Fußball

Die Lehren des 1. Spieltags BVB rettet Liga, Bayern grantelt, S04 rächt

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Die Dortmunder dürfen ihre Tabellenführung feiern - und das Tor von Marc Bartra - und die Rückkehr von Mario Götze.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Die Liga läuft und der FC Bayern ist nicht Tabellenführer. Skandal! Der neue Sportdirektor verordnet trotzig gute Laune. Der BVB zaubert den Dembélé-Zoff weg und rettet nebenbei den Fußball. Dem HSV bleibt das Lachen im Halse stecken.

1. Bayern siegen, Bayern granteln

Jedes Jahr das Gleiche. Die Bayern haben ein Problem, genauer: ein Luxusproblem. Sie haben, was die Bundesliga-Konkurrenz gerne hätte: zu viele gute Spieler. Oder, um im Duktus von Uli Hoeneß zu bleiben: Zu viele "Granaten". Und dann überzeugen auch noch die, von denen man es weder als geneigter Zuschauer noch als Klub erwartet hätte. Niklas Süle schraubt seinen wuchtigen Körper nach oben und köpft wuchtig ein - nun steht dieser Treffer als erstes Tor der neuen Bundesliga-Saison in den Geschichtsbüchern. Und auch in der Abwehr - sein eigentliches Terrain - geht trotz kollektiver Wackler wenig daneben. Ein ähnliches Zeugnis ist dem 41,5-Millionen-Euro-Einkauf Correntin Tolisso auszustellen, ebenso auch Sebastian Rudy.

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Unter dem Rettungsschirm von Hasan Salihamidzic ist noch Platz.

(Foto: imago/Revierfoto)

3:1 gewonnen also - und doch findet der ewig griesgrämige Coach Carlo etwas zu jammern. "Um zu null zu spielen, müssen wir kompakter stehen." Und: "Wir haben nicht so gut verteidigt, haben zu viele Räume gelassen." Auch Ur-Bayer Thomas Müller ist "jetzt nicht im siebten Himmel". Den Grantlern etwas entgegensetzen will offenbar der neue Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Ich finde es nicht gut, wenn ihr jetzt nur negativ draufhaut." Wir? Das schafft der Klub schon selbst.

2. Der BVB rettet den Fußball

Halleluja! Es ist zwar alles wie immer beim FC Bayern, haben wir eben gelernt. Zumindest spitzenplatztechnisch ist der Bundesliga-Boreout aber abgewendet. Zum Retter des deutschen Fußballs schwingt sich Borussia Dortmund auf. Ohne Superhelden-Maske und ohne Arbeitsverweigerer Ousmane Dembélé wird der VfL Wolfsburg mit 3:0 weggefidelt, weil der VfL kollegialerweise ebenfalls streikt. Die Mario Gomez'sche Verteidigungsrede ("Wir kommen aus der Relegation und haben einen Umbruch hinter uns") ist angesichts des Millionen-Kaders allerdings ähnlich unterirdisch wie zuvor die Angriffsbemühungen. Und Dortmund? Strahlte beim Debüt von Coach Peter Bosz spielerisch. Dank des furiosen Jungstars Christian Pulisic, Marc Bartras Geniestreich und Comebacker Mario Götze wurde der "Zauberer von Ous" im BVB-Spiel nicht vermisst. Gesprächsthema war er trotzdem. Vor dem Anpfiff (wissen wo er ist – wollen eine "extrem hohe Summe"), nach dem Abpfiff und auch am Sonntag noch. Denn auch im Fall Dembélé gedenkt der BVB eine Retterrolle einzunehmen, führte Boss Hans-Joachim Watzke wortreich aus: "Das ist ja nicht nur unser Thema, sondern betrifft irgendwann auch einen anderen von den 17 Bundesligisten. Von daher können sie alle froh sein, wenn wir hier ein dickes, fettes Stoppschild reinrammen." Halleluja!

3. "Schwalbenwerner"-Rache schmeckt Schalkern doppelt süß

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Tabellenplatz 16, 0 Punkte, Torverhältnis -2: Läuft nicht für RB Leipzig. Und dann bekommen sie nach dem ernüchternden Saisonauftakt am Sonntagabend auch noch die Bayern für die 2. Runde im DFB-Pokal aufgetischt. Na herzlichen Dank. Gut, es ist erst ein Bundesliga-Spiel vorbei, aber den erfolgsverwöhnten Sachsen dürfte der "Fehlstart" im Pott absolut nicht geschmeckt haben. Zumal es noch ein "Eklätchen" um Timo Werner gab. Der ist in Gelsenkirchen aus Gründen als "Schwalbenwerner" verschrien und kassierte schon vor dem Spiel ein übles Revanchefoul: Bei der Mannschaftsvorstellung gibt es beim Namen Timo Werner anstatt des üblichen Bildes nur eine Silhouette zu sehen. "Leider hat die Deutsche Fußball Liga zu zwei der RB-Spieler keine Fotos geschickt, einer war Timo Werner. Aber das hätte man dennoch besser lösen können", schämte sich Schalke Sportvorstand Christian Heidel hinterher eher halbherzig: Drops damit gelutscht. Oder? Für Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick nicht, er poltert: "Dass es kein Zufall war, ist auch klar. Die hätten problemlos ein Autogrammbild von ihm aus der vergangenen Saison nehmen können." Er gehe aber "davon aus, dass Schalkes Manager Christian Heidel nichts davon gewusst hatte, sondern dass es auf anderer Ebene im Klub entschieden wurde". Wir notieren: Es steht jetzt Unentschieden, im Kindergarten. Und pfeifen hier ab.

