Fußball

Ein "Krieger" für die Bayern Die Bundesliga wird Vidal hassen

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Notfalls auch mal mit einer Blutgrätsche: Bei der Jagd nach dem Ball sind Arturo Vidal fast alle Mittel recht.

(Foto: AP)

Nach vier Jahren Italien kehrt Arturo Vidal zurück nach Deutschland. Für den FC Bayern ist er eine Riesen-Verstärkung. Denn der 28-jährige Chilene hat eine Fähigkeit, die ihn von fast allen unterscheidet.

Bastian Schweinsteiger hatte eine Woche Zeit für einen relativ harmonischen Abgang. Er wechselte zu Manchester United, bevor der Flirt zwischen Arturo Vidal öffentlich würde. So sah es zumindest auf den ersten Blick nicht danach aus, als ob Schweinsteiger vor dem Chilenen auf die Insel geflohen wäre. Nun hat der FC Bayern den Wechsel mit Vidal perfekt gemacht. Für 35 Millionen Euro kehrt er zurück in die Bundesliga.

Vidal ist kein einfacher Typ. Er ist in den vergangenen Jahren auch außerhalb des Platzes, ob durch Alkohol-Fahrten und Disco-Schlägereien, immer wieder aufgefallen. Der Transfer mag auf den ersten Blick nicht zwingend notwendig gewesen sein. Die Bayern haben Philipp Lahm, Thiago, Xabi Alonso, David Alaba, Mario Götze Javi Martinez und Sebastian Rode. Von Personalarmut im Mittelfeld kann man wirklich nicht sprechen. FCB-Trainer Josep Guardiola wollte Vidal trotzdem. Denn sportlich steht außer Frage: Vidal wird die Bayern noch stärker machen. Weil er einer ist, der auch in einer Weltklassemannschaft herausragt.

Vidal ist ein Ausnahmespieler, nicht nur, weil er so flexibel ist. Er kann zentral defensiv und offensiv auflaufen, gegnerische Angriffe sowohl beenden als auch eigene einleiten und die Mitspieler in Abschlussposition bringen. Noch dazu ist Vidal, der inzwischen die Erfahrung aus fast 250 Spielen in Bundesliga und Serie A sowie 69 Einsätzen für Chile auf dem Buckel hat, ein echter Anführer. Den 28-Jährigen macht aber vor allem eines aus und das beherrscht er in Perfektion: Vidal ist ein Ekel. Einer, der seinen Gegenspielern schon vor dem Anpfiff schlaflose Nächte bereitet und in den 90 Minuten den letzten Nerv raubt. Der vor Aggressivität und Energie nur so strotzt und immer an der Grenze von Sportlichkeit und Legalität agiert. Nicht umsonst trägt er den Spitznamen "der Krieger". Umso bemerkenswerter ist, dass Vidal in seiner Vereinskarriere nur einmal Rot und drei Mal Gelb-Rot gesehen hat.

Wie van Bommel und Effenberg

Die letzte Bundesliga-Mannschaft, die die unangenehme Spielweise Vidals zu spüren bekam, war Borussia Dortmund. Im Champions-League Achtelfinale hatte der BVB auch deshalb keine Chance gegen Juventus Turin, weil offensiv gar nichts gelang. Das war vor allem Vidal zu verdanken. Egal, was die Dortmunder auch anstellten: Er hatte immer einen Arm oder einen Fuß dazwischen, schubste, zog und brachte den Gegner um den Verstand. Durch die BVB-Fanbrille hätte Vidal im Rückspiel infolge der Vielzahl an Unsportlichkeiten spätestens nach 20 Minuten Rot sehen müssen, doch am Ende des Spiels ging er ohne Karte vom Platz.

Es war ein typisches Spiel von Arturo Vidal. Der Chilene ähnelt in dieser Hinsicht vor allem zwei seiner Bayern-Vorgänger: dem Niederländer Mark van Bommel und Stefan Effenberg. Vidal ist ein Spieler, den die eigenen Fans lieben, weil er sich so aufopferungsvoll reinhaut - und einer, den die gegnerischen abgrundtief verachten. So wird es auch in der neuen Bundesliga-Saison sein. Die anderen 17 Vereine und ihre Fans werden ihn hassen.

Vidal mag ein Exzentriker sein, aber einer wie er hat dem FC Bayern gefehlt, als er in der Rückrunde von der Erfolgsspur abkam. Als am Ende der Saison schließlich nur ein Titel herausprang. So etwas will Perfektionist Guardiola nicht noch einmal erleben. Ein Mann wie Vidal kommt da gerade gelegen.

Quelle: ntv.de

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