Sport
Sonntag, 02. September 2007

Saubere Leichtathletik-WM?: Kein Dopingfall in Osaka

Erstmals seit 20 Jahren sind Leichtathletik- Weltmeisterschaften ohne einen Doping-Fall zu Ende gegangen. "Dies ist erst einmal erfreulich. Es zeigt, dass die Wettkampf-Kontrollen abschreckende Wirkung haben", erklärte Helmut Digel, Councilmitglied im Weltverband IAAF, am Abschlusstag der WM in Osaka. Ein Indiz, dass trotz der rund 1000 Doping-Tests bei der 11. Auflage des drittgrößten Sportereignisses der Welt alles mit rechten Dingen zugegangen ist, sei dies nicht. "Wenn man so viele Kontrollen macht, dokumentiert es, dass wir eine andere Sportart sind", sagte der Tübinger Sportsoziologe mit Blick auf den im Doping-Sumpf steckenden Radsport, "doch es sagt nicht, dass Leichtathletik eine saubere ist."

Möglicherweise könnte die WM aber noch ein Doping-Nachspiel haben. Zumindest eine der 1060 bei 926 Athleten vorgenommenen Kontrollen erweckte Zweifel. "Sie wird noch einmal untersucht", erklärte IAAF- Präsident Lamine Diack, der betonte: "Die Glaubwürdigkeit unseres Sports hängt vom Anti-Doping-Kampf ab."

Im Millionenspiel um Antrittsgelder, Prämien und Preisgelder sind die illegalen Methoden, verbotenen Mittel und Einnahme-Strategien immer ausgefeilter geworden. "Die raffinierten Doping-Netzwerke und die darin eingesponnenen Topathleten wird man so nicht entlarven können", meinte Digel, der die Hilfe des Staates bei der Enttarnung und Bestrafung der Hintermänner für notwendig erachtet. "Wir brauchen aber auch dieses Schutzschild der qualitativ guten Kontrollen für die sauberen Athleten." Seit 1987 wurden bei den WM-Titelkämpfen 44 Doping-Sünder erwischt - 2001 in Edmonton (13) und 2003 in Paris (9) die meisten. Vor zwei Jahren in Helsinki waren es nur zwei Fälle.

"Wir sind nicht naiv. Kein positiver Test bedeutet nicht, dass kein Athlet Doping-Mittel genommen hat", sagte Gabriel Doll, Direktor der Anti-Doping-Abteilung der IAAF. Diese Annahme wird durch Sportler genährt, die bei der WM in Osaka plötzlich aus dem Nichts an die Spitze ihrer Disziplin kamen. "So lange es Athleten gibt, die sich verstecken und die ganze Saison keinen Leistungsnachweis haben, läuft der Verdacht mit", sagte Frank Hensel, Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und stellte fest: "Von diesen Athleten laufen hier einige rum."

Auffällig ist, dass Europas Leichtathletik-Führungsmacht Russland stark schwächelt. Vor der WM war die russische Hammerwurf- Weltrekordlerin Tatjana Lysenko positiv getestet worden. "Dann will man in Osaka nicht noch einen prominenten Fall. Da kann es einen Zusammenhang geben", mutmaßte DLV-Cheftrainer Jürgen Mallow, der anfügte: "Es gibt Indizien, dass in machen Teams mit hoher Wahrscheinlichkeit gedopt wird."

Doping-Experte Werner Franke blieb auch nach neun WM-Tagen in Nagai-Stadion ohne Bekanntgabe eines Doping-Fall bei der Behauptung, die WM sei die schmutzigste seit Beginn der 90er Jahre. Ein Grund, warum man niemandem etwas habe nachweisen können, sei die schlechte Organisation der Doping-Fahndung. "Sobald intelligente Kontrollen durchgeführt werden, wird immer was gefunden", meinte er im Deutschlandradio Kultur. So habe es eine Kontrolle vor der WM im Kaukasus bei den russischen Leichtathleten gegeben, bei denen zwei Hammerwerferinnen des Dopings überführt wurden. Franke: "Es werden in den nächsten Wochen noch viel kriminellere Dinge herauskommen".

IAAF-Experte Doll verweist darauf, dass von den jährlich durchgeführten 3000 Tests die meisten Zielkontrollen sind. "Die IAAF beobachtet zudem verstärkt die Leistungsentwicklung in seinen Mitgliedsverbänden und kann bei ungewöhnlichen Trends gezielt reagieren", berichtete Digel. Außerdem seien bei der WM von 500 Athleten Blutprofile erstellt und in die IAAF-Datenbank eingespeist worden, mit deren Hilfe Betrüger besser auf die Spur zu kommen ist.

Von Andreas Schirmer, dpa

Quelle: n-tv.de