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Deutscher Titelrekord im Turnen Seitz krönt sich zur Mehrkampf-Königin

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Elisabeth Seitz' Paradegerät ist der Stufenbarren. Auch bei den Deutschen Meisterschaften zeigt sie eine glänzende Übung.

(Foto: imago/Cronos)

Ihr Paradegerät ist der Stufenbarren, aber Elisabeth Seitz beherrscht auch die anderen Geräte des Turn-Mehrkampfs. So perfekt, dass die Stuttgarterin jetzt bereits zum sechsten Mal deutsche Meisterin wird - mit erst 23 Jahren.

Elisabeth Seitz winkte freudestrahlend ins Publikum und konnte ihr Glück kaum fassen: Trotz Trainingsrückstands hat die Stuttgarterin beim Internationalen Deutschen Turnfest in Berlin ihren sechsten nationalen Titel im Mehrkampf gewonnen, als erste deutsche Turnerin überhaupt.

Die 23-jährige Seitz setzte sich vor knapp 7000 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle mit 54,00 Punkten hauchdünn vor Pauline Schäfer aus Chemnitz (53,90) und der Stuttgarterin Kim Bui mit 53,45 Zählern durch. Da musste auch Fabian Hambüchen, getarnt durch ein tief in die Stirn gezogenes schwarzes Basecap, Beifall zollen.

"Es ist unfassbar: Erst gestern Abend habe ich entschieden, hier überhaupt im Mehrkampf zu starten. Und heute bin ich Rekordmeisterin. Und das hier, wo ich 2011 Vize-Europameisterin wurde und 2010 schon viermal Meisterin war", sagte Seitz und wusste gar nicht, wie sie ihrer Freude Ausdruck verleihen sollte. "Das Geschrei, dieser Jubel - am liebsten wäre ich gar nicht mehr von der Bodenfläche gegangen. Einfach gigantisch, diese Stimmung", sagte sie.

"Die Atmosphäre war grandios"

Vom ersten Gerät an lieferten Seitz, Schäfer und Bui einen spannenden Dreikampf an der Spitze. Nach dem Sprung übernahm Bui, EM-Fünfte im Mehrkampf, die Führung. Am Stufenbarren schlug die Olympia-Vierte Seitz zurück und zog im Zwischenklassement an ihrer Vereinskollegin vorbei. Eine Vorentscheidung fiel jedoch am Schwebebalken. Während Seitz nahezu fehlerfrei über das Zittergerät kam, leistete sich Bui zwei Wackler und war sichtlich unzufrieden mit sich. Schäfer holte mit ihrem Schäfer-Salto auf. "Am Boden habe ich nicht alles abrufen können. Dabei wäre bei diesem knappen Ausgang jedes Zehntel wichtig gewesen", sagte die Chemnitzerin anschließend.

Alle drei profitierten aber auch von zwei prominenten Absagen für die nationalen Titelkämpfe. Titelverteidigerin Sophie Scheder aus Chemnitz war in der Arena nur im Fernseheinsatz, die Olympia-Dritte am Stufenbarren leidet noch an den Folgen einer Knieoperation. Weltcup-Gesamtsiegerin Tabea Alt aus Ludwigsburg hat eine Wettkampfpause eingelegt, um ihre schulische Entwicklung voranzutreiben.

Bundestrainerin Ulla Koch war vom spannenden Wettkampfverlauf begeistert. "Die Atmosphäre war grandios. Es ist toll, dass mehrere Mädchen von der Leistung her so nahe beieinander liegen. Die WM 2019 in Stuttgart motiviert alle", sagte die DTB-Teamchefin.

Quelle: ntv.de, Andreas Frank, sid