Fußball

Warum Wolfsburg hart bleiben muss Draxlers Pöbelei schadet nur ihm selbst

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Zunge raus und weg? Julian Draxler provoziert seinen Klub.

(Foto: imago/Eibner)

Fußball-Nationalspieler Julian Draxler hat die Schnauze voll vom VfL Wolfsburg. Der Klub will ihn nicht freigeben. Draxler versteht das nicht, wirft den Bossen Wortbruch vor. Mag sein. Doch das Problem hat er sich selbst eingebrockt.

Hätte sich Marco Reus vor der Fußball-Europameisterschaft nicht verletzt, Julian Draxler hätte in Frankreich wohl eine ziemlich unauffällige Zeit im Kreise seiner Nationalmannschaftskollegen verbracht - und sich die aggressive Provokation seines Arbeitgebers in der "Bild"-Zeitung nun nicht erlauben dürfen. Aber Reus hat nun einmal ziemlich hartnäckig nervende Adduktoren – und Draxler hat davon profitiert, was er jetzt auf dreiste Weise auszuspielen versucht. Viermal durfte der 22-Jährige bei der EM von Beginn an spielen, einmal wurde er eingewechselt, ein weiteres Mal schaute er nur zu.

Seine Leistungen: meistens gut, manchmal sehr gut. Dass er mit seinen Auftritten das Interesse anderer Vereine weckt, so läuft's halt. Dass er sich aber nun selbst derart überhöht, in einem "Bild"-Interview gegen die beiden Hauptverantwortlichen seines Klubs (Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking) Wolfsburg pöbelt und einen Wechsel erzwingen will, es ist nicht weniger als eine Frechheit.

Draxler kann freilich denken, was er will. Das ist sein gutes Recht. Und natürlich kann er darüber enttäuscht sein, dass in der kommenden Saison beim VfL Wolfsburg kicken muss und nicht für den angeblich interessierten FC Arsenal. Dass er sich in einer (Stand jetzt) personell abgewerteten Mannschaft nur in der Bundesliga und im DFB-Pokal beweisen darf, nicht aber auf der europäischen Bühne.

Vorwürfe nur an sich selbst

Aber wem will er denn ernsthaft einen Vorwurf machen, wenn nicht sich selbst? Im vergangenen Sommer wollte Draxler den FC Schalke 04 unbedingt verlassen, zu groß seien die Erwartungen. Er ging nach Wolfsburg, unterschrieb einen Vertrag bis 2020. Eine verdammt lange Bindung, viel mehr als das nun von ihm behauptete Sprungbrett, zu der ihn niemand gezwungen hat. "Der VfL bietet mir eine hervorragende Perspektive und hat eine äußerst starke Mannschaft", sagte er damals: "Ich freue mich auf die Champions League mit dem VfL und will hier in den kommenden Jahren um Titel mitspielen."

Nun, so ist es nicht gekommen. Der VfL hat ein fürchterliches Jahr hinter sich – zumindest in der Bundesliga. Die Qualifikation für Europa wurde verpasst, Highlight-Spiele wie das Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid gibt's 2016/17 nicht. Für den Verein ist das nicht schön, für ambitionierte Spieler wie Draxler noch weniger. Aber es zeigt etwas, was den Sport so lebendig, so spannend macht: Erfolg ist in den meisten Fällen nicht planbar. Dass eine Mannschaft trotz topbesetztem Kader schwächelt? Draxler, der ganz sicher nicht dumm ist, hätte so etwas in seiner Karriereplanung mit einrechnen dürfen, gar müssen.

Eine persönliche Falle gestellt

Die aber sieht nun etwas anderes vor: den Wechsel zu einem internationalen Topklub. So nachvollziehbar der Wunsch ist, auch mit Blick auf seine Zukunft in der DFB-Elf, so untauglich ist das Mittel, mit dem der Linksfuß ihn erzwingen will. Sich aus einem gültigen Vertrag herauszupöbeln, schadet vor allem ihm selbst. Dass sein Medienberater den in Rage geratenen Youngster im Interview offenbar nicht bremste, war eine ziemlich dumme Idee. Selbst wenn Draxlers Vorwürfe des Wortbruchs und der Non-Kommunikation stimmen, sie derart zu äußern, ist ja kein bisschen besser als das (mögliche) Verhalten von Hecking und Allofs.

Den eigenen Verein jedenfalls hat er verprellt. Den Manager, den Trainer und die Fans. Sich selbst hat er in die Falle gelockt. Vier Jahre hat er noch Vertrag. Und weil Verträge eine rechtliche Bindung besitzen und nicht bloß eine Vorstellung von Möglichkeiten sind, hat der Klub trotz des hohen Gehalts keine Notwendigkeit, schnell zu reagieren. Er kann und muss das Theater locker aussitzen. Denn Draxler ist in den Planungen des VfL ja eine zentrale Rolle zugeteilt.

Und die wird er erfüllen müssen. Denn lässt er sich hängen, provoziert auch noch mit schlechten Leistungen einen Wechsel, wirft er seine Karriere weg. Er täte also genau das, was er eigentlich nicht will. Für den VfL eine (den Umständen entsprechend) prima Situation: Aushalten, Draxler in die Verantwortung zwingen, ein klares Statement setzen, dass Fußballvereine nicht erpressbar sind - und wenn sich die Atomsphäre wieder auf Normalniveau abgekühlt hat, neu verhandeln. Denn einen solchen Typen, selbst wenn er fußballerisch noch so hoch veranlagt ist, braucht's eigentlich nicht im Kader. In keinem.

Quelle: ntv.de

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