Sport

"Wake-up-Call" ohne Happy End WM-Favorit USA ernüchtert DEB-Team spät

94573591246ecb3c99dffa38c1807f19.jpg

Das deutsche Team um Top-Star Leon Draisaitl lieferte den USA einen harten Kampf - verlor ihn aber knapp.

(Foto: REUTERS)

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft kassiert gegen die USA die zweite WM-Niederlage binnen 24 Stunden. Einen Tag nach der herben Klatsche gegen Kanada spielt Deutschland aber stark verbessert. Ein Tor des Kölners Frederik Tiffels reicht nicht zum fünften Sieg im sechsten Vorrundenspiel.

Der Weckruf wirkte: 24 Stunden nach dem Debakel gegen Kanada drängte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft mit einer deutlichen Leistungssteigerung den WM-Mitfavoriten USA an den Rand einer Niederlage. Das Team um den NHL-Star Leon Draisaitl verlor zwar 1:3 (1:1, 0:0, 0:2), rehabilitierte sich aber für die 1:8-Pleite am Tag zuvor. Das zweite Turniertor des Kölners Frederik Tiffels (12.) reichte vor 6293 Zuschauern in der Steel Arena in Kosice allerdings nicht zum Sieg. Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) rutschte nach Gegentreffern von James van Riemsdyk (14.), Dylan Larkin (51.) und Jack Eichel (57.) in der Gruppe A auf den vierten Tabellenplatz ab. Damit droht im Viertelfinale ein Duell mit dem Rekordweltmeister und Olympiasieger Russland um den NHL-Superstar Alexander Owetschkin. Letzter Vorrundengegner ist am Dienstag (12.15 Uhr bei Sport1) Finnland.

"Ich hoffe, dass es der Wake-up-Call war, den wir jetzt brauchen", hatte Kapitän Moritz Müller nach der Klatsche gegen die kanadische NHL-Auswahl gesagt. Der Wecker klingelte - die Mannschaft von Bundestrainer Toni Söderholm hörte ihn und begann deutlich aggressiver und zweikampfstärker. Die slowakischen Fans feuerten sie mit "Deutschland, Deutschland"-Rufen an und jubelten beim Führungstor durch Tiffels. Nur bei einem deutschen Sieg hätte der Gastgeber noch eine Chance auf die K.o.-Runde gehabt. Beim Ausgleich war der starke Düsseldorfer Mathias Niederberger, der ins Tor zurückgekehrt war, machtlos. Erneut fehlten NHL-Goalie Philipp Grubauer (muskuläre Probleme) und Youngster Moritz Seider (Gehirnerschütterung). Pech hatte der Mannheimer Matthias Plachta mit einem Lattenschuss (22.). Der US-Collegespieler Marc Michaelis scheiterte mit einem Alleingang (34.). Auch im Schlussdrittel hielt das deutsche Team das Spiel lange offen.

Tags zuvor waren Draisaitl und Co. nach dem Höhenflug der ersten Woche böse abgestürzt. Ohne Kampfgeist, ohne taktische Disziplin, ohne Zug zum Tor ergaben sie sich in ihr Schicksal. Von den Tugenden aus den ersten Spielen war nichts mehr zu sehen. "Wir müssen ehrlich zueinander sein", mahnte Müller, "wir haben nicht genug investiert." Söderholm hatte sich schützend vor seine Mannschaft gestellt und die Schuld auf sich genommen. Er habe sie "schlecht vorbereitet", sagte der Nachfolger von Marco Sturm. Auf die Frage, was sich ändern müsse, antwortete der Finne kurz und knapp: "Alles." Mit der vorzeitigen Viertelfinalteilnahme hatte die DEB-Auswahl, die erstmals seit 1930 mit vier Siegen in die WM gestartet war, auch die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2022 perfekt gemacht. "Das ist ein riesiger Meilenstein", sagte DEB-Präsident Franz Reindl, "und bringt Planungssicherheit".

Quelle: n-tv.de, tno/sid