Sport

"Der Lehmann von Porto" Manuel Neuer und sein Vorbild

Als sein großes Vorbild Jens Lehmann im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion im Mai 1997 den UEFA-Cup-Triumph sicherte, war Manuel Neuer gerade 11 Jahre alt. "Das habe ich damals noch als Schalke-Fan miterlebt", sagte Neuer nach dem Elfmeterkrimi von Porto. Dass der mittlerweile 21-Jährige fast zehn Jahre später für eine Art Schalker "Dj-vu" sorgen würde, konnte niemand ahnen. "Auf so ein Spiel habe ich lange gewartet. Ich habe einfach einen Super-Tag erwischt", sagte der Keeper, der nach seiner Weltklasseleistung aber einschränkte. "Das war zwar ein K.-o.-Spiel, aber noch kein Finale."

Gleichwohl sind die Parallelen zum Finale 1997 gegen Inter Mailand geradezu verblüffend. Nach einem 1:0 im Hinspiel gelang auch Inter damals kurz vor Ende der regulären Spielzeit das 1:0 und es ging in die Verlängerung. Schalke war wie in Porto in Überzahl. Im Elfmeterschießen durfte Schalke beginnen, übte Druck mit zwei verwandelten Strafstößen aus, ehe der jetzige Nationalkeeper Lehmann zum Helden wurde, als er einen Strafstoß hielt und Aaron Winter die Nerven versagten. Marc Wilmots setzte seinerzeit wie nun Jermaine Jones den Schlusspunkt. Endstand 4:1 - wie am Mittwochabend.

Damals kamen die Tipps zu den gegnerischen Schützen aus dem Laptop von Trainer Huub Stevens, heute profitiert Schalke von einer eigenen Datenbank. "Bei uns gibt es eine wöchentliche Update-Liste der Elfmeterschützen aus ganz Europa", verriet Trainer Mirko Slomka. "Dort hatten wir den einen oder anderen Schützen von Porto, aber natürlich nicht alle, verzeichnet. Und es hat sich gelohnt, dass wir im Training Elfmeter geübt haben."

Doch nicht nur bei den Strafstößen stellte Neuer, der die Versuche von Bruno Alves und Lisandro Lopez entschärfte, sein Können unter Beweis. "Manuel hat eine Weltklasse-Leistung gezeigt. Es war sensationell, wie er den Elfmeter von Lopez gehalten hat", lobte Manager Andreas Müller. Doch schon zuvor hatte das Torwarttalent mit zahlreichen Paraden dafür gesorgt, dass es überhaupt in die Verlängerung ging. Geradezu unglaublich, wie Neuer mit einer Luft- Fußabwehr in Handballtorwart-Manier einen Kopfball von Farias aus zwei Metern noch erwischte.

"Ich will meine Leistung gar nicht so herausstellen. Wir gewinnen und verlieren zusammen", sagte Neuer, dem in dieser Saison auch schon rund acht relativ schwere Fehler unterliefen. In Rostock verschuldete er mit einem missglückten Abwurf ein Gegentor, beim FC Chelsea wurde er "getunnelt", und gegen Stuttgart musste er einen Heber von da Silva passieren lassen. Vergeben und vergessen. "Wir wussten, dass Manuel einen super Tag hat und sicher ein oder zwei Elfmeter halten würde", meinte Jones. So wurde Neuer als "Lehmann von Porto" dafür belohnt, dass er in kritischen Saisonphasen die Nerven behielt und nicht grundsätzlich an sich zweifelte. Ein wenig Genugtuung war auch dabei: "Ich habe den Leuten gezeigt, dass nicht alles schlecht ist, was ich mache."

Ulli Brünger, dpa ub

Quelle: ntv.de

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