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Professor erstellt Bundesliga-Spielplan "Am 1. Mai spielt Hertha auswärts"

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Hertha BSC im Auswärtsspiel bei Energie Cottbus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Paarungen für die 49. Bundesligasaison sind veröffentlicht. Doch wer erstellt den Spielplan, und wie wird er gestaltet? Eine spezielle Software erleichtert der DFL die komplexe Arbeit. Das Computer-Programm entwickelte Professor Stephan Westphal, mit dem n-tv.de gesprochen hat.

Seit heute stehen die neuen Spielpläne für die 49. Fußball-Bundesliga-Saison fest. Hinter diesem profanen Zahlen und Datenwerk steckt ein komplizierter Arbeitsprozess. Die Paarungen einer ganzen Saison sollen schließlich alle 36 Erst- und Zweitligisten zufrieden stellen. Für dieses Ziel setzt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eine Software ein, die ihr der Göttinger Universitäts-Professor Stephan Westphal (34) zur Verfügung stellt, der am Institut für numerische und angewandte Mathematik lehrt. Im Gespräch mit n-tv.de  schildert Westphal, auf was es bei der Spielplanerstellung ankommt.

n-tv.de: Herr Professor Westphal, Sie helfen der DFL bei der Erstellung der Spielpläne. Welchen Beitrag leisten Sie?

Stephan Westphal: Ich stelle der Deutschen Fußball-Liga eine spezielle Computer-Software zur Verfügung, mit der der komplexe Prozess der Spielplangestaltung vereinfacht wird. Die Experten der DFL füttern den Computer anhand der Software mit den gewünschten Daten und drücken auf einen Knopf. Dann rechnet der Computer, und man sieht, wie der Statusbalken von links nach rechts läuft. Anschließend schauen sich die Spielplanbeauftragen das Ergebnis an und modifizieren den Plan gegebenenfalls, bis er ihnen am besten gefällt.

Auf was kommt es beim Spielplan für die Fußball-Bundesliga an?

Es gibt einen sehr strengen Wechsel von Heim- und Auswärtsspielen. Es soll so wenig wie möglich vorkommen, dass ein Team zwei Heim- oder Auswärtsspiele  hintereinander austrägt. In zweiter Linie geht es darum, dass in den Plänen Drittveranstaltungen berücksichtigt werden. Wenn zum Beispiel Madonna im Olympiastadion singt, soll Hertha BSC kein Heimspiel austragen. Oder am 1. Mai soll Hertha ebenfalls auswärts spielen, damit sich die Hooligans nicht mit den Linksautonomen prügeln. In München gibt es den speziellen Fall von Zweitligist 1860 München und dem FC Bayern. Die beiden Klubs dürfen natürlich nicht parallel spielen. Die Eckdaten für die Pläne werden ligaübergreifend im Computer eingegeben. Überhaupt haben wir versucht, Mannschaften die  regional dicht beieinander liegen, abwechselnd zu Hause spielen zu lassen. Das hat auch mit der Einsatzverfügbarkeit der Polizei zu tun.

Was wird für die Spieltagsansetzungen noch berücksichtigt?

Es geht auch darum, dass jede Mannschaft einen sehr ausgeglichenen Spielplan erhält. Es soll verhindert werden, dass zum Beispiel die Aufsteiger zu Beginn gegen die drei härtesten Gegner hintereinander antreten müssen. Dann ist die Stimmung gleich kaputt und der Trainer muss gehen. Die starken und die schwachen Gegner sollen aus Fairnessgründen möglichst im Wechsel auftreten. Außerdem sollen die Top-Spiele gleichmäßig über die Saison verteilt werden, damit die Knaller-Paarungen nicht zu dicht aufeinander folgen. Natürlich stehen alle diese Ziele im Widerspruch zueinander. Deshalb habe ich der DFL die Software zu Verfügung gestellt, mit der sie diese Ziele in Einklang bringen können.

Wie lange benötigt der Rechner, bis er einen Spielplan erstellt hat?

So ein Lauf dauert zwei bis drei Minuten. Dann kommt ein ganz brauchbarer Spielplan heraus. Wenn man sich eine Viertelstunde  Zeit lässt, gibt ein sehr gutes Ergebnis. Die DFL-Mitarbeiter lassen den Rechner gerne auch mal zwölf Stunden laufen. Man muss sich die Spielplanerstellung als Prozess vorstellen, in dessen Verlauf Pläne  wieder verworfen werden, Daten verändert und neu berechnet werden. Ich denke mal, dass die DFL nach circa 20 Läufen mit dem Ergebnis zufrieden war. Vorher müssen die zuständigen Mitarbeiter die  Daten und Fakten natürlich sammeln, die eingelesen werden sollen. Das dauert auch seine Zeit.

Wie erstellte die Fußball-Liga ihre Spielpaarungen denn vor dem Einsatz der Software?

Da wurden mit Excel, Zettel und Bleistift gearbeitet. Die Software, wie  sie  jetzt im Einsatz ist, wird erst seit dem vergangenen Jahr benutzt. Sie ist viel schneller und findet Spielkombinationen, die das Computerprogramm vorher nicht gefunden hat. Die alte Software, mit der die DFL gerechnet hat, ließ viele Potentiale ungenutzt. Wir haben erst seit wenigen Jahren, diese Technologien zur Verfügung. Das sind normalerweise Software-Modelle, die große Telekommunikationsnetze und Fertigungsanlagen steuern. Das damit nun Spielplane erstellt werden, ist schon ausgefallen.

Mit Stephan Westphal sprach Matthias Bossaller

Quelle: n-tv.de

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