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Taylor triumphiert beim Darts "The Power" setzt Berlin unter Strom

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"The Power" hochkonzentriert im Halbfinale der German Darts Masters 2014.

(Foto: Fabian Maysenhölder)

Zwei Typen werfen Pfeile und hunderte feiern. Das ist die Kurzform der "German Darts Masters" - einem hochdotierten Turnier, bei dem die Weltspitze antritt. Wer denkt, nur Briten könnten sich dafür begeistern, der irrt. Gewaltig.

Als Weltmeister Michael van Gerwen gegen die Darts-Legende Phil "The Power" Taylor vor dem Kork steht, jubeln die Panzerknacker. Mit ihnen tanzen und johlen rosa Osterhasen, Superhelden, der "Dartclub Biethe West" - und 1500 andere Zuschauer, die an diesem Ostermontagabend im Berliner Maritim-Hotel das Finale der "German Darts Masters 2014" verfolgen. Abwechselnd peitschen sich die Fans mit Sprechgesängen hoch, um ihren jeweiligen Favoriten zu unterstützen. Doch nur um anschließend ihre Rivalität zu vergessen, gemeinsam von den Stühlen aufzuspringen und aus voller Kehle "Stand up, if you love the Darts!" zu grölen.

Wer glaubt, nur die Engländer bei der alljährlichen WM im Londoner "Ally Pally" könnten sich für zwei stämmige Typen begeistern, die Pfeile auf eine pizzagroße Scheibe werfen, der täuscht sich. Darts ist - ohne dass es jemand gemerkt hätte - auch in Deutschland zum Event geworden. Die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt, die Party in vollem Gange. Und das nicht erst am Abend des großen Finales. Drei Tage lang waren die "German Darts Masters" vor allem eines: Weltklasse-Darts vor ausverkauftem Haus.

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Pfeile, Bier und gute Laune: Die Panzerknacker sind Darts-Fans.

(Foto: Fabian Maysenhölder)

Das lag nicht zuletzt daran, dass die besten Spieler der Welt in der Bundeshauptstadt auf der Bühne standen. Die ersten zehn der Weltrangliste waren - bis auf eine Ausnahme, James Wade - anwesend. Schon im Vorfeld war also klar, dass bei dem Turnier hochklassige Partien zu erwarten sind. Und die gab es dann auch. Allerdings mit Überraschungen. Einige Top-Spieler mussten sich früh verabschieden: Der fünffache Weltmeister Raymond van Barneveld scheiterte bereits in Runde eins. "Snakebite", Andy Hamilton, Mervyn King und Robert Thornton folgten ihm bereits in der nächsten Runde.

Ärgerlich ist das vor allem für diejenigen, die eine weite Anreise hatten. Schon lange geht es beim Darts-Sport finanziell nicht mehr nur um Peanuts. Bei den "German Darts Masters" werden insgesamt 100.000 Pfund ausgeschüttet. 20.000 davon bekommt der Sieger. Dass man von dem Sport inzwischen gut leben kann, zeigt ein Blick auf die "Order of Merit", die Verdienstliste der Spieler:  Weltmeister van Gerwen, 24 Jahre alt, hat in den letzten zwei Jahren mehr als 800.000 Pfund durch das Werfen von Pfeilen verdient.

Deutsche zu schwach für die Weltspitze

Das deutsche Feld dünnte sich in Berlin - trotz des spürbaren Heimvorteils im Publikum - schnell aus. Bester Deutscher war Jyhan Artut, der aber in Runde zwei gegen Weltmeister van Gerwen am Sonntag chancenlos blieb. Überraschend gut in Form war der "Highlander" John Henderson, der nicht nur Vize-Weltmeister Peter Wright, sondern auch Weltranglisten-Vierten "The Wizard" überrollte. Gegen Adrian Lewis konnte er sich im Viertelfinale aber nicht durchsetzen.

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Freut sich: Phil Taylor.

(Foto: Fabian Maysenhölder)

Die Halbfinals standen beispielhaft für die spielerische Qualität des gesamten Turniers. Neben BDO-Weltmeister Stephen Bunting waren noch die ersten drei der Weltrangliste in die vorletzte Runde eingezogen - Michael van Gerwen, Phil Taylor und Adrian Lewis. Präzise Würfe und hohe Finishes zeigten: Die Spieler genossen es sichtlich, vor dem deutschen Publikum zu spielen. Die Sympathien der Fans waren dabei klar verteilt. Während sich im Publikum zwar auch vereinzelt Fans von Bunting und Lewis fanden, stand die breite Masse hinter Taylor und van Gerwen. Zu verlockend war die Aussicht auf ein Generationenduell der beiden Top-Stars.

Und so sollte es dann auch kommen - die "German Darts Masters" boten das Traumfinale schlechthin. Dazu kam, dass Phil Taylor mit dem jungen Niederländer ohnehin ein Hühnchen zu rupfen hatte. Denn der ließ die 53-jährige Dartslegende am ersten Spieltag der Premier League mit 7:0 ganz schön alt aussehen.

Das Finale bot dann auch Darts auf höchstem Niveau. Während Panzerknacker, Osterhasen und Superhelden um die Wette für ihren Favoriten schrien, machte "The Power" das, was er am besten kann: auf Durchzug schalten und Pfeile werfen. Van Gerwen, in den vorherigen Partien in Top-Form, fand sein Spiel anfangs nicht. Als er es dann tat, war es zu spät. Mit einem Break beendete Taylor das nervenaufreibende Match zum 6:4-Endstand. "Stand up, if you love the Darts" sang nun niemand mehr - denn inzwischen hielt es sowieso keinen mehr auf seinem Sitz. Durch die Halle schmetterte nur noch "There's only one Phil Taylor!". Immer und immer wieder.

Quelle: n-tv.de