Fußball

Geld, Macht - "Nations League" Die Europameisterschaft der Funktionäre

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(Foto: dpa)

Es ist eine Revolution: Die Uefa schafft eine Liga für Nationalteams als Wettbewerb neben der EM. Sie will nur das Beste für den Fußball - behauptet sie. Aber die "Nations League" ist sportlich sinnlos. Es geht nur um Geld und Macht.

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Mit einem neuen Wettbewerb zurück zu den Wurzeln: Michel Platini.

(Foto: AP)

Man muss sich den Uefa-Kongress in Astana als Versammlung heuchlerischer, geld- und machtgeiler alter Männer vorstellen. Das ist grob vereinfacht und tut vielen der Delegierten der Europäischen Fußball-Union unrecht - aber es erleichtert ungemein das Verständnis dessen, was der Kongress gerade beschlossen hat: die "Nations League", eine Art EM, nur in überflüssig.

Alle europäischen Teams spielen ab 2018 in den Saisons ohne WM oder EM ein Turnier, in den Divisionen A bis D, die wiederum in mehrere Gruppen unterteilt sind. Die besten Mannschaften wie Deutschland und Spanien starten in Division A, sie konkurrieren um den Titel, der in Playoffs vergeben wird. Der Rest spielt um Auf- und Abstieg, und ein paar EM-Plätze sollen auch vergeben werden. Die Details stellt die Uefa in einem Jahr vor, bis dahin soll auch geklärt sein, wie das Turnier kompatibel zu WM- und EM-Qualifikation verlaufen kann.

Die "Nations League" ist die Idee von Michel Platini, Präsident der Uefa, der in seiner Rede allen Ernstes Sätze sagte wie: "Wir müssen zu unseren Wurzeln zurückkehren." Um dann einen Rekordumsatz von 1,7 Milliarden Euro zu verkünden. Und mit der "Nations League" ein Projekt umzusetzen, das so deutlich weg von den Wurzeln und hin zu den Honigtöpfen führt, dass selbst Erzfeind Joseph Blatter anerkennend in die Hände klatschen müsste.

Von wegen Sorge um die Qualität

Trainer, Spieler und Fans hätten das Gefühl, dass den Freundschaftsspielen der Wettbewerbsgedanke fehlen würde. Das führt die Uefa als Grund für die Einführung des neuen Wettbewerbs an, kein Scherz. Die selbe Uefa, die die Europa League zu einem derart monströsen Turnier aufgebläht hat, dass selbst hartgesottene Fans sich nicht mehr dafür interessieren. Die selbe Uefa, die die Europameisterschaft auf 24 Teams aufgestockt hat, damit sich fast die Hälfte aller Verbände qualifizieren darf. Diese Uefa macht sich also Sorgen um die sportliche Qualität von Freundschaftsspielen.

Selbst wenn, bleibt fraglich, wie die denn steigen soll. Die großen Teams spielen ohnehin meist gegen Hochkaräter, wenn es geht. Das ändert sich nicht, die "Nations League" garantiert dem DFB ein Abo auf Klassiker gegen England und Italien. Diesen Spielen fehlte es noch nie am Wettbewerbsgedanken. Armenien, Kasachstan und Weißrussland dagegen bleiben weiter unter sich, spielen im Zweifel  sogar eher seltener gegen die Großen. 

Aber, und das erklärt alles, die kleinen Verbände bekommen mehr Geld. Die Zentralvermarktung der Uefa macht es möglich. Statt für die Fernsehrechte am Freundschaftsspiel gegen Österreich nur Kleckersummen einzunehmen, füllt die Uefa die Kassen. Schön für die kleinen Verbände, und noch schöner für Monsieur Platini, der sich mit diesem Gefallen ihre Stimmen bei der Fifa-Präsidentschaft sichern will.

"Die Schraube nicht überdrehen"

Der Deutsche Fußball-Bund hat übrigens wie alle anderen Verbände zugestimmt, trotz Skepsis, "aus Solidarität", wie Präsident Wolfgang Niersbach sagte. Bedenken tragen und mitmachen, nichts anderes hätte man in dieser Situation von den deutschen Vertretern erwartet. Zumal auch der DFB sich mehr Einnahmen durch das neue Turnier und die attraktiven Paarungen erhoffen wird. "Für mich bleiben die Finalturniere der WM und EM immer das absolute Highlight", fügte Niersbach noch hinzu.

Die Vereine werden die Entscheidung mittragen, solange der Terminkalender nicht voller wird, kündigte Bayerns Karl-Heinz Rummenigge an. Bayer Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade aber wurde grundsätzlich: "Ich befürchte, dass der Fußball in Gefahr gerät, sich zu inflationieren." Selbst Gesinnungs-Eventmanager Oliver Bierhoff warnte davor, "die Schraube nicht zu überdrehen."

Tatsächlich muss man sich Gedanken machen, ob man neben all den Supercups und Audi Cups auch noch eine " Nations League" braucht - die dann vielleicht nach dem Uefa-Sponsor "Gazprom Nations League" heißen könnte. Die Klassiker leben von ihrem Mythos. Davon, dass manche Teams eben nur alle acht Jahre aufeinandertreffen. Um dann Spiele für die Ewigkeit hinzulegen. Und übrigens, wie nennt sich eigentlich der Sieger der "Nations League"? Interims-Europameister?

Quelle: n-tv.de

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