4. HSV bleibt dem Wahnsinn treu

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Sieben Monate Pause - nach neun gespielten Minuten.

(Foto: imago/Oliver Ruhnke)

Der Hamburger SV hat bereits drei Punkte auf dem Konto. Das sind drei Punkte gegen den Abstieg, Verzeihung, gegen die Relegation. Über den 1:0-Sieg gegen den FC Augsburg spricht aber niemand - zumindest nicht, um über den Sieg zu sprechen. Dafür sprechen alle über den Torschützen Nicolai Müller und seinen Torjubel. Soviel Freude, soviel Schmerz! "Ich bin nach meinem üblichen Hubschrauber-Jubel unglücklich mit dem rechten Bein weggerutscht. Dabei habe ich mich am Knie verletzt. Es ist so dumm gelaufen", leidet der Leidende. Kreuzbandriss, geschätzte sieben Monate Pause, und das alles nach neun Minuten in der neuen Saison.

Und da dachten alle, dass die "Luschen"-Ansage von Top-Investor Klaus-Michael Kühne nicht zu toppen ist. Denkste! Wobei der viel kritisierte 80-Jährige schon für mächtig Aufregung sorgt. Sogar bei der Carl Kühne KG, die Gurken herstellt - aber nicht das Geld für Hamburgs Gurkentruppe bereitstellt. Der Lebensmittelhersteller könnte aber mittlerweile eine eigene Mannschaft zusammenstellen, dank der Expertise vieler HSV-Fans. Die rufen nämlich gern mal bei Kühne an und geben ihren Senf zum Besten, wer mit den nächsten Kühne-Millionen doch bitte verpflichtet werden sollte. Das erzählte Swantje Niphut, Sprecherin des Unternehmens, dem Hamburger "Abendblatt". Dabei hat Carl Kühne gar nichts mit Klaus-Michael Kühne zu tun. Ist vielen aufgebrachten HSV-Fans aber entweder noch nicht aufgefallen oder einfach egal. Der Ärger über den Mäzen muss raus, denn neben verwirrten Empfehlunganrufen gibt es auch verirrte Boykott-Aufrufe.

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5. Der Prince will die Liga regieren

Pfiffe für den Prinzen - kein Adeliger ist vor Kritik gefeit. Und kein Adelsexperte, der den Unmut nicht allzu elegant umzudeuten weiß: "Ich werte das als Wertschätzung ihm gegenüber. Wenn ein Spieler solcher Qualität aufläuft, glaube ich, dass die Zuschauer gedacht haben, er kann noch mal den Umschwung bringen", sagt Eintracht-Frankfurt-Trainer Niko Kovac. Die Rede ist von Kevin-Prince Boateng. Erst zwei Tagen zuvor unterschrieb der 30-Jährige einen Vertrag bei den Hessen, schon spielte er 25 Minuten für seinen neuen Klub. Und träumt schon von der Zukunft: Sicher sei, "dass wir viel Spaß mit dieser Mannschaft haben werden."

Die Zukunft, die möchte Boateng sicherlich mehr betonen als die Vergangenheit. Schließlich haben sich die Frankfurter einen interessanten Charakter ausgesucht: Abgebrochene Autospiegel in Berlin, Suspendierung auf Schalke, ein Tritt, der zu Michael Ballacks Ende im DFB-Team führte, durchgefallen beim Medizincheck bei Sporting Lissabon - das alles soll hinter dem 30-Jährigen liegen. "Ich habe das Glück, dass ich in Berlin geboren bin, bin ein Chamäleon und kann mich eigentlich ganz schnell anpassen", sagte "Prince", außerdem known as Boateng bei seiner offiziellen Vorstellung.

Und von den früheren Skandalen ihres Neuen wissen sie ja bei der Eintracht. Mit seinem heutigen Trainer Kovac spielte Boateng noch zusammen bei der Hertha aus Berlin - sie wuchsen sogar aus der gleichen Straße auf. Die aktive Fußballlaufbahn von Sportvorstand Fredi Bobic ging beim Karrierestart des Prinzen auf die Zielgerade - ebenfalls in Berlin. Man kennt sich also schon lange - und weiß, wie der Prince regiert und reagiert. Als erstes hat er Torwart Jan Zimmermann die Trikotnummer geklaut - immerhin nicht, Obacht, die Nr. 1. Zimmermann trug bislang die 17.

Quelle: n-tv.de

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