaputte Klingel erspart Kraus Dopingsperre

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"Beim Kontrollversäumnis am 20. November 2013 ist Michael Kraus kein Verschulden nachzuweisen", sagte DHB-Vizepräsidentin Matthies.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weil er 2013 einen Kontrolltermin nicht wahrnimmt, wird Handball-Weltmeister Michael Kraus des Dopings verdächtigt und erhält eine Sperre. Jetzt kommt die überraschende Wende: Kraus wird freigesprochen - wegen einer defekten Klingel.

Handballer Michael Kraus vom Bundesliga-Klub Frisch Auf Göppingen ist nach seinem Verstoß gegen die Anti-Doping-Richtlinien überraschend freigesprochen worden. Das gab die Anti-Doping-Kommission des Deutschen Handballbundes (DHB) nach einer nicht öffentlichen Sitzung bekannt.

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In Hamburg wartete der 30-Jährige das Ergebnis der Anti-Doping-Kommissionssitzung ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Entscheidung erfolgte einstimmig. Damit ist die am 21. Juli verhängte vorläufige Suspendierung des Nationalspielers und früheren Weltmeisters aufgehoben. Kraus ist somit am kommenden Wochenende wieder spielberechtigt und könnte vom neuen Bundestrainer Dagur Sigurdsson auch für die im Januar 2015 beginnende Weltmeisterschaft in Katar  nominiert werden.

"Beim Kontrollversäumnis am 20. November 2013 ist Michael Kraus kein Verschulden nachzuweisen. Damit gibt es keine Grundlage für eine Sperre", sagte Anja Matthies, DHB-Vizepräsidentin für Recht und Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission. Da ein Strafmaß für die Missed-Test-Regel nicht vom Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada vorgegeben wird, wurde der Fall Kraus in einem verbandsinternen Disziplinarverfahren verhandelt. Für Kraus sagte dessen Freundin als Entlastungszeugin aus.

Die Nada kann Einspruch gegen das Urteil des DHB einlegen. In nächster Instanz müsste das deutsche Sport-Schiedsgericht über den Fall entscheiden, danach bliebe noch der Weg vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas. "Die Nada wird nun die Urteilsbegründung der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Handballbundes abwarten, um diese in Zusammenarbeit mit der Wada eingehend zu prüfen und dann entscheiden, ob weitere Schritte eingeleitet werden", sagte Nada-Vorstand Lars Mortsiefer.

Kraus hat Klingel nicht gehört

Am 20. November 2013 hatte ein Nada-Kontrolleur Kraus nicht an seiner angegebenen Adresse angetroffen. Der Spielmacher sagte in der Anhörung aus, kein Klingelzeichen gehört zu haben. Der als Zeuge gehörte Kontrolleur habe in der Verhandlung nicht ausschließen können, dass die Klingel nicht funktionsfähig gewesen war, teilte der DHB mit. Der Kontrolleur habe ebenso wenig wie Kraus' Lebensgefährtin ein Klingelzeichen wahrgenommen. Zudem hätten die Gesamtumstände wie der Reihenhaus-Neubau mit zahlreichen noch laufenden Installationsarbeiten für Kraus gesprochen, hieß es.

Angesichts dieser Sachlage könne man dem 30-Jährigen kein Versäumnis vorwerfen. Als Nationalspieler zählt Kraus zum nationalen Testpool der Nada. Zu diesem Kreis gehörende Athleten sind verpflichtet, vor Beginn eines Quartals zum jeweils 25. des Monats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit in das Anti-Doping Administrations und Management System (Adams) einzugeben. Änderungen der Angaben sind unverzüglich anzuzeigen und in Adams zu aktualisieren.

Ist ein Athlet für eine Dopingkontrolle nicht am angegebenen Ort anzutreffen und auch nicht telefonisch zu erreichen, so kann dies als Meldepflicht- und Kontrollversäumnis gelten. Zuletzt war auch Volleyball-Nationalspieler Philipp Collin wegen eines ähnlichen Vergehens vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) suspendiert worden. Der 23 Jahre alte Mittelblocker verpasst damit auch die Weltmeisterschaft vom 30. August bis 21. September in Polen.

Quelle: ntv.de, bwe/sid