Fußball

So läuft der Demut-Kick in San Marino Der Weltmeister will Spaß in der Bezirksliga

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Joachim Löw hat versprochen, den Kollegen Schlendrian gegen San Marino nicht aufzustellen.

(Foto: imago/ActionPictures)

Sami Khedira will Spaß haben, einen neuen deutschen Fußball-Rekordsieg strebt er bei der WM-Qualifikation in San Marino nicht an. Bundestrainer Joachim Löw auch nicht. Er will nicht arrogant sein.

Worum geht's?

Für San Marinos Fußballer geht es nur darum, so etwas wie das, was am 6. September 2006 im Stadio Olimpico di Serravalle vor heimischen Publikum passiert ist, nicht noch einmal zu erleben. Passiert war da Folgendes: 0:1 Lukas Podolski (12.), 0:2 Bastian Schweinsteiger (29.), 0:3 Miroslav Klose (30.), 0:4, Michael Ballack (35.), 0:5 Podolski (43.), 0:6 Klose (45.), 0:7 Schweinsteiger (47.), 0:8 Podolski (64.), 0:9 Thomas Hitzlsperger (66.), 0:10 Podolski (71.), 0:11 Hitzlsperger (73.), 0:12 Manuel Friedrich (87.), 0:13 Bernd Schneider (90.) - die herbste Niederlage in der an Pleiten nicht gerade armen Geschichte des san-marinesischen Verbandes. In 134 Spielen ging die Auswahl 129 geschlagen vom Platz. Für Deutschland ist das - wen wundert es - bis heute der höchste Auswärtssieg der Geschichte.

San Marino - Deutschland, 20.45 Uhr

San Marino: A. Simoncini - D'Addario, D. Simoncini, F. Vitaiolo, Palazzi - Berardi, Cervellini, Tosi, Domeniconi, M. Vitaiolo - Stefanelli; Trainer: Manazroli.
Deutschland: ter Stegen - Hector, Hummels, Höwedes, Kimmich - Rudy, Khedira - Gnabry, Gündogan, Müller - Götze; Trainer: Löw.
Stadion: Stadio Olimpico di Serravelle (7000 Plätze)
Schiedsrichter: Kuchin (Kasachstan)

Nicht aber der höchste überhaupt. Den schoss die Nationalelf vor 104 Jahren heraus - bei den Olympischen Spielen 1912 gegen Russland vor 2000 Zuschauern in Stockholm. Beim 16:0 machten Gottfried Fuchs (10), Fritz Förderer (4) sowie Emil Oberle und Karl Burger die Tore. Könnte also Zeit werden für einen neuen historischen Moment. Gegen eine Mannschaft, die nach der verletzungsbedingten Absage von Torwart Elia Benedettini mit Filippo Berardi vom FC Turin nur einen Profi aufbieten kann. Doch auch wenn dieses WM-Qualifikationsspiel der Gruppe C (ab 20.45 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) dem Schalker Benedikt Höwedes "ein bisschen wie Bezirksliga" vorkommt, will Bundestrainer Joachim Löw, der übrigens beim 13:0 gerade ein paar Wochen Bundestrainer war, von einem Rekordsieg nichts wissen. "Diese Zeiten sind vorbei. Das ist nicht das Ziel. Unser Ziel ist es, nicht arrogant zu sein, unser Spiel gnadenlos durchzuziehen, Tore und ein klares Ergebnis zu erzielen."

Wie ist die Ausgangslage?

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Dürfen wir vorstellen: Azubi Miroslav, Klose mit Nachnamen.

(Foto: dpa)

Ein kleines bisschen überraschend. Nicht, was die Spitze der Gruppe C angeht. Dort steht Deutschland. Drei Spiele, drei Siege, 8:0 Tore - die Bilanz eines Weltmeisters. Auch nicht, was den letzten Platz angeht, dort liegt San Marino, drei Spiele, drei Niederlagen, 1:9 Tore - die Bilanz eines Weltranglisten-201. Was aber durchaus verwunderlich ist: In einer Gruppe, in der Nordirland, Norwegen und Tschechien mitkicken, ist Aserbaidschan ärgster Verfolger der DFB-Elf - mit zwei 1:0-Erfolgen gegen eben San Marino und Norwegen sowie einem 0:0 gegen Tschechien. Vor dem ersten direkten Duell um den Gruppensieg am 26. März 2017 in Aserbaidschan heißt es also für die personell durch Schonungspausen tüchtig reduzierte deutsche Mannschaft, unfallfrei durch das letzte Pflichtländerspiel des Jahres zu kommen. Dass das gelingen wird, daran hegt niemand Zweifel, selbst der Gegner nicht. Trainer Pierangelo Manzaroli sagt: "Wir wollen unsere Spiele immer ausgeglichener gestalten, größeren Respekt bekommen und als Team Charakter zeigen." Auf was es dann gegen den Weltmeister ankomme? "Natürlich müssen wir gut verteidigen, das kennzeichnet unser Spiel, aber wir arbeiten auch an Angriffszügen." Die stehen auch bei Deutschland verstärkt im Fokus. Erst recht, seitdem Star-Praktikant Miroslav Klose den Angriff nun ganz genau beobachtet: "Im Fußball spielt die Spezialisierung in den einzelnen Mannschaftsteilen eine große Rolle. Ich denke, dass wir sehr von ihm profitieren können", sagt der Bundestrainer. Klose selbst ist "froh und glücklich, wieder Teil dieser großen Familie Nationalmannschaft zu sein."

