Sport

Pantanis Brief und Crack Wachsende Zweifel an Suizid

Das auf der Trauerfeier zitierte Schreiben des verstorbenen Radprofis Marco Pantani ist mindestens zwei Monate alt. Diese Tatsache und auch der Inhalt der in seinen Reisepass geschriebenen Zeilen widerspricht dem Eindruck eines "Abschiedsbriefes ". Pantani sieht sich in diesem Schreiben in erster Linie als Opfer der Doping-Ermittler.

Das italienische Sport-Idol war am Samstag tot in einem Hotelzimmer in Rimini gefunden und am Mittwoch in seiner Heimatstadt Cesenatico unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen worden. Die genaue Todesursache soll Anfang März feststehen, wenn die Untersuchungen der verschiedenen bei Pantani gefunden Substanzen, darunter auch Kokain, abgeschlossen sind. "Ich glaube immer weniger an einen Selbstmord ", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Paolo Gengarelli.

Cracksüchtig

Nach Angaben der italienischen Wochenzeitung "Panorama" hat Pantani in den vergangenen Monaten regelmäßig Crack - chemisch verlängertes Kokain - konsumiert. Dieses ist wegen seiner schwer belastenden Effekte auf das Herz-Kreislauf-System bekannt. Der "Pirat" habe seit Monaten nicht mehr schlafen können, seine Eltern hätten verzweifelte Versuche unternommen, ihren Sohn aus der Drogenabhängigkeit zu befreien.

Die Zeitschrift bezieht sich auf Aussagen eines Arztes, der ein Freund der Familie ist und seit Jahren mit einer Entzugsanstalt zusammenarbeitet. "Ich habe Marco auf Bitten der Eltern untersucht und ihm im Detail die schädlichen Auswirkungen des Cracks erklärt, leider ohne Erfolg", sagte der Mediziner. Mit Pantanis Vater habe er im Januar einen Platz in Trient gefunden, wo Drogenabhängige in einem familiären Kreis behandelt werden. Der 34-Jährige habe jedoch jede Therapie verweigert.

Langzeitkonsum von Crack greift das Gehirn und die Lunge an, es kommt zu Schlaflosigkeit, Depressionen, Halluzinationen und Verfolgungswahn. Die Persönlichkeit der Süchtigen verändert sich nachhaltig. Die schnelle und heftige Wirkung von Crack kann auch tödliche Folgen haben, auf Herz- und Kreislaufstörungen folgt oft ein Infarkt.

"Er traf immer weiter diese verdammten Leute"

Nach Angaben der "Gazzetta dello Sport" hat ein enger Freund Pantanis bei Staatsanwalt Gengarelli zum Thema Kokainsucht ausgesagt: "Ich habe das Zeug einmal bei ihm gefunden und weggeworfen. Aber er hat immer weiter diese verdammten Leute getroffen. Es gab keine Möglichkeit, ihn davon abzubringen. Er rief die Dealer übers Handy an, und sofort kam jemand und holte sich das Geld ab. Alles hat mit Madonna di Campiglio 1999 angefangen. Dieser Schlag war zu groß für ihn".

Am Vortag des Giro-Finales 1999 war Pantani in den Alpen im Rosa Trikot wegen Doping-Verdachts disqualifiziert worden.

Quelle: ntv.de