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Doping-Liste zur Tour 1998 Zabel und Ullrich stehen unter Verdacht

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Ullrich und Zabel hatten Epo-Doping immer abgestritten.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Vergangenheit holt Jan Ullrich und Erik Zabel ein: Die deutschen Radstars sollen bei der Tour 1998 gedopt gewesen sein. Das meldet die "Le Monde". Die Liste der Dopingsünder wird heute in Frankreich vorgestellt. Die Fahrer wehren sich gegen die Veröffentlichung.

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Zweifel begleiteten das Gelbe Trikot und Christopher Froome nach Paris.

(Foto: AP)

Natürlich waren da Zweifel, als Christopher Froome und sein Sky-Team auf der ersten Bergetappe der 100. Tour de France die Konkurrenz in Grund und Boden radelten. Sie begleiteten ihn bis nach Paris, wo er sich am Sonntagabend zum zweiten britischen Sieger der Tour-Geschichte krönte. Doch der Radsport, dessen größter Held Lance Armstrong kürzlich als größter Doper der Sportgeschichte entlarvt wurde, hat sich seit Jahrzehnten mit den Zweifeln arrangiert. Während der dreieinhalb Wochen der Jubiläums-Tour wurden sie weggejubelt. Dass kein aktueller Dopingfall vermeldet wurde, trug zu einer fast trügerischen Ruhe bei.

Doch die Vergangenheit holt die Radler ein. Noch vor der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts der Anti-Doping-Kommission des Senats kursieren Namen von Fahrern, die bei der Tour de France 1998 mit Epo gedopt haben sollen. Darunter: Jan Ullrich und Erik Zabel. Das meldet zumindest die in Dopingfragen gewöhnlich gut informierte französische Zeitung "Le Monde". Insgesamt sollen 57 Fahrer auf der Liste stehen.

Ullrich und Zabel schweigen

Sollten die Vorwürfe stimmen, würden sie Ullrich und Zabel erneut in Bedrängnis bringen, denn beide haben derlei Verfehlungen bislang nicht zugegeben. Ullrich, 1997 einziger deutscher Tour-Sieger, hatte sich vor einem Monat zwar erstmals dazu bekannt, gedopt zu haben. Er behauptete aber, lediglich Eigenblutdoping betrieben zu haben. Zabel hatte schon am 24. Mai 2007 gemeinsam mit Rolf Aldag in Bonn ein Doping-Geständnis abgelegt. Er erklärte damals aber, während der Tour 1996, zwei Jahre vor dem nun fraglichen Zeitraum, "einmalig" Epo genommen zu haben. Er habe das Mittel nicht vertragen und deshalb wieder abgesetzt. Ullrich und Zabel schweigen bislang zu den Vorwürfen.

Top-Sprinter Zabel hatte 1998 sein drittes von insgesamt sechs Grünen Trikots gewonnen. Ullrich hatte sich damals ein Jahr nach seinem Sieg Marco Pantani geschlagen geben müssen. Auch der 2004 verstorbene Italiener soll nun auf der Liste stehen, ebenso wie der damals Drittplatzierte US-Amerikaner Bobby Julich.

Dass das Blutdopingmittel Epo angesichts der noch nicht vorhandenen Testverfahren zu der Zeit flächendeckend im Einsatz war, dürfte kaum mehr für Aufsehen sorgen. Die Aufregung in der Branche ist dennoch groß, weil der Bericht womöglich Überraschungen bereithält. "Eventuell trifft es sogar noch aktive Fahrer", sagte Ex-Profi Jörg Jaksche, der 2007 Doping gestanden hatte: "Wenn die Zahlen, die man so hört, stimmen, ist die Wahrscheinlichkeit groß." Der Deutsche Jens Voigt, der jegliches Doping konsequent abstreitet, und der Australier Stuart O'Grady waren die einzigen Tour-Teilnehmer 2013, die schon bei der Skandaltour 1998 dabei waren. O'Grady erklärte seine Karriere einen Tag nach der Frankreich-Rundfahrt für beendet.

Radprofis wollen Namen geheim halten

Die Vereinigung der Radprofis CPA sprach sich bereits gegen die Veröffentlichung der Namen aus. Und die Eltern des 2004 gestorbenen Marco Pantani protestierten vorsorglich beim Radsport-Weltverband UCI. Der italienische Kletterkönig, später als Dopingsünder überführt, hatte die Skandal-Tour 1998 vor Jan Ullrich gewonnen. Bei einem Rennen, das vor 15 Jahren am Abgrund stand. Der Festina-Skandal, bei dem Teambetreuer Willy Voet mit rund 400 Ampullen Epo und anderen Dopingpräparaten aufgeflogen war, hatte Polizeiverhöre und Razzien ausgelöst. Viele Teams traten die Flucht an. Nur 14 von 21 Mannschaften erreichten noch Paris.

Tests auf Epo hatte es zu dieser Zeit noch nicht gegeben. So waren die Kontrollen von 1998 erst 2004 in Nachtests analysiert worden - mit dem wohl zu erwartenden Ergebnis. Seit dem 14. März dieses Jahres hatte die Anti-Doping-Kommission unter dem Vorsitzenden Jean-Francois Humbert insgesamt 84 Personen befragt. Dazu zählte auch der frühere französische Rad-Weltmeister Laurent Jalabert. Kurz vor dem Tour-Start hatte die französische Sporttageszeitung "L'Équipe" berichtet, dass in Jalaberts Dopingprobe vom 22. Juli 1998 Epo nachgewiesen worden war. Der in Frankreich äußerst beliebte "Jaja" merkte an, dass er womöglich unbewusst von den Teamärzten gedopt worden sei und verzichtete zugleich auf seine Experten-Tätigkeit bei der Tour.

Sportartübergreifende Ermittlungen

Es wurden aber nicht nur Radprofis befragt, auch der heutige französische Fußball-Nationaltrainer Didier Deschamps wurde vor dem Gremium vorstellig. Der Kapitän der französischen Weltmeister-Mannschaft 1998 war von 1994 bis 1999 auch Spieler des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin. In dieser Zeit war bei Juve systematisch das Blutdopingmittel Epo zum Einsatz gekommen.

Sportrechtliche Konsequenzen dürfte der Bericht, der ursprünglich am 18. Juli veröffentlicht werden sollte, mit Blick auf die Königsetappe der Tour an diesem Tag aber wieder verschoben worden war, kaum haben. Zumal auch Analysen der B-Probe nicht mehr herangezogen werden können. So schloss UCI-Präsident Pat McQuaid eine erneute Umschreibung der Tour-Siegerlisten aus. Er weiß: Die Zweifel würde auch das nicht vertreiben.

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa/sid

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