Wie ist die deutsche Mannschaft drauf?

Och, die Spieler, der Bundestrainer und auch sein Praktikant haben gute Laune beim Ausflug an die Adria. Die DFB-Elf logiert im Grand Hotel des Bains in Riccione, gut 150 Meter vorm Strand und 20 Kilometer vom Stadio Olimpico entfernt. Und am Donnerstag gar nicht gefragt, wer denn heute Abend spiele, beliebte Löw etwas unvermittelt zu scherzen: "Ein kleiner Tipp für alle, die nach der Aufstellung fragen: Miro ist immer noch spielberechtigt." Ein bisschen hat er dann doch verraten. Nach der Absage des Münchners Manuel Neuer wird Marc-André ter Stegen im Tor stehen. Zudem rücken Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan von Manchester City und Angreifer Mario Gomez vom VfL Wolfsburg auf jeden Fall in die Startelf.

Sami Khedira von Juventus Turin wird in San Marino voraussichtlich die Kapitänsbinde tragen und sich dann am kommenden Dienstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Mailand beim Testspiel gegen Italien ausruhen. "Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei. Ich habe 24 Pflichtspiele gemacht. Natürlich will ich unheimlich gerne spielen. Aber man muss sinnvoll an die Sache herangehen", sagte Khedira. Schließlich wolle er "die ganze Saison auf hohem Niveau spielen. Deshalb ist so eine Pause sinnvoll". Den drei Neulingen, dem Wolfsburger Yannick Gerhardt, dem Leverkusener Benjamin Henrichs und dem Bremer Serge Gnabry hat Löw versprochen, dass sie entweder heute oder eben im letzten Länderspiel des Jahres mitmachen dürfen. Na ja, und die Weltmeister Toni Kroos von Real Madrid, Mesut Özil vom FC Arsenal, Jérôme Boateng vom FC Bayern, Wolfsburgs Julian Draxler und Dortmunds André Schürrle fehlen, weil sie angeschlagen sind oder sich schonen sollen. Und Julian Brandt plagt sich in Leverkusen mit einer Magen-Darm-Grippe herum. Die Auswahl, die der Bundestrainer hat, ist gar nicht mehr so groß. 

Was machen die San-Marinesen so?

Sie sind enttäuscht. Vor allem Aldo Junior Simoncini, der Torwart. Enttäuscht von Manuel Neuer. Der spielt nämlich gar nicht mit. Dabei hatte sich Simoncini so auf ihn gefreut - und auf sein Trikot. Er hatte schon einen Platz reserviert, direkt neben dem von Gianluigi Buffon, dem Nationaltorhüter Italiens, sollte es an der Wand hängen. Doch daraus wird nun nichts. Nun bekommt er das Hemd von Marc-André ter Stegen. Das von Jens Lehmann hat er schon. Dabei hat er an die deutsche Mannschaft gar nicht so gute Erinnerungen. Das 0:13 im Jahr 2006 war sein zweites Länderspiel. Lehmann stand damals im Tor der DFB-Elf und soll, wie die "Südwest Presse" berichtet, damals zu Simoncini gesagt haben: "Du hast eine große Karriere vor dir - ganz bestimmt." Nun ist er 30 Jahre alt und spielt, nachdem er in der Saison 2011/2012 beim italienischen Erstligisten in Cesena der dritte Torwart war, wieder in San Marino, beim AC Libertas. Vor seinem 39. Länderspiel sagt er: "Wir müssen immer leiden. Es ist nicht einfach, zu wissen, dass du wahrscheinlich wieder viele Gegentore bekommen wirst. Aber am Ende ist es doch immer schön."

Quelle: n-tv.de

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