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Posse statt Coup Salzburg rudert zurück

Der erhoffte Coup mit Lothar Matthäus und Giovanni Trapattoni hat für Red Bull Salzburg mit einer Posse begonnen. Der österreichische Fußball-Bundesligist meldete die Verpflichtung des Duos am Freitag bereits als perfekt, musste dann aber einen Rückzieher machen. Der 67 Jahre alte Trapattoni als Teamchef und der deutsche Rekordnationalspieler Matthäus als Trainer an der Seite des Italieners sollen Kurt Jara ablösen, der nach Platz zwei in der Meisterschaft seinen Stuhl in Salzburg räumen musste.

Am Samstag dementierte zunächst Trapattoni die angebliche Einigung. "Dass ich bereits einen Vertrag unterschrieben habe, ist eine Nachricht, die absolut nicht stimmt", sagte er dem "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Daraufhin musste auch Clubchef Dietrich Mateschitz einräumen, dass noch nicht alles perfekt ist. "Es gibt zwischen uns und Herrn Trapattoni einen inhaltlichen Konsens sowie eine mündliche Vereinbarung", sagte er der Nachrichtenagentur APA. "Es ist jedoch richtig, dass die vertragliche Ausformulierung und Unterzeichnung aus Zeitgründen erst nächste Woche erfolgen wird."

Trap hält sich alles offen

Trapattoni bestätigte zwar das Angebot, hielt sich aber noch alle Möglichkeiten offen. "Eine Entscheidung von mir wird es frühestens in der nächsten Woche geben", sagte er. Dabei war in der Mitteilung des Vereins selbst der genaue Ort der angeblichen Unterzeichnung, der Hangar-7 des Flugzeugsammlers Mateschitz in Salzburg, genannt worden. Trapattoni wurde mit den Worten zitiert: "Ich komme nach Salzburg, um gemeinsam mit Red Bull etwas Großes entstehen zu lassen."

Etwas Großes in Salzburg aufzubauen, ist vor allem der Wunsch von Clubchef Mateschitz. Der Unternehmer und Milliardär, der 49 Prozent der Anteile am Getränkehersteller Red Bull hält, stieg im Sommer 2005 in großem Stil bei dem Salzburger Traditionsclub ein. Mit seinem Geld und dem sportlichen Knowhow von Berater Franz Beckenbauer soll der frühere SV Austria zu einer europäischen Spitzenadresse gemacht werden. Beckenbauer half bereits bei den Transfers der früheren Bayern-Spieler Alexander Zickler und Thomas Linke nach Salzburg.

Ausverkauf der Traditionen

Auch für Trapattoni und Matthäus läge die Messlatte hoch. "Das Erreichen des Meistertitels muss für jeden ambitionierten Club das Ziel sein, so auch für uns", sagte Mateschitz, der langfristig mit dem Duo zu planen scheint. "Für den Einzug in die Champions League ist zuerst viel Arbeit und Kontinuität erforderlich, vor allem um sich in dieser dann auch zu behaupten. Eine derartige Mannschaft aufzubauen und zu formen wird sicherlich einige Jahre dauern."

Ob Mateschitz diese Geduld allerdings tatsächlich aufbringt, ist offen. Viele Fans beäugen dessen Wirken bereits seit längerem mit Misstrauen. Vor allem der Wechsel von den Vereinsfarben Violett-Weiß zu den Red-Bull-Farben Rot-Weiß aus Marketing-Gründen verstörte die Anhänger, die dem Club einen Ausverkauf der Tradition vorwerfen.

Quelle: ntv.de