Fußball

"Bye, bye, Frankfurt" - warum nur? Ein Abstieg ohne Grund

Für Eintracht Frankfurt geht's wieder einmal in die 2. Fußball-Bundesliga. Nach desaströser Rückrunde mit nur sieben Toren und acht Punkten müssen die Fans aber nicht nur den vierten Abstieg ertragen, sondern auch das Mitleid von Sabine Töpperwien. Das hätte nicht sein müssen.

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Mund abputzen und direkt wieder aufsteigen, diese Parole hat Noch-Eintracht-Trainer Christoph Daum nach dem vierten Abstieg der Vereinsgeschichte ausgegeben. Wenn's nur so einfach wäre!

(Foto: REUTERS)

"Sorry, Frankfurt" - Nichts ist schlimmer als Mitleid von Sabine Töpperwien, die das für den Traditionsverein Eintracht Frankfurt so wichtige Bundesligaspiel beim deutschen Meister Borussia Dortmund in der Radio-Konferenz kommentierte. Nach 1996, 2001 und 2004 ist der 4. Abstieg aus der 1. Fußball-Bundesliga nun amtlich für die Hessen – und nie war ein Abstieg überflüssiger.

Nach der Hinrunde gerade zwei Punkte hinter den internationalen Plätzen, den Meisterfavoriten BVB zu Hause 1:0 besiegt, träumte der Verein mitsamt seinen stolzen Fans von der Europa League nicht ganz zu unrecht. Nun warten statt möglicher Traumgegner wie Liverpool oder Juventus Turin der FC Ingolstadt oder Paderborn und zu allem Überfluss schauen beim Abstieg am 34. Spieltag auch noch 196 Länder live zu, weil Dortmund im Gegensatz zur Eintracht im Jahr 2011 nicht einbricht. Aber woran lag es?

Bruchhagen trifft keine Schuld

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Vorstandschef Heribert Bruchhagen traf mutige Entscheidungen, blieb aber glücklos.

(Foto: dpa)

Gründe gibt es wohl viele. Am zuletzt stark in der Kritik stehenden SGE-Boss Heribert Bruchhagen liegt es zumindest nicht. Er ist dafür verantwortlich, dass die Eintracht finanziell auf gesunden Füßen steht. Er machte die alte, "launische Diva vom Main" zum etablierten Erstligisten. Gut, die Mannschaft spielte lange dröge. Mittelmaß. Graue Maus. Aber dagegen sollte Trainer Michael Skibbe etwas tun. Er kam und es lief besser. Die Frankfurter spielten offensiver und dachten an Höheres – wie die Fans.

Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. In der katastrophal schlechten Rückrunde mit einem Sieg, sieben Toren und acht Punkten war einfach der Wurm drin. Theofanis Gekas, Torgarant der Hinrunde, traf nicht mehr. Gleichwertiger Ersatz, sprich ein Spieler, der in die Bresche springt? Fehlanzeige. Und mit den zunehmenden Niederlagen, zugegeben viele sehr knapp, verlor das Team den Glauben an sich selbst. Skibbe ließ zu oft nur mit einer Spitze spielen und fand nicht mehr den Draht zur Mannschaft - oder zu spät, wie der knappe Sieg über den jetzigen Mitabsteiger St. Pauli beweist. Seine Ablösung hätte eher kommen müssen. Das kann man der Vereinsführung um Bruchhagen vorwerfen.

Daum hätte funktionieren müssen

Dass dann mit Christoph Daum ein Trainer aus dem Hut gezaubert wurde, der in den Medien heftig umstritten ist, polarisiert, aber den dennoch keiner in der Trainerdiskussion auf dem Zettel hatte, zeugt hingegen vom Mut Bruchhagens. Und eigentlich hätte es funktionieren müssen: Die Mannschaft um Kapitän Ochs schwärmt von den Motivationskünsten Daums. Heraus springt aber dennoch kein Sieg in seiner Amtszeit. Zu wenig für den ehrgeizigen Daum, zu wenig für die Eintracht, zu wenig für die Fans.

Dennoch: Daum sind nur zwei Sachen vorzuwerfen: 1. Oka Nikolov auf die Bank und Ralf Fährmann ins Tor zu stellen. Der junge Keeper patzt mehrmals. Nikolov, erfahren im Abstiegskampf, ruhig und besonnen, hätte es vielleicht besser gemacht. Hätte, wäre, wenn. … Zumindest gegen den BVB stimmte Fährmanns Leistung. 2. Im alles entscheiden Spiel - wie Skibbe einst - nur mit einer Spitze gespielt zu haben. Frankfurt hätte nur ein Sieg geholfen, Denn Schützenhilfe aus dem bei den Frankfurter Fans verhassten Hoffenheim im Spiel gegen den Mitabstiegskonkurrenten Wolfsburg zu erhoffen - geschenkt. Auch im Spiel HSV gegen Möchengladbach war Hilfe nicht einzuplanen.

Hast du Scheiße am Fuß, ...

Am Ende kam es wie es kommen musste - oder wie eine alte Fußballweisheit besagt: Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß. Zwei gehaltene Elfmeter und ein Führungstor reichten gegen den neuen deutschen Meister nicht. Fassungslosigkeit und Enttäuschung in den Gesichtern der Frankfurter Mannschaft, des Trainerstabs und der Führungsriege. Die versprach dann gleich den "direkten Wiederaufstieg". Das dürfte schwer genug werden. Die Mannschaft steht vor einem Umbruch. Viele sind bereits seit dem letzten Wiederaufstieg dabei. Frisches Blut ist nötig und junge, talentierte Spieler gibt es bereits, wie Sebastian Rohde, Sonny Kittel oder auch Marcel Titsch-Rivero beweisen. Ob Trainer Daum mit in die 2. Liga geht, bleibt abzuwarten. Ebenso, ob die Einstellung eines Sportdirektors etwas bringt.

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Selbstironisch in die 2. Liga: Fans von Eintracht Frankfurt versuchen in Dortmund über die schweren Randale einiger Eintracht-Fans zu scherzen.

(Foto: dpa)

Fakt ist: Die ruhm- und traditionsreiche Frankfurter Eintracht gehört in die 1. Fußball-Bundesliga. Das wird die Frankfurter Eintracht in der neuen Saison beweisen: sich, den Fans und auch Sabine Töpperwien.

Quelle: ntv.de