Fußball

Ob Özil in Kasachstan spielt, ist offen DFB-Elf bittet zur Nachtschicht

Für die weiteste Anreise zu einem Qualifikationsspiel in der langen DFB-Geschichte bekommen Philipp Lahm und Co. extra einen Anti-Jet-Lag-Plan. Drei Punkte sind gegen Kasachstan aber fest eingeplant.

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Abschlusstraining: Bundestrainer Joachim Löw und Philipp Lahm im Stadion von Astana.

(Foto: dpa)

Nachtschicht zum Abschluss: Schon kurz nach der Landung im Sonnenuntergang von Kasachstan bat Joachim Löw zum Training auf dem Kunstrasen der Astana-Arena. Über einen Einsatz des angeschlagenen Mesut Özil will der Bundestrainer erst am Spieltag entscheiden. Beim letzten Kraftakt des Jahres fordert der Bundestrainer von seiner Nationalmannschafts-Karawane trotz beschwerlicher Anreise und ungewohnten Umständen noch einmal absolute Konzentration. Weit hinter dem Ural dürfen schwere Beine und müde Köpfe auch nach rund 4000 Kilometern Langstreckenflug und mit vier Stunden Zeitunterschied gegen den unbequemen Außenseiter keine Ausrede sein.

"Da kann schon einiges schief gehen. Wir müssen auf der Hut sein, es wird ein hartes Stück Arbeit auf uns zukommen", warnte Löw vor dem ungewöhnlichen Qualifikationsspiel für die Fußball-EM 2012 am Dienstag um 23 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ) in Astana, das auch durch die späte Anstoßzeit zum Novum wird.

Özil ohne Probleme im Training

In romantischer kasachischer Abendstimmung war das DFB-Team als selbstbewusster Spitzenreiter der Gruppe A am Montagabend nach fast fünf Stunden Flug mit dem Jumbo Jet Niedersachsen in Astana gelandet. An Bord der Sondermaschine LH 5010 war auch der nach dem Spiel gegen die Türkei angeschlagene Mesut Özil. Der Ballzauberer konnte ohne erkennbare Probleme am Abschlusstraining teilnehmen. Teammanager Oliver Bierhoff sprach anschließend aber von "leichten Problemen" beim Real-Regisseur. "Der Trainer wird noch mal mit ihm sprechen. Man wird sehen, wie es morgen aussieht", sagte Bierhoff.

Definitiv in Astana fehlen wird der von Magenproblemen geplagte Jérome Boateng. Er musste auf den Trip kurzfristig verzichten. Nur noch 18 Spieler hat Löw für das letzte Pflichtspiel des WM-Jahres in der bizarren Retortenstadt in Zentralasien in seinem Aufgebot, darunter drei Torhüter. Auf eine kurzfristige Nachnominierung verzichtete der 50-Jährige dennoch. Um die Start-Aufstellung macht der Bundestrainer nach den befriedigenden letzten Auftritten auch kein Geheimnis mehr.

Kroos spielt wieder für Schweinsteiger

Sollte Özil wie allgemein erwartet fit sein, vertraut Löw dem Team, das auch das Spitzenspiel gegen die Türkei (3:0) am Freitag so formidabel gestaltete. Toni Kroos soll wieder Bastian Schweinsteiger in der Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld vertreten. Schweinsteiger begleitete die DFB-Cracks zumindest virtuell nach Astana. Im Bordprogramm wurde auf der langen Anreise eine Dokumentation über den Werdegang des Bayern-Profis gezeigt.

Im Spiel ist Schweinsteigers Ausfall derzeit verkraftbar, wie der Sieg gegen die Türkei zeigte. "Wir haben genug Klasse, den einen oder anderen Akteur zu ersetzen", betonte Löw das neue Selbstverständnis. Ernste Sorgen kennt der Bundestrainer zum Pflichtspiel-Ausklang eines gelungenen WM-Jahres nicht. "Wir können uns da nur selbst schlagen", formulierte Sami Khedira im "Kicker" die Selbstwahrnehmung vor dem Duell gegen die Nummer 126 der Weltrangliste, gegen die Deutschland noch nie ein Länderspiel bestritt. Der Real-Profi mahnte aber auch, gedanklich voll bei der Sache zu sein, sonst "kommt vielleicht nur ein 0:0 raus."

Auch die kasachische Kälte mit Nacht-Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt oder der Kunstrasen unter dem Hallendach der "Astana Arena" sollen keine Hindernisse auf dem Weg zu den fest eingeplanten drei Auswärtszählern werden. "Die Mannschaft kann sich auf den Punkt konzentrieren. Das wird ihr auch dieses Mal gelingen", versprach Löw. Mit der Maximalausbeute von zwölf Punkten nach vier Spielen ließe sich dann prächtig überwintern und fast schon für das Turnier in Polen und der Ukraine in 20 Monaten planen.

Sie tun so, als seien sie in Deutschland

Kasachstan kann eigentlich gar kein Stolperstein sein, doch der DFB-Chefcoach hält das Team des deutschen Trainers Bernd Storck für einen Großen unter den Kleinen. "Zweitklassig, das sind sie nicht unbedingt. Sie spielen körperlich robust. Kasachstan ist in jedem Fall stärker als Aserbaidschan", sagte Löw über den Vergleich der Gruppen-Zwerge. Ein Tor konnte der Kontrahent in den drei Partien gegen Belgien (0:2), Österreich (0:2) und die Türkei (0:3) noch nicht erzielen, geriet aber immerhin auch nicht unter die Räder.

Die längste Anreise zu einem Qualifikationsspiel in 110 Jahren DFB-Geschichte verlangt derweil besondere Maßnahmen. Auf Anraten der Ärzte werden Philipp Lahm und Co. ihre Uhren nicht auf Astana-Zeit umstellen. "Der ganze Tagesablauf ist so gestaltet, als ob wir in Deutschland wären", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Nach der Ankunft stand zu vorgerückter Stunde das Abschlusstraining auf dem Programm - zur ungewohnten Anpfiffzeit eine Stunde vor Mitternacht. Das Abendessen wurde für weit nach der Geisterstunde terminiert. Im Hotel wurden die Gardinen verstärkt, damit die DFB-Cracks am Spieltag trotz Sonnenaufgangs lange weiterschlafen können.

Kasachstan – Deutschland, 19 Uhr

Kasachstan: Sidelnikow/FK Aktobe (30 Jahre/5 Länderspiele) - Kirow/Lokomotive Astana (26/11), Popow/Amkar Perm (32/3), Abdulin/Lokomotive Astana (28/15), Roschkow/Lokomotive Astana (26/5) - Nurgalijew/Tobol Qostanai (24/8), Geterijew/Spartak Naltschik (25/2), Awertschenko/FK Aktobe (28/8), Schmidtgal/Rot-Weiß Oberhausen (24/2) - Kischnitschenko/FK Atyrau (19/8), Schumaskalijew/Tobol Qostanai (29/51). - Trainer: Storck

Deutschland: Neuer/Schalke 04 (24 Jahre/14 Länderspiele) - Lahm/Bayern München (26/74), Mertesacker/Werder Bremen (26/72), Badstuber/Bayern München (21/7), Westermann/Hamburger SV (27/22) - Kroos/Bayern München (20/11), Khedira/Real Madrid (23/15) - Müller/Bayern München (21/11), Özil/Real Madrid (21/20), Podolski/1. FC Köln (25/82) - Klose/Bayern München (32/104). - Trainer: Löw

Quelle: n-tv.de, Arne Richter und Jens Mende, dpa

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