Fußball

Ronaldo wieder Weltfußballer - gähn Der Revolutionär heißt Manuel Neuer

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Wertvoll, weil titelbringend: Manuel Neuer. Aber darum geht es bei der Wahl zum Weltfußballer nicht.

(Foto: AP)

War klar, dass wieder einer der üblichen Verdächtigen als weltbester Fußballer ausgezeichnet wird. Seit Jahren lautet die Frage: Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi? Dass Manuel Neuer da nicht mithalten kann, ist keine Niederlage.

Platz drei unter den Besten des Planeten - Manuel Neuer sollte das nicht als Niederlage begreifen. Es kann halt nur einen geben, der den Ballon d'Or bekommt. Und das ist Cristiano Ronaldo. Wieder einmal. Zum zweiten Mal hintereinander und zum dritten Mal insgesamt haben die Trainer und Kapitäne der Nationalmannschaften sowie einige Journalisten den Portugiesen zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Gähn. Vor dem Hintergrund, dass seit 2008 entweder er oder der Argentinier Lionel Messi das Rennen gemacht haben, ist das die denkbar langweiligste Wahl. Hat der Weltfußball wirklich nicht mehr zu bieten?

Dennoch ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob Ronaldo sich die Auszeichnung als bester Solist in einer Mannschaftssportart verdient hat. Klar hat er das. Der Mann ist eine Show, er schießt sehr viele Tore und polarisiert wie kein Zweiter. Die Fans lieben oder hassen ihn. Den Kollegen flößt er Respekt ein, weil er seit Jahren auf konstant hohem Niveau spielt. Er ist, ebenso wie Messi, ein Ausnahmefußballer. Selbst wenn beide kein in allen Wettbewerben überragendes Jahr 2014 hinter sich haben, war es immer noch ein sehr gutes. Ronaldo erzielte im vergangenen Jahr 62 Tore in 62 Spielen, Messi 59 in 66. Also: Glückwunsch! Natürlich kann Manuel Neuer da nicht mithalten.

Er verkörpert die Zukunft des Fußballs

Aber Weltfußballer hin, Weltfußballer her. Es ist doch so: Manuel Neuer "ist absolutely the best Top-Torhüter of the world". Sein Vereinstrainer Josep Guardiola hat das gesagt und hat damit absolut recht. Manuel Neuer hat den DFB-Pokal, die deutsche Meisterschaft und die Weltmeisterschaft gewonnen. Darüber hinaus kann er prima mit dem Ball umgehen. Der Torhüter des FC Bayern hat das Spiel als Ballfänger revolutioniert, auf der Position des institutionalisierten Außenseiters, der als Einziger den Ball mit der Hand spielen darf. Er verkörpert die Zukunft des Fußballs. Joachim Löw, sein Trainer in der deutschen Nationalmannschaft und seit heute Welttrainer, hat das gesagt. "Er ist hinten der Erste, der das Spiel eröffnet und die anderen dirigiert."

Auf die Spitze getrieben hat Manuel Neuer das im Achtelfinale der WM gegen Algerien, als er als Torwart und als "Manu, der Libero" gleichermaßen agierte. Er hat das in diesem Spiel nicht zum ersten Mal gemacht, aber dieses Mal sahen sehr viele Menschen überall auf der Welt zu - und staunten. Insgesamt 19 Mal verließ er seinen Strafraum, meist um zu retten, was noch zu retten war. Hochriskant war das, denn außerhalb seines Hoheitsgebietes darf auch ein Torhüter nur mit dem Fuß oder dem Kopf eingreifen. Und doch hatte er, nicht nur in dieser Partie, alles im Griff, mit seiner Fähigkeit, den Ball als Freund zu behandeln, hochkonzentriert die Gefahr einzuschätzen und ebenso gelassen wie konsequent zu handeln.

Kurzum: Er hat im vergangenen Jahr kaum einen Fehler gemacht, im Gegensatz zu Ronaldo und Messi kaum eine Schwäche gezeigt, reihenweise die gegnerischen Stürmer durch seine Präsenz und seine großartigen Reflexe zur Verzweiflung gebracht. Und zudem das Spiel seiner beiden Mannschaften, also beim FC Bayern und in der DFB-Elf, als mitspielender Torwart ganz entscheidend, weil titelbringend, bereichert. Auch wenn die Diskussion müßig ist: Manuel Neuer wäre ein prima Weltfußballer gewesen.

Quelle: n-tv.de