Fußball-EM

Krawalle in Lille Deutsche Hooligans randalieren vor EM-Spiel

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Traurige Szenen auch in Lille: Stühle fliegen durch die Luft.

(Foto: Twitter/Sebastian Weiermann)

Mehr als 50 deutsche Hooligans greifen vor dem EM-Auftakt des DFB-Teams gegen die Ukraine in Lille gegnerische Fans an. Vor Straßencafés fliegen Flaschen, Stühle und Rauchbomben. Auch rechtsradikale Parolen sollen skandiert worden sein.

Im Vorfeld des deutschen Auftaktspiels bei der Fußball-Europameisterschaft gegen die Ukraine ist es zu Ausschreitungen im Stadtzentrum von Lille gekommen. Mehr als 50 deutsche Hooligans griffen dabei gegen 17.30 Uhr in der Nähe des Bahnhofs ukrainische Fans an. Das bestätigte Volker Goll, stellvertretender Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS).

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"Die französische Polizei hat sehr spät eingegriffen", sagte Goll. Die KOS begleitet die deutschen Fans in Frankreich. Die deutsche Polizeidelegation, die mit acht szenekundigen Beamten vor Ort ist, sagte, dass die Situation nicht ansatzweise mit den jüngsten Ausschreitungen in Marseille vergleichbar sei. Dort hatten in den vergangenen Tagen immer wieder russische und englische Hooligans für Jagdszenen gesorgt, ein Engländer schwebt nach den Vorfällen in Lebensgefahr.

In Lille flogen nach Augenzeugenberichten vor den Straßencafés Flaschen, Stühle und Rauchbomben. Auch rechtsradikale Parolen sollen skandiert worden sein, zudem wurde eine Reichskriegsflagge gezeigt. 150 polizeibekannte Gewalttäter aus Deutschland sollen sich in Lille befinden. Auch ein Reporter des TV-Senders Sport1 wurde von zwei Krawallmachern attackiert und bekam einen Schlag in die Rippen.

Noch bis in den Nachmittag hatten sich Tausende Fans aus Deutschland und der Ukraine gemeinsam rund um den Grand Place friedlich auf das Gruppenspiel am Abend eingestimmt. Rund 2000 deutsche Fans hatten sich im Rahmen eines Fanmarsches von der Innenstadt auf den Weg zum Stade Pierre-Mauroy im Vorort Villeneuve d'Ascq gemacht. Sie erreichten das Stadion nach anderthalb Stunden, dabei gab es keine Zwischenfälle. Insgesamt werden 20.000 deutsche Fans beim Spiel der Gruppe C erwartet.

21 Hooligans an der Grenze gestoppt

Indes stoppte die Bundespolizei bei verstärkten Kontrollen in der Grenzregion von Rheinland-Pfalz 21 Hooligans. Wie ein Sprecher in Trier sagte, wurde zunächst eine 18-köpfige Gruppe einschlägig bekannter Gewalttäter aus Dresden an der Ausreise gehindert. Die Männer seien in drei Kleinbussen unterwegs gewesen, bei ihnen seien Sturmhauben und Mundschutze gefunden worden. Am Nachmittag wurden drei weitere Hooligans aus Kaiserslautern gestoppt, wie der Sprecher mitteilte.

Man gehe davon aus, dass sie beim Spiel der deutschen Nationalelf am Sonntagabend gegen die Ukraine in Lille gewalttätige Auseinandersetzungen geplant hatten. Einer der Männer aus Kaiserslautern habe deutschlandweit Stadionverbot, seine beiden Begleiter hätten sich ihre Tickets unter falschem Namen beschafft.

Derweil verurteilte Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots die Krawalle bei der EM scharf und forderte ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter. "Es ist viel passiert. Wir müssen die Frage klären, warum es passiert ist. Und wir müssen dieses Geschwür, das den Fußball befallen hat, loswerden", sagte Wilmots: "Ich habe Bilder von einem Vater gesehen, der mit seinem Sohn im Stadion flüchten musste. So etwas darf nicht passieren."

Quelle: n-tv.de, dsi/sid/dpa

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