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Der Kampf um Rothenbaum Stich glaubt ans Überleben

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Tunierdirektor und Frauenschwarm Michael Stich hofft auf Unterstützung der Zuschauer.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Gegen Regen hilft das teure Dach, gegen die Probleme Michael Stichs Optimismus. Der Direktor des Traditionsturniers am Hamburger Rothenaum rechnet zumindest mit einer "schwarzen Null". Und in den kommenden Jahren soll es bergauf gehen.

Dunkle Wolken können dem Rothenbaum nichts anhaben. Selbst Regen stoppt die Spiele nicht, wenn von Montag an die weltweiten Tennis-Asse für eine Woche in Hamburg aufschlagen. Doch das teure Dach über dem herausgeputzten Center Court kann die in finanzieller Not steckende Traditions-Veranstaltung nicht vor einem drohenden Aus beschützen. "Nun sind auch die Zuschauer gefragt. Sie müssen das Turnier annehmen und mit ihrem Kommen unterstützen", sagte Michael Stich, der als Turnierdirektor und Teilhaber der veranstaltenden "Hamburg Sport & Entertainment GmbH" gleich in doppelter Funktion in der Pflicht steht.

Den Kampf um die Zukunft des Rothenbaum-Turniers schien der Wimbledonsieger schon verloren zu haben, noch ehe Profis wie French-Open-Finalist Robin Söderling oder die Davis-Cup-Spieler Fernando Verdasco und Philipp Kohlschreiber erstmals zum Schläger greifen. Die Stadt revidierte ihre Zusage und stoppte die Zahlung der eingeplanten 200.000 Euro. Verprellt war auch der österreichische Titelsponsor, dem die Gerichte das Werben für seine Internet-Wetten untersagten. "Stich hat sich verzockt", titelten die Zeitungen der Hansestadt.

50.000 Zuschauer als "magische Grenze"

"Das war totaler Blödsinn", erklärte der Rothenbaum-Chef. Nachdem der Titelsponsor nicht mehr wirbt und trotzdem wie versprochen zahlt, lässt sich auch die Stadt nicht länger bitten und hat den Zuschuss freigegeben. "Wir zahlen deutlich mehr als 250.000 Euro", erklärte Claus Retschitzegger, der Sprecher des Hauptsponsors ("bet-at-home"). Doch das zusammen sind nur 450.000 plus "x" Euro des auf 3,2 Millionen Euro bezifferten Etats.

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Trotz herausgeputztem Centre Court: Das Traditionsturnier steckt in finanziellen Nöten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Trotz allem rechnet Stich mit einer "schwarzen Null", wenn Soll und Haben gegenübergestellt werden. Dann soll es in den kommenden beiden Jahren bergauf gehen mit dem Rothenbaum. "Wir haben einen Dreijahresvertrag", verriet Stich, ohne weitere Details aus dem Kontrakt mit dem finanziell klammen Deutschen Tennis Bund (DTB) preiszugeben. 50.000 Zuschauer hat Stich als "magische Grenze" ausgegeben. Von da an könnte sogar wieder Geld verdient werden.

Vom Boom ist nichts geblieben

Das war am Rothenbaum seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr möglich. Selbst der Einstieg der Scheichs aus Katar hat die leeren Kassen nicht gefüllt. Das heiße Interesse der "Wüstensöhne" am Tennis ist erkaltet, auch wenn DTB-Präsident Georg von Waldenfels betont: "Die Katarer sind nach wie vor unsere Partner." Seite an Seite kämpfen beide noch immer darum, die Verbannung des Rothenbaum durch die ATP in die zweite Turnier-Kategorie rückgängig zu machen. Es geht auch um Tausende von Dollar, die der Prozess vor einem US-Gericht gekostet hat. Die Entscheidung wird frühestens im Herbst erwartet.

Dass der Rothenbaum den DTB noch einmal an den Rand der Insolvenz treiben könnte, bestreitet von Waldenfels: "Das sind Schlagworte, die nicht der Realität entsprechen." Doch die Katarer würden lieber heute als morgen aussteigen, wie die dpa erfahren hat. Ohne die Petrodollar vom Persischen Golf aber sieht es düster aus für den einst steinreichen Verband, dem aus den von Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich ausgelösten Boom-Jahren nichts geblieben ist.

Das seit jener Zeit nicht sorgenfreie Verhältnis zum Senat konnten weder Stich, der einst sogar als Sportsenator unter Ole von Beust im Gespräch war, noch der versierte Taktiker von Waldenfels kitten. Obwohl ihm als ehemaligem bayerischen Finanzminister die Spielregeln durchaus geläufig sind. "Die Politik muss sich erklären", sagte von Waldenfels. Damit der Rothenbaum überleben kann, braucht es Zuschauer, Sponsoren und auch ein klares Bekenntnis der Stadt.

Quelle: ntv.de, Von Andreas Bellinger und Wolfgang Müller, dpa