Sport

97 Meter und kein Ende in Sicht Vetter wirft fast zu weit für diese Welt

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Wie weit denn noch, Johannes Vetter?

(Foto: imago images/Chai v.d. Laage)

100 Meter gelten im Speerwurf eigentlich als unerreichbar. Als sie letztmals übertroffen wurden, änderte der Leichtathletik-Weltverband sogar die Regeln, damit das nicht mehr passiert. Johannes Vetter kommt dieser Marke mit einem unfassbaren Wurf gefährlich nahe - und hat nicht vor, es dabei zu belassen.

Ein, "höchstens zwei Bierchen" gönnte sich Johannes Vetter nach seinem Wurf in die Geschichtsbücher, doch schon kurz danach widmete sich Deutschlands Speerwurf-Star wieder voll und ganz der Weltrekord-Hatz. "Viele Leute haben daran gezweifelt, dass es möglich ist, in einem geschlossenen Stadion einen Speer über 95 Meter weit zu werfen. Ich habe es geschafft, und ich glaube, es gibt noch viel Raum für Verbesserungen", sagte Vetter. "Winzige Unterschiede" könnten schließlich viele Meter ausmachen.

Die fulminanten 97,76 Meter vom Sonntag? Die zweitbeste je mit neuem Speer geworfene Weite? Der pulverisierte deutsche Rekord? Alles längst abgehakt. So klang es zumindest. Tatsächlich ging es für Vetter schon über München im Flieger nach Berlin. Und von dort weiter nach Dessau-Roßlau, wo am Dienstag die nächste Flugshow ansteht. Natürlich hoffe er auf den ersten Wurf eines Menschen über die magische 100-Meter-Marke mit dem seit April 1986 zugelassenen Speer, sagte Vetter, aber er "habe keine Glaskugel und weiß nicht, wohin die Reise noch gehen kann".

Damals, vor mehr als 30 Jahren, musste der Weltverband reagieren, weil die Athleten schlicht gefährlich weit warfen. Bei 104,80 Meter stand der Weltrekord von Uwe Hohn - ein, zwei Meter weiter und die Rasenfläche hätte nicht ausgereicht. Die Stadien waren zu klein geworden für die Speerwerfer, weshalb die Regelhüter den Schwerpunkt des 800 Gramm schweren Sportgerätes nach vorne verlegten und die Würfe in der Folge mindestens zehn Meter kürzer wurden.

Bestleistung um über drei Meter gesteigert

Was momentan möglich ist, zumindest für Vetter, demonstrierte der Weltmeister von 2017 am Sonntag beim Meeting im polnischen Chorzow eindrucksvoll. Im dritten Durchgang schleuderte Vetter den Speer bis auf 72 Zentimeter an den Weltrekord von Ikone Jan Zelezny vom 25. Mai 1996 heran - ein Paukenschlag, der in der Szene für ungläubiges Kopfschütteln sorgte. Zelezny galt als Ausreißer nach oben, niemand außer ihm hatte zuvor die 95 Meter übertroffen. "Das war eine unglaubliche Leistung von Johannes", sagte Bundestrainer Boris Obergföll, der auch Vetters Heimtrainer ist. Sein Schützling, lobte der Coach, werfe "momentan in seiner eigenen Sphäre".

Fakt ist: Vetter befindet sich momentan in der Form seines Lebens. Schon vor knapp zwei Wochen hatte er an gleicher Stelle in Polen zweimal die 90-Meter-Marke geknackt. Erst Anfang August hatte er zudem im finnischen Turku mit 91,49 Metern die bisherige Weltjahresbestleistung aufgestellt. Der Traum vom Heiligen Gral der Speerwerfer, dem Wurf über 100 Meter, lebt. Seit Sonntag erst recht. Vetter übertraf seinen eigenen, drei Jahre alten deutschen Rekord von 94,44 Metern gleich um 3,32 Meter.

Dabei waren die Verhältnisse nicht einmal optimal. Wenn er ähnliche Bedingungen gehabt hätte wie Zelezny vor mehr als 24 Jahren in Jena, sagte Vetter, "wäre der Speer sicherlich dreistellig geflogen". Zeleznys seitdem bestehender Weltrekord liegt bei 98,48 Metern. Die nächste Chance auf eine neue Bestweite bietet sich für den Olympia-Vierten nun bei zwei Heimspielen: Schon am Dienstagabend wirft er in Sachsen-Anhalt, am kommenden Sonntag ist Vetter dann beim Istaf in Berlin dabei. Der Weltrekord wackelt.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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