Fußball

Exzentriker spielt gegen DFB-Elf Arnautovic am Scheideweg

Marko Arnautovic ist ein außergewöhnlicher Fußballer, aber auch das, was man gemeinhin ein Enfant terrible nennt. Bei Werder Bremen gab er sich zuletzt geläutert, und so erhält er in der Nationalelf Österreichs eine neue Bewährungschance - am Freitag gegen Deutschland.

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Arnautovic hat Besserung gelobt.

(Foto: REUTERS)

Für Andreas Herzog ist er der "mit Abstand beste Fußballer, der in den letzten 30 Jahren auf dem Platz herumgelaufen ist", für Jose Mourinho einfach nur ein "Kindskopf". Schon diese konträren Aussagen zeigen das Dilemma des Marko Arnautovic auf. Ein Super-Techniker, aber auch ein Enfant Terrible. Ein Tempo-Fußballer, der auf und neben dem Platz zu oft kein Maß kennt. Ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann - oder den Frieden in der Mannschaft gefährden. Den exzentrischen Offensivspieler in den Griff zu bekommen, daran scheiterten im ersten Bundesligajahr eher die Verantwortlichen bei Werder Bremen als die Gegenspieler. Gerade mal zwei Tore schoss der 6,5-Millionen-Einkauf, in den Schlagzeilen stand er dagegen häufiger. Vor dem Länderspiel am Freitag in Gelsenkirchen gegen Deutschland hoffen sie in Österreich und bei den Hanseaten auf eine Läuterung.

Disko-Verbot als Strafe

In Bremen hatten die Verantwortlichen geglaubt, den schon bei mehreren Vereinen angeeckten Spieler in die Spur zu bekommen. Wer Ailton oder Diego bändigt, traut sich alles zu. Doch bei Arnautovic schienen Trainer Thomas Schaaf und Geschäftsführer Klaus Allofs an ihre Grenzen zu stoßen. Da bezeichnete der damals 21-Jährige den Klub nach wenigen Wochen als "Saftladen" und verweigerte Handschläge. Schaaf ließ den Rebellen im Training Liegestützen machen oder Strafrunden drehen, strich ihn nach einem nächtlichen Disco-Besuch aus dem Kader. Aber keine Maßnahme schien zu fruchten. Als Allofs eine Geldstrafe androhte, soll Arnautovic laut Bild-Zeitung geantwortet haben: "Kannst mir das ganze Gehalt abziehen und an deine Familie verteilen." Erst kürzlich sprach er in einem Interview über seine Vorliebe für Tätowierungen und Silikonbrüste und dementierte anschließend, der Illustrierten überhaupt ein Interview gegeben zu haben - bis diese das Tonband mit den entsprechenden Aussagen veröffentlichte.

"Der hat ja nur Stroh im Kopf!"

Es schien, als stünde der Hochbegabte mit gerade mal 22 Jahren am Scheideweg. Schon in der Jugend hatte er sechsmal den Verein gewechselt, bei Inter Mailand machte er nur drei Spiele und legte sich mit Trainer Mourinho an. Bei vielen Kollegen war er nicht sonderlich beliebt. Der damalige Werder-Kapitän Torsten Frings ermahnte ihn öffentlich, weniger arrogant aufzutreten. Und Nationalmannschafts-Kollege Paul Scharner schimpfte noch vor wenigen Wochen über die "Null-Bock-Einstellung" und kam zu dem Schluss: "Der hat ja nur Stroh im Kopf!" Ein heftiges Urteil über einen Spieler, den der frühere Bremer Spielmacher Andreas Herzog über alle fußballerischen Volkshelden stellte. "Es gab einen Krankl, einen Herzog, einen Polster, einen Prohaska - aber Arnautovic stellt sie alle in den Schatten, wenn er sein Potenzial abruft", sagte der heutige U21-Nationaltrainer Österreichs.

Zwei Tore sind erst der Anfang

Vielleicht war es der Einfluss solcher Förderer, vielleicht sind es gar wirklich Einsicht und die Erkenntnis, nicht mehr viele Chancen zu haben - Bremen erlebte in den letzten Wochen jedenfalls einen anderen Marko Arnautovic. Einen, der in zwei Spielen in Folge traf und das Tor des Teamkollegen prompt als das wichtigere bezeichnete. Sogar Österreichs Teamchef Didi Constantini, zuletzt einer der heftigsten Kritiker, nominierte Arnautovic nach fünfmonatiger Zwangspause nachträglich für das Länderspiel am Freitag. "Marko nimmt sich jetzt zurück, so wie es im Mannschaftssport sein muss", berichtete er."'Er hat mir versprochen, dass es künftig nichts mehr anderes von ihm geben wird." Arnautovic will nun den Trainer "überzeugen, dass ich der Mannschaft helfen kann". Die zwei Tore in Bremen seien erst der Anfang gewesen: "Da kommt noch mehr." Am Freitag spielt er mit der österreichischen Nationalmannschaft gegen Deutschland in Gelsenkrichen. Anpfiff ist um 20.45 Uhr.

Quelle: n-tv.de, sid

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