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Mit Teenies im DFB-Pokal Eimsbüttel droht Rekordpleite

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Mit einem Durchschnittsalter von 19,1 Jahren tritt der Eimsbütteler TV in der ersten Pokalrunde gegen Zweitligist Greuther Fürth an, allerdings nicht ganz freiwillig.

(Foto: Screenshot Eimsbütteler TV)

Milchbubis gegen gestandene Zweitliga-Profis - für die A-Jugend des Eimsbütteler Turnverbandes wäre in der 1. Pokalrunde schon eine einstellige Niederlage gegen Greuther Fürth ein Erfolg. Warum nicht das Herrenteam gegen Fürth antritt? Weil das nach einem Streit um die Pokalprämie fast geschlossen aus dem Verein ausgetreten ist.

Im Trickfilmchen auf der Vereinshomepage ist die Sache kinderleicht: Wie eine Kanonenkugel schlägt der Ball mit Donnergetöse im Tor der SpVgg Greuther Fürth ein. Die Realität wird brutal anders sein am Sonntag (14.30 Uhr/im n-tv.de Liveticker), wenn der sechstklassige Eimsbütteler Turnverband die Franken zum DFB-Pokal-Spiel erwartet.

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"Das jüngste ETV-Team aller Zeiten", wie es in der Stadionzeitung in großen Lettern beworben wird, ist nämlich nichts anderes als eine Notelf. Der Hamburger Landesligist muss eine verstärkte A-Jugend gegen den übermächtig scheinenden Zweitligisten aufs Spielfeld schicken, nachdem die Herrenmannschaft wegen eines Prämienstreits fast komplett den Klub verlassen hat.

Zumindest dieser Zwist kann sich nicht wiederholen. "Es wird eine fixe Summe an die Mannschaft ausgeschüttet, wenn sie die nächste Runde erreichen sollte. Da ist alles geklärt", sagt der ETV-Vorsitzende Frank Fechner. Die genaue Summe mag er nicht nennen, sie ist auch irrelevant, denn die Hanseaten sind die wohl krassesten aller Außenseiter in der diesjährigen Pokalrunde. Kapitän und Torhüter Jonas Struckmann wird es hautnah zu spüren bekommen: "Wir versuchen, so normal wie möglich zu trainieren, aber die Nervosität steigt natürlich langsam an."

Torwarttrikot im Mauerdesign

Die Gäste mit Erstliga-Ambitionen werden sich kaum vom speziellen Torwarttrikot des 18-Jährigen im dezenten Mauerstein-Design abschrecken lassen. Das Jersey ist bereits Bestandteil eines neuen Ausrüstervertrages über drei Jahre, die sich über Wochen hinziehenden und von den Medien im Sommerloch gern aufgegriffenen Vereinsquerelen haben auch einen Trikotsponsor angelockt. Ins eiskalte Pokalwasser geworfen wird auch Trainer Harald Wenzing, der seine Mannschaft erst vor wenigen Wochen in die A-Jugend-Regionalliga führte und nun vor der größten sportlichen Herausforderung seines Lebens steht: "Normalerweise muss man als Coach vor dem Spiel Spannung aufbauen, diesmal geht es darum, sie runterzudrehen."

Innenverteidiger Gunnar Hitscher kennt aus dem Finale um den Hamburger Pokal als einziger das Gefühl, vor mehreren Tausend Zuschauern zu spielen. Er vollzog nach einer Bedenkzeit den Rücktritt vom Rücktritt. "Ich fühle mich jetzt wie der letzte Mohikaner", sagt der 23-Jährige, dessen Umorientierung viele Ex-Kollegen nicht verstehen können: "Da sind schon einige Freundschaften kaputtgegangen." Zum Bruch zwischen Team und Verein kam es, weil der Klub 50 Prozent der Prämie für den Hamburger Pokalsieg (110.000 Euro) an die Spieler auszahlen wollte, die Kicker jedoch 70 Prozent verlangten.

Als Zweitältester des Teams mit einem Durchschnittsalter von 19,1 Jahren sieht sich der Abwehrspieler fast notgedrungen in einer Führungsrolle, er beschwört schon jetzt seine Mitspieler: "Auch wenn es schnell 0:3 oder 0:4 steht, müssen wir weitermachen, als stünde es noch 0:0." Andernfalls könnte die Rekordpleite des VfB Knielingen aus dem Jahr 1941 in Gefahr geraten. Die Karlsruher verloren seinerzeit gegen die Stuttgarter Kickers mit 0:17.

Quelle: n-tv.de, Andreas Frank, sid

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